Er war mein Erster

Er war mein Erster

Ein Fiesta, ein Capri oder ein Seat Marbella – das erste eigene Auto prägt uns ein Leben lang. Wiebke Brauer erlebte ihre Initialzündung mit einem Citroën 2CV.

Ja ja, erster Kuss, Sex, die eigene Wohnung, das selbst verdiente Geld, alles wichtig, alles unvergessen. Aber dann gab es noch das wirklich allererste eigene Auto. Der Führerschein glänzte noch frisch, das Rosa schimmerte unbeschmutzt, und das Foto darin sorgte noch nicht für explosionsartige Lachsalven. Die Unterschrift auf dem Kaufvertrag krakelte sich über die Linie vor Aufregung, und zwei Schlüssel wurden in eine leicht zitternde Hand übergeben. Noch heute kann jeder seine Geschichte erzählen, ohne lang zu überlegen. Der weiße Fiesta, dessen Kofferraumklappe sich auf der Autobahn öffnete, der Capri mit der unsteten Motorhaube, oder der türkisfarbene Marbella, in dem man zu fünft (!) zur Loveparade fuhr.
Ich erinnere mich noch genau an meinen Ersten: Die Verkäuferin war ein verblühtes Blumenkind der 68er, mit Tunika, zerzaustem Haar und dunklem Ansatz. Der Wagen war eine Ente. Was sonst, würde man heute sagen. 500 Mark wollte sie haben, und sie kriegte sie von uns beiden Mädchen. Denn der Wagen bekam gleich zwei Jungfrauen als Besitzerinnen – zumindest im automobilen Sinne. Der Wagen forderte uns alles ab: In der ersten Woche blieb ich mit ihm auf einer großen Kreuzung stehen, weil die Benzinanzeige nicht ganz so zuverlässig funktionierte wie angenommen. Einen Monat später fiel die Elektrik zu großen Teilen aus, was darin resultierte, dass wir nicht mehr blinken konnten. Na ja, wir konnten schon. Mit der Hand. Linksabbiegen war ein Leichtes, das Abbiegen nach rechts erforderte einen Beifahrer, der rechts aus dem Fenster wedelte, um die Richtungsänderung anzuzeigen. Aber man muss zugeben: Uns wurde mit der Ente so ziemlich jede Behinderung des Straßenverkehrs vergeben, und wir waren ein einziges Hindernis. Aber der Wagen war bunt, die Mädchen jung, wer konnte uns schon böse sein. Und die Mädchen lernten schnell: Wer sich mit großen blauen Plüschaugen neben seine Ente stellt, lernt schnell neue Freunde kennen, die in fast jeder Situation gerne weiterhelfen. Und ich persönlich bekam fix heraus: Ich teile nicht gern. Ich liebe Autos, und sie müssen mir allein gehören. Und ich kann nicht genug von ihnen bekommen. Und wer ist schuld? Ein kleiner Citroën 2CV, fingerdick mit Plaka-Farbe bemalt, dafür ohne Blinker und Benzinanzeige. Der Erste bleibt für immer.