Der Schlüpper von Recaro

Der Schlüpper von Recaro

Ein Hauch von Diesel, ein Büstenhalter von Sebring, ein Lippenstift aus Altöl – Wiebke Brauer hat viele schmucke Ideen, wie man Kosmetik, Klamotte und Kraftfahrzeug kombiniert – und weiß auch, wo der Spaß aufhört.

Der Nagellack ist grün. Dunkelstgrün, mit einem leichten Metallic-Schimmer. Es ist natürlich nicht irgendein grün, sondern „British Racing Green“. Ich habe eine Unsumme dafür bezahlt, aber schließlich war der Öko-Lack auch auf der Fashion Week in London der Knaller.

Und was noch wichtiger ist: Bei bestimmten Auto-Accessoires zünde ich durch. Eine Schnittmenge aus maskulinem Motor und mädchenmäßigem Tand, sinnbefreit und superverbleit. Eine Welt, die nur ich brauche und bevölkere.

Ich träume von winzigen güldenen Lenkrädern, die man sich um den Hals hängt, von fein gezinkten Kämmen aus Armaturenbrett-Wurzelholz und Schlüppern mit Zündkerzen-Muster von Recaro – „mit langer Sitzfläche und ausgeprägt hohen Seitenwangen für einen guten Seitenhalt auch beim sportlichen Fahren.“
Wenn ich könnte, würde ich mir einen Wonder-Bra aus Verteilerkappen basteln. Ich würde mir meine feuchten Haarsträhnen auf Luftfilter drehen, damit sie in lockigen Kaskaden bis in den Fußraum fallen, nachdem ich sie mir mit einem verchromten Fön in Auspuff-Optik samtig und fluffig geblasen habe. Danach noch im Rückspiegel die Lippen nachziehen, eine laszive Geste, ein tieftouriges Dino-Rot schimmert satt im Gegenlicht der Scheinwerfer. In der Frise flattert eine silbrige Emily, an den Ohren baumeln kleine Fuzzy Dice, auf dem Hintern prunkt ein Buick Super Wildcat 425ci als Tätowierung – äh, nein, das vielleicht dann doch nicht.

Grenzen des guten Geschmacks sind durchaus bei mir zu erahnen, dehnbar bis ins Pornöse, zugegeben. Einen Toaster im Porsche-Design würde ich mir zum Beispiel nur hinstellen, wenn man mir den Volkswagen Caddy auf Lebenszeit androht. Porsche Design, das steht für mich für Sonnenbrillen mit großen gelben Gläsern in genieteten Gestellen und Küchengeräte aus gebürstetem Aluminium. Aber das ist Ansichtssache. Ich brauche auch keinen Duft von Bugatti, keine Kerzen von Lamborghini… wobei… nein, wirklich nicht. Ich brauche keine S-Klasse-Geldscheinklammer und keine Lederjacke aus der Marlon-Brando-Kollektion von Triumph. Das ist schnödes Marketing, das ist böse, darauf falle ich nicht herein.

Zwischenfrage: „Ähem. Und was war mit dem „Pussy Wagon“-Schlüsselanhänger?“
Antwort: „Das war kein Merchandising, das war eine pinkfarbene Aberration. Hüstel.“

Und der Nagellack in „British Racing Green“ – nein, da konnte ich nicht widerstehen. Ja, Fashion-Victim und nicht mehr alle Latten am Zaun. Und ja, man hätte auch einfach einen neuen Lackstift für mein racinggrünes Moped kaufen können, Siebeneurofünnzich, dankestimmtso, Hände anmalen, fertig. Ach nein, wie unsportlich.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 29.03.2010