Bottrop Kustom Kulture: Mattschwarz gerollt und laut

Bottrop Kustom Kulture: Mattschwarz gerollt und laut


Treffen

Gurgelnde Achtzylinder in tiefer gelegten Oldtimern, Rock´n´Roll-Musik und donnernde Hot Rods auf der achtel Meile: Das ist die Bottrop Kustom Kulture.

Es gibt Oldtimertreffen, sagt Jo, da zählt original und gepflegt. Blitzblank polierte Autos ohne auch nur einen Kratzer, ohne Schnickschnack im Innenraum und mit Motoren, manchmal 50 PS, manchmal 90 oder auch mehr, in jedem Fall aber wie ab Werk. „Das sind nette Treffen mit netten Autos“, sagt der 32-jährige Münchener. „Aber nett will ich nicht.“


„Nett“ ist ein Wort, das auf der Wiese direkt am alten Flugplatz Kirchhellen, am Rand einer langen Landstraße zwischen Bottrop und Dinslaken, niemand benutzt. Ein Wort, das nicht passt zur Bottrop Kustom Kulture, jenem Treffen im Ruhrgebiet, bei dem ein Geruch aus Kerosin und Öl wie Nebelschwaden über dem Gras liegt. „Hier fühle ich mich wohl“, sagt Jo am Steuer seines amerikanischen Straßenkreuzers und pumpt mit einer lässigen Fußbewegung gleich die ganze Tankfüllung eines Kleinwagens durch den Vergaser. Und während er das tut, hebt das permanente Blubbern, das satte Gurgeln seines zu allem bereiten Achtzylinders zu einem Donnern an, das eher an ein Orchesterkonzert aus Fehlzündungen als an einen gesund laufenden Motor erinnert.


Doch darum geht es ja gerade. Wer hin kommt zur Bottrop Kustom Kulture, der will nichts was gesund klingt, was glatt poliert ist und Abgasnormen erfüllt. Bottrop, das ist einmal im Jahr vielmehr der Platz, an dem sich all jene aus ganz Deutschland und teilweise Europa treffen, die irgendwann einmal beschlossen haben, ihre dicken Oldtimer auf breitere Reifen zu stellen, sie so tiefe zu legen wie der Saugrüssel einer Kehrmaschine, und Motoren einzuschrauben, mit deren Kraft sich gut und gern auch ein U-Boot durch die sibirische See treiben ließe. Richtige Custom Cars, das sind auch Karosserien, die kaum mehr erkennen lassen, dass die Wagen irgendwann einmal als Chevrolet, Buick, Dodge und Ford über amerikanische Straßen fuhren. Trotzdem: Zwischen all den mattschwarz gerollten Kraftpaketen stehen immer wieder auch Schmückstücke der Originalität: Polierte Straßenkreuzer von Übersee und deutsche Karossen der Nachkriegszeit, Plymouth und Studebaker, Opel und VW. Autos für die Straße sind das. Nicht für die achtel Meile.
Zu allererst aber geht es in Bottrop um die Lauten und Starken. Deshalb stört es auch niemanden, wenn Jo wieder einmal kesselnd seine Runden über den Platz dreht und die Leute an ihren Campingzelten und Grills das eigene Wort nicht mehr hören. Wenn auch andere ihre Motoren anwerfen, erst stotternd, dann, mit einem beherzten Tritt auf das Gaspedal, dröhnend ebenfalls über die Wiese kurven. Am Nachmittag, darauf freuen sich Leute wie Jo, soll es auf dem Flugplatz auch wieder Beschleunigungsrennen geben, Hot Rod gegen Hot Rod, aber Jo will diesmal nur zuschauen. Er sagt: „Das ist ne super Sache. Viele Leute kommen allein schon, um das zu sehen.“


Deshalb, und wegen des Rock’n’Rolls. Das ist die Musik, die den ganzen Tag über den Platz schallt, keine Platten von Elvis, der ist zu nett für Bottrop, eher schon von Johnny Cash und fetzigen Rockabilly-Combos aus den Staaten. Rock’n’Roll, das sind die Klamotten, die es an den Ständen der Händler gibt – Bluejeans und Totenkopf-T-Shirts, Tiki-Style und Ballerinas. Rock’n’Roll, das sind aber vor allem die Autos, sagt Jo. „Bei den Wagen macht einfach jeder sein eigenes Ding und baut sie so, wie er sie haben will“, sagt Jo. „Nett müssen sie nicht sein. Wer nett will, der soll Twingo fahren.“

Die Bottrop Kustom Kulture läuft von Freitag, 6. Juni, bis Samstag, 7. Juni. Am Samstagnachmittag findet das Achtel-Meile-Rennen statt, am Abend gibt es Live-Musik.

Infos unter www.bottropkustomkulture.com