Erfahrungsbericht: Oldtimer-Kauf im Ausland

Erfahrungsbericht: Oldtimer-Kauf im Ausland


Kaufberatung Ausland

Ein Auto im Ausland zu kaufen ist eins der letzten echten Abenteuer. Das hat einen ganz einfachen Grund: Es ist ein Aufbruch zu neuen Ufern, in vieler Hinsicht. Wie finde ich mein Traumauto? Wie schwierig ist die Reise? Werde ich mich mit dem Verkäufer gut verständigen können? Wird das Auto meinen Vorstellungen und der Beschreibung des Verkäufers entsprechen? Wie transportiere ich es heim? Wird es Schwierigkeiten an der Grenze geben? Wie bekomme ich es zuhause zugelassen?

Man kann sich recht gut vorbereiten – nein, man muss sich gut vorbereiten. Aber wie jeder Abenteurer weiß, liegt der Reiz in den Unwägbarkeiten. Und die Erfahrung zeigt: Ein selbst importiertes Auto wächst einem stärker ans Herz als eins, das man im Nachbardorf gefunden hat.

Hier also der Abenteurer-Leitfaden zum Autoimport.

Wie finde ich ein Auto?

In jeder Bahnhofsbuchhandlung liegen englische und amerikanische Zeitschriften aus, die voller Anzeigen stecken. Noch verführerischer: Auf Internetmärkten lässt es sich wunderbar stöbern, besonders im Ausland, wo manche wundervollen Autos billiger gehandelt werden als hier im Land – 108er Mercedes in Frankreich zum Beispiel oder allerlei eigenartige Britengewächse in England.

Wenn man einen bestimmten Typ im Auge hat, empfiehlt sich die Kontaktaufnahme beim Markenclub. Auf Club-Webseiten werden generell bessere und vertrauenswürdigere Autos angeboten.

Die ersten Kontakte

Natürlich nimmt man mit dem Verkäufer Kontakt auf, bevor man sich auf den Weg macht. Besonders bei Internetauktionen wird das gern vergessen, weil es so einfach ist, ein Gebot abzugeben. Dabei sind die Reaktionen des Anbieters besonders vor Ablauf der Auktion ein wichtiger Indikator für seine Vertrauenswürdigkeit: Reagiert er schnell und angemessen? Schickt er auf Wunsch Fotos von speziellen Bereichen? Macht er einen glaubwürdigen Eindruck? Ist das Auto fahrbereit, ist es zugelassen?

Dasselbe gilt natürlich für Kontakte auf Print-Inserate.

Was muss ich beim Grenzübertritt beachten?

Die Einfuhr von Fahrzeugen aus EU-Staaten ist denkbar einfach. Zoll muss man längst nicht mehr entrichten, die Anmeldung in Deutschland ist einfach, vorausgesetzt die Originalpapiere liegen vor. Die meisten Autotypen sind dem Kraftfahrtbundesamt bekannt, weshalb man auf vorhandene Datenblätter zurückgreifen kann. Falls kein Datenblatt angelegt ist, muss man zur Zulassung glaubwürdige Dokumente vorlegen: ausländische Zulassungspapiere, Werkstatthandbücher, technische Dokumentationen und ähnliches.

Die Einfuhr aus Nicht-EU-Ländern ist schwieriger – das betrifft bei alten Autos vor allem die USA und die Schweiz. Die Verzollung muss nicht notwendigerweise an der Grenze bzw. am Hafen erfolgen, das kann man auch am örtlichen Zollamt erledigen. Aber: Ohne Zollpapiere keine Anmeldung von Fahrzeugen aus dem Nicht-EU-Gebiet.

Wie bekomme ich das Auto in meine Garage?

Am schönsten und spannendsten ist es, wenn man das Auto auf eigener Achse fährt. Man kann natürlich zum Zielort fliegen und von dort einfach heimfahren. Sinnvoller ist aber in jedem Fall ein taugliches Begleitfahrzeug, damit man nicht freitagabends um halb acht in der abgelegensten Ecke der Dordogne oder der Yorkshire Dales strandet. Ein Autokauf in England wird allerdings wegen Kanalüberquerung teuer.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, nimmt den Transportanhänger mit – was aber die Kosten für Fähre oder Autobahnmaut gleich wieder satt in die Höhe   treibt.

