Fragen Sie Frau Doktor W.

Fragen Sie Frau Doktor W.

Manche Menschen denken über Tütensuppen nach. Oder über Diskriminierung. Andere zerbrechen sich den Kopf über die Frage nach dem richtigen Auto. Und fragen ausgerechnet Wiebke Brauer

„Sag mal, Du kennst Dich doch mit Autos aus.“ Das höre ich gern, ist zu 80 Prozent unwahr, aber im Gegensatz zu Männern gebe ich es zumindest zu. Aber ich weiß: Nach dieser Einleitung kommt eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Oder will. Neulich fragt mich nach eben diesem Vorspann eine Frau, ob sie sich einen Toyota Aygo kaufen solle. Ich meine, was soll ich darauf antworten? Der Toyota Aygo mag ein sinnvolles Auto sein. Aber es ist auch sinnvoll, seine Finger von Männern zu lassen, die auf einen Blick erkennen, welche Körbchengröße man hat.
Antwortet man auf eine Aygo-Frage mit einem: „Kommt drauf an…“ hat man erstens niemandem geholfen, zweitens seine Rolle als Großmaul nicht verteidigt und ist drittens von sich selbst unfassbar gelangweilt. Insofern schaute ich sie an, schätzte ihre BH-Größe ab – 75 B – und sagte: „Klar, Schätzecken.“ Oh, da bin ich jetzt in Sachen Gender etwas durcheinander geraten. Eigentlich wollte ich auch auf etwas anderes hinaus: Auf die C&A-Frage. Die nach der Coolness und dem Anhang. Und so begab es sich:
„Sag mal, Wiebke, Du kennst Dich doch mit Autos aus.“
„Ja, sicher. Klaro. Schieß los.“ (Gedankenblase über mir: „Neinneinneinneinnein“)
„Wir haben Kinder und wollen ein cooles Auto. Was sollen wir kaufen? Wir haben an einen Jaguar XJ gedacht. Also mein Mann.“
Pause.
„Kein Problem, lass mich kurz überlegen.“ (Gedankenblase über mir: „Keine Ahnung. Kauf Dir einen Touran wie alle anderen“)
Ehrlich? Was empfiehlt man einer Familie mit zwei Kindern in Deutschland? Ich persönlich würde zunächst sagen: „Leg Dir ein T-Modell zu.“ W123, 300 TD in Labradorblau. Vielleicht schätze ich den Wagen so, weil ich ihn mal fuhr – und mir dann in einer sehr engen Straße eine Frau in einem Corsa entgegenkam und mir Platz machte. Dabei nahm sie zwei parkende Autos auf ihrer Seite mit. Das hat mich schwer beeindruckt. Ich meine, wie geil breit muss ich auf die Corsanerin gewirkt haben? (Ja, total lustige Doppelbedeutung.) Aber nicht jeder findet das T-Modell so entspannt wie ich. Und ganz ehrlich? Er ist auch ein bisschen zu praktisch, wenn ich es recht bedenke.
Eigentlich kann es auf solche Fragen wie nach einem Jaguar XJ, nach einem Mustang, Volvo 740 oder Lincoln Continental als Familienkutsche nur eine Antwort geben. Sie lautet: „Der ist zu alt. Zu groß, zu teuer und zu durstig.“ Dann folgt eine kleine Kunstpause. Und dann zieht sich ein Mundwinkel eine unmerkliche Idee nach oben.
„Nimm ihn sofort.“ 

Autor: Wiebke Brauer