Die Geilfee

Die Geilfee

Die Gedanken sind frei und das Blech ist willig: Was wäre, wenn man sich das perfekte Gefährt basteln dürfte? Wie sähe der vollkommene Kraftfahrzeugtraum aus? Wiebke Brauer hatte eine automobile Vision

Ploing! Fuinggg, Klokk“ Nichts ahnend brachte ich den Müll herunter, da stand sie vor mir. „ich bin die geile Fee“, sagte sie zu mir, nachdem sie sich mit einigem Krach vor mir und neben den Tonnen materialisiert hatte. „Guten Tag, geile Fee“, antwortete ich ihr. „Was kann ich für Dich tun?“ setzte ich hinzu. „Sag mal, hackt es bei Dir?“ fauchte sie mich an. „Das ist meine Frage, also komm mir jetzt nicht so. Ich bin nämlich nicht einfach die geile Fee, ich bin die geile Autofee. Ich erfülle automobile Wünsche. Aber nur einen. Und jetzt kommst Du. Was kann ich für Dich tun?“
Ach, du liebe Güte, dachte ich. Hüte Dich vor Deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen. Und die Nummer mit - Ich wünsche mir, dass alle meine Wünsche erhört werden - klappt hier auch nicht. Das steht bestimmt in ihrem Kleingedruckten auf dem Zauberstab.
„Du hast 204 Sekunden“ sagte die geile Autofee zu mir und bohrte sich mit dem Zauberstab im Ohr. Warum gab es jetzt einen Zusammenhang zwischen der PS-Zahl meines Autos und der Bedenkzeit? Nicht darüber nachdenken. Und schon fing ich hysterisch an, meine Wünsche durchzugehen, als ob ich wie einst in der Steinzeit bei Rudi Carell „Am Laufenden Band“ stünde.
Einen DeLorean, aber vielleicht lieber drei davon...
Einen E-Type, nein, doch nicht... bloß, weil ich als Kind damit spielte...
Eine Zierleiste für den SL und ein neues Verdeck... Nee, das kaufe ich mir selbst.
Eine Lederausstattung für den 230 CE und zwei neue alte Becker.... Nee, das mache ich auch selber, wenn ich mal den Hintern hochbekomme.
Dass der SL nicht mehr nach Wunderbaum und Katzenklo stinkt... Was für ein blöder Wunsch, das geht nicht...
Einen Bentley T Series zum Shoppen... Das ist spackig, das brauche ich erst, wenn ich alt und grau bin...
Dann hatte ich es. „Liebe Geilfee“, sagte ich feierlich. „In der zweihundertunddritten Sekunde ist es mir eingefallen. Ich habe meinen Wunsch gefunden. Hier ist er: Ich wünsche mir einen Mercedes Baujahr 91, der irgendwie so sexy Linien hat wie der Opel GT, so ruhig läuft wie der Taunus 17 M und mich so geil aussehen lässt wie Steve McQueen in einem Mustang. Der Wagen muss so raumgreifend sein wie ein Impala und so prollig wie eine Corvette.“ Dann grinste ich sie selbstzufrieden an.
„Du hast sie doch nicht mehr alle,“ sagte sie nur. Dann machte es leise „Pöff“ und ich stand mit meiner Mülltüte wieder allein im Keller.
So kann’s gehen.