Abseits oder Strafraum? – Auto-Marketing mal anders

Abseits oder Strafraum? – Auto-Marketing mal anders


Glosse

Wenn Fußballprofis plötzlich zu Autokennern werden, möchte Carsablanca-Autor Knut Simon auch mal mitspielen. Auf die Plätze! – Fertig! – Schach!

Manchmal ergeht es mir wie Millionen anderer Deutscher: Zufällig fällt mir diese Boulevardzeitung mit den vier Großbuchstaben in die Hände. Mal wieder gibt es da ein spezielles Auto-Angebot für all diejenigen, die diese Zeitung lesen. Und für die anderen. Also auch für mich.

Ein Familienauto für knapp unter 10.000 Euro wird da angeboten – der „Gewinner-Caddy“ von Volkswagen, präsentiert und empfohlen von VfL-Wolfsburg-Trainer Felix Magath. Nun ja. Mal abgesehen von der aktuellen Diskussion um Sinn oder Unsinn der Abwrackprämie, dank derer Neuwagen nun plötzlich erschwinglich werden: Was, bitteschön, qualifiziert einen Fußballtrainer zum Autotester?

Genau so gut könnte ich mich beim ZDF um die Nachfolge von Johannes B. Kerner als Fußballreporter bewerben. Ich würde ähnlich relevante Sätze ins Mikro plauschen wie: „Der Gewinner-Caddy bietet fünf Personen Platz.“ Bei mir klänge das so: „Auf dem Spielfeld, das meistens in der Grundausstattung Grün auftritt, finden 23 Personen viel Bewegungsraum.“  Ja haalooo, da steigt doch die Spannung vor dem Endspiel ins Unermessliche!  Weiter: „Es gibt eine Vielzahl optionaler Sonderaufbauten.“ Schon klar, man will uns sagen, dass das Ding – schwuppdiwupp! – ordentlich teurer wird, sobald man am automobilen Wunsch-Punsch nippt. Als Kommentator am Spielfeldrand würde ich entsprechend formulieren: „Die Hoffnungen der Fans ruhen auf dem bisher nicht unsympathischen XY, bei dem alles denkbar ist.“ Toll. So langsam werde ich warm.  

Oder: „Wichtige Sicherheits-Features, wie etwa Nebelscheinwerfer und vier Airbags, sind serienmäßig. Davon profitieren alle an Bord.“ Hm. Heißt das, dass bei anfangs erwähnten fünf Personen und vier Airbags rein rechnerisch zumindest einer die Nase ungebremst in die Windschutzscheibe stecken muss? Es fasziniert die Prägnanz der Feststellungen. Schon habe ich wieder mein imaginäres ZDF-Sportmikro in der Hand: „Überall sind hier weiße Demarkationslinien auf dem Rasen zu sehen, da wird ein kluger Ball ja wohl nicht drüber rollen. Und wenn wirklich mal ein Schuss ins Publikum abzudriften droht, gibt es ja noch die extragroßen Tore.“ Geht doch, Knut Kerner!

Bliebe nur ein Problem: Magath musste für seinen Job nach Wolfsburg ziehen. Ich aber möchte so gar nicht gern zum ZDF in Mainz nahe Rüsselsheim. Dort würde ich mit meinem Gewinner-Caddy nur unangenehm auffallen. Oder vielleicht sogar Zafira fahren müssen. Außerdem passen eher kräftige Personen wie ich viel besser in einen alten VW T3-Bus. Bei dem bleibe ich dann auch, denn wir alle wissen: Das Runde muss ins Eckige.

Okay. Ich werde also weiterhin über Blech schreiben, anstatt welches zu reden. Versprochen.