Der brennende Engel

Der brennende Engel

Gelbe Wagen, schwarze Schrift. Der ADAC-Mann ist der Freund des Oldtimer-Fahrers, er hilft und bastelt, er eilt und rettet – aber manchmal ist er einfach nur genervt. Wiebke Brauer über ihr nicht ganz einfaches Verhältnis zu den Gelben Engeln.

Sprechen wir über den ADAC. Den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e.V., Deutschlands größten Verkehrsclub. Gelbe Autos, schwarze Schrift und so. Grundsätzlich bin ich ja gegen Vereine. Ich bin gegen gelbe, schwarze, rote oder braune Vereine – mit Ausnahmen. Ich bin gegen Clubs, die Versalien in ihrem Namen haben. Ich bin besonders gegen Clubmitgliedschaften. Oder Premium-Mitgliedschaften. Oder um es schlicht mit Groucho Marx zu sagen: „I don't care to belong to any club that will have me as a member.“

Aber wie das Leben so spielt, besitze ich eine Drogerie-Karte, eine von der Bank, der Fluglinie, der Krankenkasse und eine meines Sportvereins. Und dieses kleine gelbe Plastikdings vom ADAC, das ist mir wirklich teuer. Ich freue mich, wenn ich einen gelben Engel sehe, ich schaue immer, ob ich ihn nicht kenne, ich lasse ihnen die Vorfahrt, ich finde den ADAC voll prima.

Doch der ADAC findet mich nicht voll prima. Es gab sogar eine Zeit, da wollte der ADAC gerne, dass ich mir den Mitgliedschaftsbeitrag sonst wohin stecke. Zum Glück ist das schon ein bisschen her. Aber ich erinnere mich immer wieder gerne an gewisse Fragen aus dieser Zeit, die etwa zwei Jahre dauerte und mit einem gewissen Ford Taunus und einer gewissen BMW R60/7 zu tun hatten, die sich in meinem Besitz befanden. Die Fragen lauteten wie folgt:

Engel: „Und Sie sind sich ganz sicher, dass der Tank voll ist?“
Antwort: „Öhmmmm.“

Oder:
Engel: „Rufen Sie uns eigentlich jedes Mal nach dem Winter? Haben Sie schon mal daran gedacht, die Kabel von der Batterie im Herbst abzuklemmen?“
Antwort: „Öhmm.“

Oder – mein Favorit:
Engel mit genervtem Tonfall: „Geben Sie den Wagen eigentlich auch manchmal in die Werkstatt?“
Antwort: „Öhm, ja.“

Einmal war ich sogar kurz davor, exkommuniziert zu werden. Das könnte allerdings daran liegen, dass der Engel brannte. Was sich wiederum dadurch erklärte, dass er versuchte, den Wagen zu zünden und etwas zuviel von diesem Kontaktspray benutzt hatte. Dann sprang ein Funke über – und der Arm des Engels brannte lichterloh. Das war nicht weiter bedenklich, weil das Feuer durch leichte Schläge zu ersticken war und es wie aus Kübeln goss. Ich muss zugeben, dass der Anblick eines hüpfenden und sich selbst kasteienden Engels inmitten einer Sintflut mir sehr imponierte.

Konnte ich etwas dafür? Nein! Also Jein. Ja, der Taunus mochte nun mal nicht anspringen, sechs Volt, Hamburger Wetter, Benzinanzeige defekt. Aber der gelöschte und durchnässte Engel funkelte mich wutentbrannt an: „Wenn Sie uns noch einmal innerhalb der nächsten zwei Wochen rufen, verlieren Sie die Mitgliedschaft.“

Ich habe den Taunus dann verkauft und mir einen Mercedes zugelegt – in der Hoffnung, die Pannenstatistik sei nicht ganz so erschreckend. Hat sich auch bewahrheitet. Wenn da nicht noch das Motorrad wäre. Letztes Wochenende riss das Kupplungsseil.

Ich habe jetzt eine Plus-Mitgliedschaft. Mich werdet ihr nicht los.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 06.05.2010