Bernd Rosemeyer: Zum hundertsten Geburtstag

Bernd Rosemeyer: Zum hundertsten Geburtstag


Zum hundertsten Geburtstag von Bernd Rosemeyer

Am 14. Oktober 2009 wäre er einhundert Jahre alt geworden, der legendäre Rennfahrer Bernd Rosemeyer. Schon im Elternhaus in Lingen (Ems) wurde er mit Technik konfrontiert, sein Vater betrieb eine Automobilwerkstatt.

Die Anfänge eines großen Talents

Erste Rennen bestritt Rosemeyer ab 1930 auf Motorrädern der Marken NSU und DKW, unter anderem nahm er auch an den "2.000 Kilometern durch Deutschland" teil. Drei Jahre später trat er der SS bei, um eine Karriere als Rennfahrer beginnen zu können. Die Auto Union wurde auf den risikofreudigen Fahrer aufmerksam und konnte ihn 1935 als Fahrer für den von Ferdinand Porsche konstruierten 16 Zylinder Rennwagen verpflichten. Die deutschen und internationalen Rennserien wurden damals von Mercedes-Benz und Auto Union dominiert, beide Unternehmen wurde von der Reichsregierung gefördert. Dabei war jeder Sieg eines Teams für die Höhe der Förderung entscheidend, die Konkurrenz zwischen den Unternehmen daher enorm. Mit Bernd Rosemeyer hatte die Auto Union einen wahren Glücksgriff getan. Der blonde wagemutige Fahrer bestach nicht nur durch immenses fahrerisches Talent, sondern liess sich darüber hinaus für Propagandazwecke nutzen.

Neue Helden

Er entsprach beinahe idealtypisch dem blonden Heldentypus der neuen Machthaber. Seine publicity-trächtige Verbindung mit der Fliegerin Elly Beinhorn, seine Husarenstücke auf den Rennstrecken der Welt und seine offene Art waren ein Gewinn für den Motorsport-Zirkus genauso wie für den Parteiapparat. Der für Mercedes-Benz startende Carraciola war der Gegenentwurf zum jungen Spring-ins-Feld Rosemeyer, ein gereifter Pilot und gewiefter Taktiker, der durch einen überstandenen schweren Unfall zu besonnener Fahrweise neigte. Trotzdem schwelte Konkurrenz zwischen beiden Fahrern und ihren Unternehmen. Nachdem bei internationalen Rennen immer weniger Autohersteller als Staffage für die obligatorischen Siege der Deutschen Silberpfeile herhalten wollten, verlegte sich das Kräftemessen auf andere Felder.

Die Autobahnraser

Vor allem die Duelle um die höchste zu erreichende Geschwindigkeit auf den neuen Autobahnen Deutschlands traf auf reges Publikumsinteresse. Im Januar 1938 legte Carraciola auf Mercedes die Messlatte auf über 400 km/h. Rosemeyer und die Techniker der Auto Union waren sicher, diesen Wert übertrumpfen zu können. Doch die Wetterbedingungen waren alles andere als optimal, Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt und aufkommende, böige Winde liessen einen Abbruch der Rekordfahrt ratsam erscheinen. Doch das Risiko gehörte für Rosemeyer zum Geschäft und bislang hatte Fortuna ihn noch nie im Stich gelassen.

Das Unglück nimmt seinen Lauf

An jenem nasskalten 28. Januar auf der Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt war Bernd Rosemeyers Glückssträhne zu Ende, bei 430 km/h wurde sein Stromlinienwagen von einer Böe erfasst und auf den mittleren Grünstreifen gedrückt. Seine Versuche, die Beherrschung über das Fahrzeug zurück zu erlangen, scheiterten und nach mehrmaligem Überschlagen zerschellte der Auto Union Typ R an einem Baum. Bernd Rosemeyer war herausgeschleudert worden, sein Genick gebrochen. Eine Minute nach dem Unfall kamen die ersten Helfer zum Unfallort und fanden den toten Rennfahrer friedlich an einem Baum gelehnt scheinbar unverletzt vor.

Auto Union Rennwagen Typ D

Autor: Frank Brendel 

Bildquelle: Audi, Carsablanca Archiv