Frauen fahren besser

Frauen fahren besser

Ja ja, Einparken, Schneckengeschwindigkeit und vierzig Jahre unfallfrei, weil man nur zum Einkaufen fährt – Wiebke Brauer kennt die Vorurteile. Trotzdem bleibt sie dabei: Männer haben es nicht drauf. Und Schuld daran ist ein Kadett.

Ich persönlich hatte ja noch keinen selbstverschuldeten Unfall. Bis auf das abrasierte Blinkerglas vom Strich Achter, der am nächsten Tag verkauft werden sollte. Und die eingedrückte Tür bei der Badewanne, weil die Straße doch ein bisschen enger war als gedacht. Der Smart hatte ja nichts. Naja, dann war da noch die verbogene Schürze vorn beim 123er, weil im Parkhaus so komische kleine Quader die Parklücke begrenzten. Aber ICH habe noch keinen Motorradfahrer übersehen. Und ich habe auch noch keinen Radfahrer in der Bismarckstraße platt gemacht. Mir ist auch noch nie ein Reh in die Autoseite gerannt. Das waren alles Männer. Und nicht nur das. Womit wir bei meinem traumatischen Erlebnis in Sachen Männer und Autos wären. Nein, es war kein Herzensbrecher mit einem Dino von 1972, es war ein Kadett. Oder um genauer zu sein: Ein Typ, der mit seinem roten Kadett aus der Ausfahrt auf eine dreispurige Straße schoss. Ohne zu checken, ob wer von links kommt.
Ich kam. Mit meinem ersten Mercedes, ein goldener 123er mit roten Plüschsitzen. Ich hatte ihn mir drei Monate zuvor gekauft, okay, es war ein Hütte, aber ich liebte ihn.
Die Motorhaube war vom blank polierten Stern bis zur Beifahrertür zerschrotet. Und was sagt der Kerl zu mir, als ich auf ihn zugehe, um ihn zu erwürgen? „Das kann man ja immer schlecht sehen, ob da jemand kommt“ Ja, ist richtig, ist auch immer schlecht denken, wenn hohl. Da stand ich nun, mit einem goldenen Haufen Schrott, komplett entwürdigt von einem Honk mit Kadett. Ausgerechnet ein Kadett. Da wäre mir sogar ein BMW lieber gewesen.
Seitdem können mir Männer alles über schlecht fahrende Frauen erzählen. Ich weiß es besser: Beware of the male Kadett-Fahrer in the Straßenverkehr.