Natürlich geht nicht immer alles glatt. Im Falle eines Falles findet man jedoch kompetente Hilfe. In den meisten europäischen Ländern sind Automobilclubs aktiv, die bei einer Panne weiterhelfen. Deutsche Behörden und Institutionen geben gern Auskunft und betreiben zum Teil recht umfangreiche Webauftritte, anhand derer man sich über die Voraussetzung zur Anmeldung informieren kann. Der ADAC stellt erschöpfende Informationen zur Verfügung, als Beratung in einer Geschäftsstelle oder auf der Website.

Reisevorbereitung

Wenn das Auto auf eigener Achse in seine neue Heimat rollen soll, bietet sich eine Grenz- oder Überführungsversicherung an. Dies sind wundervolle Dokumente, denn mit ihnen kann man ein Fahrzeug vier Wochen lang im Straßenverkehr bewegen, vorausgesetzt, es war im Herkunftsland angemeldet. Der ADAC bietet solche Versicherungen an, sie sind vier Wochen lang gültig. Zum Abschluss der Versicherung benötigt man Kennzeichen, Fabrikat, Typ und vor allem Fahrgestellnummer des Fahrzeugs. Ein Fax oder Scan der Fahrzeugpapiere ist nicht vorgeschrieben, aber sicherlich hilfreich.

Wie firm ist man in der Landessprache? Wenn man nicht sicher ist, empfiehlt sich sprachkundige Begleitung. Im Zweifelsfall helfen auch dabei die Markenclubs weiter. Nicht zuletzt sollte man genügend Bargeld mitnehmen für Kauf und Reisekosten. Ggf. empfiehlt es sich, die PIN und das Wochenlimit der Kreditkarte nachzuschlagen.

Glücksfall oder Grotte?

Natürlich untersucht man ein Auto, bevor man das Geldbündel aus der Tasche zieht. Dazu sollte man sich vorher machen. Möglicherweise stehen jetzt Nachverhandlungen an – auch bei Internetauktionen. Wenn der Verkäufer nachweislich falsche oder lückenhafte Angaben gemacht hat, sollte man den Kaufpreis drücken. Dazu empfiehlt es sich, einen Ausdruck der Auktionsbeschreibung mitzunehmen.

Und nicht zuletzt sollte man bereit sein, ohne Kauf wieder abzureisen. Das kann schmerzlich sein, aber besser als eine hoffnungslose Vollmöhre über hunderte Kilometer heimzuschleppen.

Aber mit leeren Händen heimzukommen ist allemal besser als gar nicht zu fahren. Denn wenn es klappt, ist es großartig und einzigartig.

Carsablanca hat auch länderspezifische Tips und Tricks zum Oldtimer-Kauf in Belgien/Luxemburg, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Schweden, der Schweiz, Tschechien, den USA.

Informationen über Einfuhr und Zulassung

ADAC, Abteilung Grenzverkehr, Brigitte Werner, Tel. 089 7676-6331, Fax: 089 7607572. Die ADAC-Broschüre "Oldtimer-Ratgeber - Infos und Tipps um historische Fahrzeuge" informiert auch über den Import von Oldtimern. Noch umfassender kann man sich auf der Website des ADAC (www.adac.de/oldtimer) informieren. Dort finden sich auch Hinweise auf die Rechtslage bei Käufen übers Internet.

Deuvet, Tel. 09001-33 88 38 (49 cts p. Minute), Fax: 030-34 09 51 72, info@deuvet.de oder buero-berlin@deuvet.de. Der Deuvet befasst sich mit rechtlichen Aspekten der Einfuhr klassischer Fahrzeuge, insbesondere bei der Einfuhr aus Nicht-EU-Staaten. Im Auftrag des Deuvet erteilt Rechtsanwalt Dr. Götz Knoop Auskünfte zu allgemeinen juristischen Themen im Bereich Oldtimer, darunter auch zum Thema Import (www.knoop.de unter dem Stichwort Oldtimerrecht / Import, 02941-3046 info@knoop.de). Mitglieder eines im Deuvet organisierten Clubs erhalten eine kostenlose Erstberatung.

Der TÜV informiert ebenfalls recht umfangreich, etwa auf der Website www.tuev-sued.de unter dem Stichwort Auto-TÜV / Infos rund ums Fahrzeug / Import.

Der Zoll ist telefonisch erreichbar im Zoll-Infocenter (Hansaallee 141, 60320 Frankfurt/M, Tel. 069-46997600, info@zoll-infocenter.de).

Wie man sein Auto anmeldet, ohne unschöne Abenteuer befürchten zu müssen, steht in der Carsablanca-Praxisberatung Zulassung importierter Oldtimer.