Erlebnis Mille Miglia - Das Interview

Erlebnis Mille Miglia - Das Interview

Bei der Mille Miglia mitfahren, das ist für viele ein großer Traum. Für Carsablanca-Mitglied Uwe ist er bei der diesjährigen Austragung zum zweiten Mal in Erfüllung gegangen. Im Interview berichtet er von 1000 Meilen Italien.

Carsablanca-Mitglied Uwe Wießmath (siata) war bei der Mille Miglia 2009 in seiner Siata Barchetta dabei und berichtet im Interview von seinen Erfahrungen.

Drei Tage, 1600 KM und das in einem über 50 Jahre alten Auto – wie geht es einem nach so einer Tour?

Man ist total kaputt, aber hat noch so viel Adrenalin in sich, dass man erst drei Tage später merkt, wie kaputt man wirklich ist.

Die Nächte waren vermutlich auch nicht besonders lang...

Nein. Als wir in der ersten Nacht nach Solferino gekommen sind, hat der Motor angefangen zu stottern. Da war es zwei Uhr Nachts. Ich wollte ihn wieder starten und wir haben den Wagen angeschoben, aber der Motor blockierte. Ich dachte schon er hätte einen Kolbenfresser. Zufällig war da am Ort eine Traktorenwerkstatt. Wir sind bei denen auf eine Traktorengrube, haben die Ölwanne abgeschraubt und geschaut. Der Motor drehte! Wir hatten für den Zusammenbau natürlich nicht die richtigen Dichtungen und haben einfach Silikon genommen.
Mein Mechaniker meinte dann: „Du, ich weiß woran es liegt. Es ist der Anlasser, der blockiert“. Daraufhin haben wir den Anlasser ausgebaut, den braucht ja kein Mensch bei einem so leichten Auto, dass kann jeder anschieben.
Daran lag es aber nicht, an der Benzinpumpe gab es einen Wackelkontakt.
So haben wir in der ersten Nacht nur drei Stunden geschlafen...
In der zweiten Nacht in Rom hatten wir auch nur drei Stunden Schlaf.

Ihr wusstet ja, auf was Ihr Euch einlasst...?

Natürlich. Ich war als Fahrer das zweite Mal dabei, aber schon seit 1992 bin ich jedes Jahr als Zuschauer vor Ort. Da was damals noch ganz anders...

...Viele Teilnehmer waren wohl dieses Mal etwas genervt von den vielen mitfahrenden Oldtimern, die gar nicht zur Mille Miglia dazu gehörten?

Naja, irgendwie wollen die Mille Miglia-Teilnehmer die echten Stars sein. Und so hast Du ein Problem mit vielen Staus, weil so viele andere dabei sind. Aber mittlerweile hat der Veranstalter schon ziemlich ausgesiebt, die Mitfahrerei hat schon etwas abgenommen. Damals war das alles viel schlimmer, dieses Mal haben die es echt supergut gelöst.

Wie war dein Eindruck von der Mille 2009 und dem Veranstalter im Vergleich zu den Vorjahren?

Es ist sehr viel kommerzieller geworden, schon von der Präsentation her. Wirklich gut gemacht ist jetzt die technische Abnahme. Vorher hat es ewig lange gedauert, jetzt ist es besser strukturiert, aber es ist natürlich trotzdem noch ziemlich viel italienisches Chaos dabei.
Es ist schon schwierig, weil man nicht genau weiß, wo man für was wo hin muss. Glücklicherweise war ich ja schon ein paar Mal dort, insofern war es etwas leichter.
Insgesamt ist noch immer Vieles ziemlich chaotisch italienisch, aber die Mille wird langsam etwas deutscher.

Was ist für Dich eigentlich das Besondere an der Mille Miglia?

Es war das wichtigste Straßenrennen der Welt, legendär!
Heute ist es die einzige Rallye, bei dem du zwischendurch noch wirklich ein Rennen fährst, wo Du dieses Rennfieber erlebst.
Und überall wirst du durchgeleitet von der Polizei. Es ist so, als wenn die Bundeskanzlerin in einer Eskorte fährt. Ich habe, glaube ich, nur an fünf Ampeln auf der ganzen Strecke anhalten müssen.
Dann sind da die ganzen Leute, die applaudieren. Ganze Schulklassen standen an den Straßen und haben uns zu gejubelt. So ein Erlebnis wie die Mille Miglia kannst Du nirgendwo für Geld oder gute Worte haben!

Das Fahren an sich ist schon recht anspruchsvoll.

Egal wie, es ist ultra anspruchvoll. Du fährst eigentlich immer auf 90%. Es hat schon etwas mit Rennfahren zu tun. Du schaust immer, wo du an wem vorbeikommst, wo eine Lücke ist.
Natürlich musst Du dich an die Straßenverkehrsordnung halten, aber wenn ein Polizeiwagen Dir mit 120 Km/h voraus fährt, dann musst Du eben folgen.
Auf jeden Fall solltest Du dein Auto gut kennen. Ein Auto kaufen und dann mitfahren macht keinen Sinn, zwei Jahre solltest Du ein Auto schon gefahren sein, bis Du das erste Mal mitfährst.
Auf jeden Fall ging es richtig zur Sache, deshalb gab es auch mindestens 80 Ausfälle bei den Fahrzeugen – und bestimmt zehn Unfälle auf der Strecke.

Ihr fahrt eine Siata Barchetta. Warum ausgerechnet dieses Auto?

Es war immer mein Traum. Ein 300 SL hat mich nie interessiert. Ich wollte eine offenen Rennbarchetta fahren. Ferrari oder Maserati können sich nur ganz wenige, reiche Leute leisten. Dann ist mir der Siata nach Jahren irgendwann zugelaufen, obwohl ich den Traum schon aufgegeben hatte,
Acht Jahre lang habe ich mich dann jedes Jahr bei der Mille Miglia beworben.
Jedes Jahr habe ich meinen Scheck hingeschickt, dann aber immer gesagt bekommen, dass ich nicht genommen wurde. 2006 hat dann der Veranstalter die damals 4500,- EUR Startgeld von meinem Konto abgebucht. Das Konto war aber gar nicht gedeckt, weil ich ohnehin nicht mehr damit gerechnet hatte, genommen zu werden. Ich hab dann per Eilpost schnell einen gedeckten Scheck nach Italien geschickt und war endlich dabei!

Seid Ihr im kommenden Jahr wieder dabei?

Ich werde mich wieder bewerben. Aber ob ich dieses Mal wieder genommen werde, weiß ich nicht...

Autor: Sebastian Fiedler

Wir danken Uwe Wießmath für das Gespräch und die zur
Verfügung gestellten Fotos.

Mehr zur Mille Miglia finden Sie im großen Carsablanca Mille Miglia-Special.