Beware of the Beifahrer

Beware of the Beifahrer

Hast du einen, willst du keinen. Wer einen Beifahrer neben sich sitzen hat, wünscht sich oftmals den Wagen ganz für sich allein. Denn der perfekte Nebenmann redet nur selten, drückt keine Knöpfe, zeigt auf nichts und reicht gern an.

Es brüllt dich von der Seite an. „VORSICHT, RADFAHRER!“ gellt es in deinem Ohr. Haste gesehen. Es redet ununterbrochen, bis du das Fenster herunterkurbeln musst, um die ganzen Buchstaben ins Freie zu lassen, die sich schon bis zum Autohimmel türmen und dir im Ohr pieksen. Es bremst mit dem rechten Fuß mit, weil es dir als Fahrer nicht vertraut, es fragt – wenn es denn fragt – nach fünf Minuten, ob es sein Leberwurstbrot und das gekochte Ei mit dem Salz in der Alufolie herausholen dürfe. „Nein, darfst du nicht.“ Die Rede ist von der Spezies des schlechten Beifahrers.

Exemplare dieser Gattung falteten einst Straßenkarten auseinander – über das halbe Lenkrad hinweg, um nach einer halben Stunde festzustellen, dass der gesuchte Ort nicht existieren würde. Sie verwechseln rechts mit links. „Oh, das tut mir jetzt leid. Das andere rechts. Hihi.“ Heutzutage drücken sie ewig auf dem Navigationsgerät herum, um dann zu konstatieren, dass das Gerät nicht funktioniere. Wenn sie nicht gerade an jedem anderen erreichbaren Knopf fummeln und jeweils fragen, wozu der gut sein soll. Sie zeigen mit der Hand auf uninteressante Dinge, an denen man bereits vorbeigefahren ist. Gern mit ausgestrecktem Zeigefinger vor der Nase des Fahrers. Ihnen ist zu kalt oder zu warm. Sie machen Geräusche. Öffnen ungefragt das Handschuhfach. „Was hast’n da drin?“

Kurz, der ungeliebte Begleiter ist eine Plage, eine Bürde, die Pest. Und du sitzt mit ihm auf engstem Raum in der Fahrgastzelle und kannst nicht entkommen.

Ein guter Beifahrer hingegen ist eine Perle. Er reicht Wasserflaschen an, ohne dass man fragt. Er kredenzt angezündete Zigaretten und geöffnete Biere. Mundgerechte Häppchen, die nicht krümeln. Er schaltet die Musik ein, die man mag – aber schätzt auch das stundenlange Schweigen der Autobahn.

Manchmal redet man, während die Landschaft langsam vorbeizieht und der Wagen über die Straße fliegt. Die besten Gespräche führt man oft auf einer langen Tour. Weil man sich nicht ständig dabei ansehen muss. Weil man weiß, dass man im Streitfall nicht aussteigen kann. Man sitzt in einem Boot, teilt ein Ziel, die gleiche Atemluft, die Wegzehrung. Legt Kilometer für Kilometer gemeinsam zurück. Ein guter Beifahrer ist ein Weggefährte, ein Asphalt-Kumpan. Er ist Gold wert.

Ein Freund von mir sagte einmal: „Wenn du einer Frau die Autotür aufschließt, sie einsteigt und dir von innen die Tür öffnet, während du um den Wagen herumgehst – dann ist sie die Richtige.“ Vielleicht stimmt das. Es ist zumindest ein guter Anfang.