Als Männer noch Männer waren

Als Männer noch Männer waren

Laut einer aktuellen Statistik kaufen Männer bevorzugt Limousinen und Minivans, dicht gefolgt von Kombis. Erst dann folgen Coupés. Es ist evident: Eine Spezies degeneriert!

Wann haben Sie zuletzt ein Auto ohne Servolenkung im Alltag bewegt? Ohne Automatic? ABS, ESP? Airbag, DSG, Navigationsgerät?

Na? Beschämt gesenkte Häupter?

Trösten Sie sich: Sie sind in der bedauernswerten Mehrheit. Kaum noch ein Fahrzeug, das nicht mit diesen gesundheitsgefährdenden Weichmachern verseucht ist. Das war mal anders. Ganz anders. 1976 zum Beispiel. Als Referenz ziehe ich die „auto, motor und sport“ vom 21. Juli des Jahres aus dem Archiv.

Was haben wir da? TÜV-Report mit Ford 15M. Erster Test des neuen Golf GTI. Überschriften wie „Das Blei kommt wieder – mehr Blei im Superkraftstoff verhindert Klingelkatastrophen“, „Rock around the clock – Was Rolf Stommelen beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans durchmacht“, und sogar die Werbung war ein Spiegel des männlichen Selbstverständnisses: Der Marlboro-Mann hatte statt eines Kratzens im Hals noch den Geschmack von Freiheit und Abenteuer im Mund, Damen im knappen Lederoutfit warben “Jetzt auch gegen Langfinger“, neben einem halben geschlachteten Schwein schäumte ein Beck’s und daneben der Slogan „Wer gut ißt, soll auch gut trinken“ und zwei intellektuell bebrillte Öko-Machos probten den Kapitalismus mit der Bekanntmachung „Wir haben unsere eigene Zigarettenfabrik – vier Hände und Samson zum Drehen“.

Nun müssen Sie nicht sofort mittels Vollbremsung und Rockford-Wende auf die nächste Tankstelle schlittern, einen Kasten Pils zwischen Kühlregal und Kasse leeren, daraufhin laut pöbelnd auf den Ausschank von 80 Litern Super verbleit bestehen, der Dame an der Kasse eine hautenge Lederkombi aufschwatzen und sich neben der Zapfsäule provozierend eine Selbstgedrehte anfertigen, letzteres leicht schwankend in den fusseligen Trümmern von drei Samson-Großpackungen nebst Blättchen. Das muss nicht sein. Sie sollten vielmehr zusätzlich noch eine US-Airforce-Sonnenbrille kaufen, die Flasche Wodka mit den Zähnen öffnen, Ihrem Fake-Sportauspuff ein Küsschen geben (scheiß auf die versengten Lippen, Alter!) und beim Losfahren die betont lässig in Ihren Skoda Fahrbier eingehängte Zapfpistole vergessen haben. Und hinterher den Bericht schreiben: „Was ich beim 24-Stunden-Brennen durchmachte“.  

Prost, Mann!