Du liebst ihn mehr als mich!

Paare streiten um Geld, um Socken oder die Kinder. Aber nichts birgt soviel Beziehungs-Dynamit wie ein Oldtimer. Wiebke Brauer macht sich Gedanken über die Eifersucht.

Natürlich verbringt man viel Zeit mit ihm. Man steckt ja auch viel Geld hinein, würde fast alles für ihn tun und liebt ihn heiß und innig. Den Partner jetzt? Ja, für den auch. Aber natürlich geht es hier in erster Linie um den Wagen. Oder die Wagen. Oder die Wagen und das Motorrad, plus die Ersatzteile im Schlafzimmer, ähem.
Blöd ist aber, wenn der Mensch, den man jeden Morgen - erfreulicherweise, muss man sagen - am Frühstückstisch sichtet, die Schnauze voll hat. „Musst Du immer soviel Zeit mit Deinen Kisten verbringen? Können wir vielleicht mal hundert Kilometer fahren, ohne den ADAC zu rufen? Hast Du schonmal über einen Golf nachgedacht?“ Spätestens dann ist der Ofen aus, aber schon kommt die nächste Frage hinterher: „Kannst Du Dir nicht mal ein vernünftiges Hobby zulegen?“ Was genau ist damit gemeint? Badminton vielleicht. Aber warum mit dem Schläger auf ausgerissene Federn hauen, wenn man sich mit 204 PS vergnügen kann, ohne ins Schwitzen zu geraten? Sieht auch besser aus.
Aber seien wir ehrlich, der Oldtimer an sich stellt eine Gefährdung für die Zweierbeziehung zwischen Mann und Frau dar. Daneben wirken Panorama-Tapeten von Angelina Jolie und fremde Schlüpper in der Manteltasche völlig harmlos. Denn der Oldtimer zermürbt langsam und hinterhältig. Frauen stellen nach Jahren ihrem Kerl entnervt das Ultimatum „Ich oder die Flotte“ – dabei ist die Zunkunft so vorhersehbar wie eine Ampelschaltung. Der Kerl entscheidet sich für die Frau und verkauft die Autos, leidet wie ein Tier, trennt sich zwei Jahre später und bleibt auf dem Skoda Octavia Kombi sitzen.
Männer wiederum wünschen ihren autoverrückten Gespielinnen einen Kolbenfresser samt Rostfraß an den Hals und träumen davon, dass sie vielleicht mal einen Fiat Punto least. Gerne auch in pink. Naja, vielleicht nicht in pink. Und vielleicht auch keinen Punto.
Also, wenn man es sich genau überlegt… Eigentlich wollen unsere besseren Hälften uns doch genauso, wie wir sind, oder? Ich möchte daran glauben.