Glitzi, Tussi und der Jaguar

Glitzi, Tussi und der Jaguar

Zum ersten Mal wurde das Frauenauto des Jahres gekürt. Ist es rosa? Glitzert es? Sieht es aus wie ein Schuh? Kann man es essen, ohne dick zu werden? Nein, es handelt sich schlicht um eine britische Luxus-Karosse. Wiebke Brauer wundert sich.

Gerade war ich kurz davor, mit dem Kopf auf die Tastatur zu kippen. Uaaaaahhhhh, Schlafanfall. Grund war die Meldung, die ich las. Das „Women’s World car of the Year“ war gekürt worden. Mal wieder ein Frauenauto, wie öde. Bestimmt wieder ein SUV oder etwas kleines Schnuckeliges. Das ist doch immer so. Und wenn es um Mobiltelefone und Laptops geht, gibt es auch nur zwei Möglichkeiten. Sie müssen rosa sein. Sie glitzern. Als hätten die Designer vorher mit den Schultern gezuckt, sich das Hirn mit einer Runde Mario-Barth-DVDs weggeblastet und dann gesagt: „Glitzi-rosa. Tussis mögen Glitzi-rosa.“ Grunz.
Aber halt, es wurde gar kein SUV gekürt, sondern ein Jaguar XF! Ich öffnete ein Auge. Ein was? Wer will denn den? Und warum überhaupt? Der Schreiber informierte mich darüber, dass „gerade die einzigartige Kombination aus Sportlichkeit und Luxus, der große Komfort und die hohe Qualität“ des XF Attribute seien, „die Frauen besonders gefallen“. Das hätte die Jurorin Sandy Myhre gesagt. Ach so. Das sind natürlich automobile Eigenschaften, auf die Männer gaaaar keinen Wert legen. Ich las weiter.

„Die acht Ladies des neu konstituierten Fachgremiums sind allesamt Spezialistinnen auf ihrem Gebiet. Sie schreiben für Fachmagazine und haben zum Teil sogar Erfahrungen aus dem Motorsport.“

Immer, wenn jemand „Ladies“ schreibt, muss ich mich kurz übergeben. Ich meine, nenne ich die Wirtschaftsweisen die fünf Boys aus dem Sachverständigenrat? Und sie haben SOGAR Erfahrungen in Sachen Wirtschaft? Leicht enerviert knabberte ich einen alten Keks und ließ mich darüber informieren, was „Ladies“ interessiert, nämlich Übersichtlichkeit, Kinderfreundlichkeit, Sicherheit, Umweltfreundlichkeit und Manövrierbarkeit. Jajaja, kennt man alles. Dazu „flossen weiche Faktoren wie der ästhetische Anspruch, Farben und Materialien sowie der Sex-Appeal des Designs in die Wertung ein.“ Der Sexappeal des Designs ist natürlich von elementarer Wichtigkeit. Für Frauen jetzt, nicht für Männer. Denen ist es ja völlig Banane, wie die Karre aussieht. Und dann kam mein Lieblingssatz:

„Und was uns Männer interessiert: Mit dem 5,0 Liter großen V8-Kompressor-Motor entwickelt der XFR als Top-Modell satte 510 PS und 625 Nm Drehmoment. Der gewaltige Motor beschleunigt den XFR in nur 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.“

So ist das also. Frauen stehen nämlich auf sexy Design, Sicherheit, Sportlichkeit, Luxus und ungefähr 300 andere Kriterien, die ich gerade vergessen habe. Und Männer haben nur eine Gedankenblase im Kopf. In der steht: „Geht voll ab, das Ding.“
Übrigens haben die Boys neulich den Opel Insignia zum „Auto des Jahres“ 2009 gewählt. Boliden sehen anders aus, aber mich hat ja keiner gefragt.
Verrückte Welt. Ich gehe mal staubsaugen. Übrigens: Seit dem 20. Dezember erscheinen Wiebkes Artikel alle zwei Wochen neu im Carsablanca Magazin.