Du kriegst ihn rein!

Du kriegst ihn rein!

Es war einmal ein Witz, der handelte davon, dass Frauen nicht einparken können. Er hatte einen ziemlich langen Bart, handelte mal von Länge, mal von Langsamkeit und in jedem Fall vom Genius des Mannes. Und wenn der Witz nicht gestorben ist, erzählt man ihn noch heute. So wie Wiebke Brauer in dieser Woche.

Warum können Frauen nicht einparken?
Hast du schon mal einen Herd auf Rädern gesehen?

Har har har. Der Diskurs Einparken und Frau erneuert sich so hartnäckig wie ein Axolotl. An kaum einem Vorurteil – sie können’s einfach nicht – reibt man sich lieber, nichts befeuert sich leichter. Zum Glück tauchen auch immer wieder neue Studien zum Thema auf. So war jüngst zu lesen, dass Psychologen der Universität Bochum in einer Untersuchung herausfanden, dass Frauen im Durchschnitt tatsächlich langsamer und ungenauer als Männer einparken. Die Herren der Universität – wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass es sich um männliche Exemplare der Gattung Psychologe handelte – ließen 17 männliche und weibliche Fahranfänger sowie 48 erfahrene Autofahrerinnen und -fahrer einparken. Mal seitlich rein, mal vorne rein, immer rein da. Dazu testeten die Psychologen das räumliche Vorstellungsvermögen der TeilnehmerInnen. Heraus kam, dass Männer nicht nur schneller in die Lücke kamen, sondern sie auch präziser trafen.

Besonders beim seitlichen Parken lagen die Kerle vorn: 42 Sekunden schneller und drei Prozent genauer gelang ihnen das Einparken. Ist das nicht wunderbar? Ganze drei Prozent! An dieser Stelle fragt man sich natürlich, ob die Jungs in Bochum eigentlich nichts Besseres zu tun haben, als arglose Bürger um die Wette parken zu lassen. Doch halt! Damit das Ganze wissenschaftlicher rüberkommt, befragten die Psychologen die Probanden zusätzlich nach ihrer Selbsteinschätzung. Dabei stellten sie fest, dass „bei Frauen die geringeren Einparkfähigkeiten ihr negatives Selbstbild eine wesentliche Rolle spielt.“ Anders formuliert: „Konnte ich noch nie, siehste.“

Zum Schluss gaben die Wissenschaftler dem geneigten Leser und ihren Park-Opfern noch einen guten Rat mit auf den Weg: „Die Parklücke nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung nehmen – dann klappt's besser.“
Vielen Dank! Jetzt weiß ich endlich, warum ich Parkhäuser so beängstigend finde. Die leeren Reihen von Parkplätzen bedrohen mich! Sie gähnen mich kastratisch an, vereinzelt parkende Autos ragen mir phallisch entgegen, Stelen inmitten von Klüften, männliche Mahnmale meines unbewussten Parkneids!

Ich habe mir jetzt aber „Die Ichabspaltung im Parkvorgang“ von Sigmund Freud bestellt, nach der Lektüre klappt es bestimmt besser mit meinen Lücken. Ich nehme die Herausforderung an. Aber unter uns: Wer zur Hölle will einparken? Wenn Männer ihn 42 Sekunden schneller reinkriegen als ich – bitte sehr. Ich persönlich fahre lieber.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 07.12.2010