Flirten im Oldtimer

Flirten im Oldtimer

Ein Ampelflirt, ein Zwinkern von Chrom zu Chrom? Von wegen, stellt Wiebke Brauer fest. Im Straßenverkehr lernen sich Mann und Frau garantiert nicht wegen ihrer coolen Autos kennen. Im Gegenteil.

Entenfahrer tun es. Motorradfahrer tun es. Aber ein Opel GT-Fahrer tut es nicht. Einem Fahrer eines alten Fiat 500 würde es auch nie einfallen. Wir sprechen hier vom Grüßen. Oder einfach nur einen Blick werfen – vom Flirt ganz zu schweigen.
Ich muss sagen, ich war enttäuscht. Kaum hatte ich mir den ersten eigenen Youngtimer angelacht, dachte ich: „Super, einmal losfahren, und schon hast du zehn neue Freunde, die auch einen schönen alten Wagen fahren. Ist ja wie eine Familie, nur mit Sexappeal.“ Haste gedacht, fette Schnecke. Der Mann in dem Karmann-Ghia war sehr in seinen Autohimmel vertieft, der nächste studierte sein Lenkrad und der gut aussehende dunkelhaarige Mann in dem Strich Achter machte auch einen auf „Schweine im Weltall“. Vielen Dank, das war wohl nichts. Die einzigen Männer, die ich kennen lernte, fuhren Golf und sabbelten mich an der Tankstelle an. „Der schluckt ganz schön, oder?“ Auf die schlechten Antwortmöglichkeiten (Frau + Schlucken = total witzig) verzichten wir an dieser Stelle und gehen gleich zur nächsten irre innovativen Anmache über. Die da lautet: „Gehört der Dir?“ oder wahlweise „Der ist aus den 50ern, oder“ SICHER! Ganz gewöhnliches Modell der Wirtschaftswunderjahre mit Servolenkung und elektronischer Einspritzung. Männer und Technik.
Gut, dachte ich mir, flirten ist also nicht mit meinesgleichen. Aber „meinesgleichen“ war genau das Stichwort. Ich erwischte mich schnell dabei, dass ich mich selbst am Steuer meines Oldtimers so dermaßen gelungen fand, dass es nicht zum Aushalten war. Es gab kein „Meinesgleichen“, ich war mit meinem Wagen das coolste Wesen auf diesem armseligen Planeten voller minderwertiger Yaris, Superbs und Tourans. Alles Geschnätz! Und schon begann ich, meinen Autohimmel sehr verliebt zu fixieren, studierte an roten Ampeln mein anbetungswürdiges Lenkrad – und machte einen auf Schweine im Weltall. Und begriff in diesem Moment: Oldtimer-Fahrer lernen sich im Straßenverkehr nicht kennen, weil sie sich für etwas Besseres halten. Bisschen schade eigentlich. Aber das ist der Preis der Coolness.

Autor: Wiebke Brauer