Das berühmteste Auto der Welt

Das berühmteste Auto der Welt

Im Herbst wird das bekannteste Automobil auf diesem Planeten versteigert – so war es neulich zu lesen. Wiebke Brauer fragt sich seitdem, welches Gefährt Star-Status hat. Das Batmobil? Vielleicht auch Picassos Hispano-Suiza? Oder doch ein gewisser silberner Porsche 550 Spyder?

„Das berühmteste Auto der Welt wird versteigert“ steht da als Neuigkeit. Ich überlege kurz, was ein berühmtes Auto sein mag und lese weiter: „Die Firma RM Auctions versteigert gemeinsam mit dem Auktionshaus Sotheby's am 27. Oktober in London den Aston Martin DB5 aus dem Film „Goldfinger“ von 1964.“ Nun, den Wagen behält man zugegebenermaßen im Gedächtnis: Unter den Blinkern des Aston Martins versteckten sich zwei Maschinengewehre, dann gab es noch den Kugelfänger, die Vorrichtung zum Öl versprühen, die ausfahrbaren Klingen und die sich drehenden Nummernschilder, die Nebel- und Nagelpuste und natürlich den Schleudersitz. Alles in allem ein superbes Spielzeug, dazu auch noch mit britischem Charme und dem besten Bond aller Zeiten ausgestattet. Macht das den Aston Martin nun zur prominentesten Karre des Universums? (Die Autorin grübelt und reibt sich dazu wikieesk den Zeigefinger unter die Nase.)

Mhm. Ich persönlich wünschte mir immer ein Batmobil, erstens sieht es schnittiger aus, zweitens ist es komplett gepanzert und verfügt zudem über einen Raketenantrieb, was ich nicht gänzlich unwichtig finde. Ist etwas optimistisch gedacht angesichts des Hamburger Feierabendverkehrs, insofern braucht man noch einen oder zwei Raketenwerfer, um für ein wenig freie Bahn zu sorgen.

Seine ersten Fahrversuche startete Batman übrigens 1941 in einem stinknormalen roten Auto. Der nächste Schritt erfolgte in der Fernsehserie von 1966, hier fuhr er eine Art Konzept-Car, eine Vorform des Lincoln Futura. Was ich übrigens nicht wusste: Das Fahrzeug für den Film „Batman Forever“ sollte ursprünglich H. R. Giger entwerfen, der für das Design von „Alien“ verantwortlich war. Aber Giger stieg aus dem Projekt aus, weil Warner Brothers seinen Entwurf ablehnte. Kann ich mir ungefähr vorzustellen, wie dieser Entwurf ausgesehen haben mag – wahrscheinlich war es eine Art phallische Made auf Rädern, präpervertomanisch und extrem vulvös. Aber ich schweife ab.

Berühmte Autos, genau. Was ist mit dem Ford Capri aus „Die Profis“, was mit Stephen Kings „Christine“? Wenn ich wählen sollte, würde ich für den 1970 Dodge Challenger aus „Vanishing Point“ plädieren. Andererseits: Jeder hat den silbrigen Porsche von James Dean vor Augen. Ist der nicht viel berühmter? Übrigens drehte Dean zwei Wochen vor seinem Tod am 17. September 1955 einen Fernsehspot zum Thema Verkehrssicherheit. Seine Abschiedsworte in dem Clip: „Fahrt vorsichtig! Vielleicht bin ich es, dem ihr damit eines Tages das Leben rettet.“

Danke. Das war es auch mit der guten Sommerlaune, nun schlappt es wieder ins schwerblütige „Hach, ist die Welt nicht … irgendwie… quaso … sonderbar…?“ Genau, der Sommer war groß, Tage werden kürzer, und dieser Text ist auch am Ende.

Eins noch: Das berühmteste Auto der Welt ist natürlich – meins. Kostet Unmengen, interessiert niemanden, total unpraktisch, keine Zusatzfunktionen, noch nicht einmal eine Klimaanlage. Kein ABS, kein Airbag, kein ESP – und leider keine MP. Es kann nichts. Unbezahlbar, angebetet, mein Fetisch, mein Augenstern. Hach ja.

Dieser Artikel von Wiebke Brauer erschien am 19.07.2010