Frauen auf die Haube!

Frauen auf die Haube!

Sie räkeln sich und wühlen sich im Haar herum, schubbern über den Lack und halten ihre Zähne in die Kamera. Warum nur? Heute sinniert Wiebke Brauer über den Vollkontakt zwischen Karosse und Kehrseite.

Frauen mögen Motorhauben. Muss ja so sein, denn sonst würden sie nicht ständig darauf rumrutschen. Wobei: Jeder Frau, die versuchen würde, ihren Hintern auf meiner Motorhaube zu platzieren, würde ich persönlich eine ballern. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Haube dellt, wenn man sich draufsetzt. Es sei denn, man wiegt 20 Kilo, Abtropfgewicht und ohne Schmuck.
Aber nun ist es raus. Ich tue es auch. Wobei ich versuche, meine Masse dann so gleichmäßig zu verteilen wie eine Beton-Qualle auf dünnem Eis. Ich weiß nicht genau, warum ich so gerne meinen Hintern auf den Kisten ablagere. Ist es eine Art naturgegebener Sexismus? Ein angeborener Instinkt, sich auf alles zu setzen, was länger ist als breit? Bin ich ein antifeministischer Albtraum? Ja!
Wobei: Nicht alles, was phallisch ist, sollte auch besetzt werden. Echte Phallikerinnen hätten in diesem Land nichts anderes mehr zu tun. Wobei viele Autos vor uns – ich sage jetzt mal uns, das hat so etwas Gruppales – sicher sind. Der Golf zum Beispiel. Viel zu kurz, das Ding. Kommt gleich nach Kangoo. Oder Hyundai irgendwas. Und warum findet die Damenwelt den Fiat so süß? Weil er so ein kurzes und entzückendes Stupsnäschen hat – und damit soviel Sexappeal wie ein Basset, den man aus Versehen getreten hat.
Kam nicht neulich die Frage auf, warum Frauen auf den E-Type stehen? Naaaa? Klingelt was? Und warum habe ich eine diffuse Schwäche für den Capri?
Vielleicht liegt es schlicht daran, dass ich großvolumige Motoren unter der Haube vermute. Zylinder ohne Ende. Andere haben vielleicht schlicht einen kalten Pöker. Und es vibriert so schön, wenn er läuft. Man sagt Frauen ja auch nach, sie gerieten beim Fahren eines Rennrades in Ekstase. Natürlich nur in Verbindung mit Kopfsteinpflaster. Sicher! Deswegen lieben wir auch Autos ohne Stoßdämpfer!
Oh, meine Waschmaschine schleudert auf 1400 Umdrehungen, ich muss gehen. Bauknecht weiß, was Frauen wünschen.

Autor: Wiebke Brauer