Das Prinzip Hoffnung

Das Prinzip Hoffnung

Porsche, Mustang, Dodge. Männer träumen ihr Leben lang von Autos. Frauen kaufen sie einfach. Wiebke Brauer fragt sich, warum das so sein muss.

Gestern war es wieder soweit. Ich verstehe Männer nicht. Dreißig Jahre lang reden sie darüber, sich einen Porsche zu kaufen. Und sind sie plötzlich und unerwartet 40 geworden, heißt es: „Ne, das ist doch voll peinlich, sich jetzt einen Porsche zu kaufen.“ Was soll das? Die Kohle ist doch endlich da! Bei manchen jedenfalls. Die anderen fahren Rad. Aber die Porscheträumer sehnen sich weiter hinter dem Lenkrad ihres Skodas. Ja, okay, vielleicht flippt die Frau aus – falls vorhanden – aber ist doch egal! Man wartet doch nicht dreißig Jahre darauf, endlich alt genug für etwas zu sein, um dann festzustellen, dass man zu alt dafür sei!? Oder doch? Mir fällt beim besten Willen nichts ein, wofür ich jemals zu jung war. Wenn wir jetzt mal von Drogen, Sex, Zigaretten, Alkohol und Partys feiern absehen. Und heute von der Kategorie Jägerzaun, Butzenscheibe, Carport, Leuchtgänse und Messerbrettchen.
Aber sonst fiele mir nicht viel ein. Mit 14 träumte ich von einem Rennrad. Ich hatte „Flashdance“ gesehen, ein Film, der mein Leben veränderte. Rennradmäßig zumindest. Und? Zack, gekauft. Dann wollte ich ein Auto und ein Motorrad. Zack, gekauft. Na ja, ganz so zackig ging es nicht, weil erst der Führerschein her musste, dann das Geld für die Fahrzeuge. Ich stand also ziemlich lange in der Fließband dafür. Und dann? Ente für 500 Mark und Suzuki DR 600 für 1200 Mark oder so. Die bekam ich zwar nicht angekickt, aber egal. Ein Jahr später kam die Suzuki weg und die BMW R60/7 Baujahr 70. Dann wollte ich einen goldenen Mercedes. Und? Gekauft wie besehen.
Und was machen Männer in der Zeit? Die warten auf ihren Porsche. Auf den Mustang. Auf den Jeep. Auf den Dodge. Meine Güte, was ich mir schon alles anhören musste. Dann kommt das Kind und der Kombi. Und die Vernunft setzt ein und die Träume aus.
Heute fährt meine Freundin einen Porsche Cayenne. Hinter ihrem Rücken machen sich natürlich alle Männer lustig: „Immer diese blonden Tusen mit den dicken SUVs. Können eh nicht damit umgehen.“ Kann sie sehr wohl, aber ist ja nicht der Punkt. Der Punkt ist: Sie hat ihn sich einfach gekauft, weil sie ihn haben wollte. So einfach kann das gehen.