Verzollung eines Oldtimers aus Nicht-EU-Ländern

Verzollung eines Oldtimers aus Nicht-EU-Ländern


Praxisberatung

Zwei wesentliche Faktoren machen die Einfuhr von Oldtimern aus Nicht-EU-Ländern teuer - oder kompliziert: Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Da wartet ein satter Aufschlag auf den Kaufpreis, diese Abgaben können den Preis um ein sattes Viertel oder gar mehr erhöhen. Doch es gibt einen Trick.

Zoll und Einfuhrumsatzsteuer können den Preis um ein sattes Viertel oder gar mehr erhöhen. Kein Wunder, dass viele Käufer bestrebt sind, diese Posten aus ihrem Budget fern zu halten - und tatsächlich räumt der Gesetzgeber Möglichkeiten dafür ein. Aber man soll nicht erwarten, dass er es einem auch leicht macht: "Zoll- und Einfuhrrecht ist eine fürchterlich komplexe Geschichte", sagt Ulrike Busch, Deuvet-Vizepräsidentin mit dem Ressort Oldtimer-Recht. Die Komplexität erwächst aus einer Anzahl Faktoren: Welche Fahrzeuge kommen für eine Steuerermäßigung in Betracht? Wie ist die aktuelle Rechtslage, besonders im Kontext EU-weiter Rechtsprechung? Nicht zuletzt liegt beträchtlicher Druck auf den Zoll- und Finanzbehörden, weil natürlich jeder Einführende an einer Senkung seiner Kosten interessiert ist.

Der Zoll kommt auch nach Hause 

Dies ist die Ausgangssituation: An der Außengrenze der EU - also zum Beispiel am Hafen von Rotterdam oder an einer slowenischen Grenzstation - muss das Einfuhrgut angemeldet werden, es ist aber nicht zwingend erforderlich, das Einfuhrgut dort zu verzollen und versteuern. Dies kann bei den Behörden am Wohnsitz des Einführenden geschehen. Autos kosten 10% des Warenwerts Zoll, Motorräder je nach Hubraum 6 oder 8%. Der Satz der Einfuhrsteuer entspricht dem Umsatzsteuersatz im Heimatland des Einführenden, für Deutschland also 19%. Zollintern hat dieser Tarif die Nummer 8703.

Neben der EU gibt es ein zweites europäisches Handelsbündnis, die EFTA (European Free Trade Association). Die EU hat mit den EFTA-Staaten ein Präferenzabkommen getroffen, durch das Fahrzeuge Zollfreiheit genießen, die in der EU oder den EFTA-Staaten hergestellt wurden. Von den Mitgliedern der EFTA ist für Oldtimerfreunde eigentlich nur die Schweiz interessant; Norwegen, Liechtenstein und Island bieten keinen nennenswerten Markt. Bei einem Kaufpreis bis 6000 Euro genügt ein entsprechender Vermerk auf dem Kaufvertrag, für höhere Werte gibt es beim Zoll das Formular "EUR.1". Damit entfällt der Einfuhrzoll, Umsatzsteuer wird jedoch fällig. Immerhin kann man sich die Mehrwertsteuer des Einkaufslandes zurückerstatten lassen, falls man bei einem Händler kauft.

Ein solches Abkommen mit den USA gibt es nicht, eigentlich besteht also volle Zoll- und Steuerpflicht. Der älteste Trick im Repertoire ist natürlich, einen geringeren Kaufpreis im Kaufvertrag zu fixieren. Das muss aber nicht notwendigerweise zum gewünschten Ergebnis führen. Der deutsche Zoll ist inzwischen durchaus orientiert über das Preisgefüge bei Oldtimern und wird mit Skepsis reagieren, wenn ein 1957er 300SL aus Kalifornien nur 2000 Dollar gekostet haben soll. Frank Staedler von der Zolltechnischen Prüfungs- und Lehranstalt in Berlin ist Spezialist für alte Fahrzeuge und durchaus über marktübliche Werte auf dem Laufenden.

Selbst Geschenke sind nicht umsonst 

Selbst wenn der Käufer das Glück hatte, tatsächlich einen Flügeltür-SL von einem reichen Onkel geschenkt bekam, muss er verzollt werden. "Für geschenkte oder ererbte Fahrzeuge wird bei der Verzollung ein üblicher Marktpreis des Handelslandes ermittelt oder geschätzt. Der Zollwert setzt sich immer aus dem Rechnungspreis oder ausländischem Marktwert und den Transportkosten bis zum Ort des Verbringens in die Europäische Union zusammen", sagt Frank Staedler.

So kann der geschenkte SL dann doch noch 20.000 Euro Zoll kosten, ausgehend von einer Zustandsnote 3-, entsprechend einem Marktwert von rund 200.000 Euro. Da sich das Finanzamt auf dieselben Kriterien stützt wie die Zollbewertung, eskalieren die Kosten um weitere 32.000 Euro für die Einfuhrumsatzsteuer. 52.000 Euro für einen 300SL – das ist günstig, aber längst kein Geschenk mehr.

Der Flügeltürer mag ein Extrembeispiel sein, aber selbst eine Null weniger auf der Rechnung ist schmerzhaft genug. Bleibt die Möglichkeit, ein Fahrzeug nach Zolltarif 9705 als Sammlungsstück zu deklarieren. Das ist jedoch ein sehr schwieriges Thema, wir behandeln es daher separat.

Für die Zulassung gelten dieselben Regeln wie für Autos aus EU-Ländern.