Tipps und Tricks beim Oldtimer Import

Tipps und Tricks beim Oldtimer Import


Praxisberatung

Um die satten Aufschläge durch Zoll und Einfuhrsteuer zu umgehen, bietet das Zollrecht die Möglichkeit, ein Fahrzeug nach Zolltarif 9705 als Sammlungsstück zu deklarieren. Das allerdings ist nicht einfach.

Zollfreiheit und ein ermäßigter Einfuhrsteuersatz von 7%. Hört sich gut an, nicht? Doch genau hier können die Schwierigkeiten beginnen. Um das nun Folgende zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick in die Geschichte dieser Verordnung. Ihr Titel lautet "Zoologische, botanische, mineralogische oder anatomische Sammlungsstücke und Sammlungen; Sammlungsstücke von geschichtlichem, archäologischem [...] Wert". Entscheidend ist also der Gedanke der Sammel- und Museumswürdigkeit eines Stücks, im Sinne der Erhaltung eines historischen Artefakts für die Nachwelt.

Völlig problemlos ist die Einfuhr von Fahrzeugen vor Baujahr 1950 - die werden pauschal als sammelwürdig betrachtet und sind zollfrei, selbst wenn sie nicht fahrbereit sind. Die Eignung als Museumsstück bei Fahrzeugen ab Baujahr 1950 beurteilt der Zoll anhand folgender Kriterien: Diese können als sammelwürdig anerkannt werden, sofern sie sich im Originalzustand befinden, selten sind, von hohem Wert, Gegenstand eines Spezialhandels und fahrbereit (aber nicht ihrem ursprünglichen Zweck gemäß benutzt werden).

Ebenfalls anerkannt werden Fahrzeuge, die einen "charakteristischen Schritt in der Entwicklung der menschlichen Errungenschaften darstellen oder einen Abschnitt dieser Entwicklung dokumentieren", wie Frank Staedler es formuliert. Weiterhin kommen auch Fahrzeuge mit nachweisbarer Rennsportgeschichte oder Autos aus Prominentenbesitz unbesehens ihres Alters in den Genuss dieser Ermäßigung.

Was ist selten? 

Einiges davon bedarf der Erläuterung. Im Sinne von Position 9705 des Zolltarifs ist ein Fahrzeug selten, wenn weltweit höchstens noch zehn Prozent der Gesamtproduktion existieren, aber maximal 100 Exemplare. Den Nachweis dafür muss der Antragsteller erbringen, was sich mitunter als schwierig erweisen dürfte. Der hohe Wert bemisst sich im Vergleich zu den Preisen des gewöhnlichen Gebrauchtwagenhandels. Ebenso soll der Verkauf außerhalb des normalen Automarkts zustande gekommen sein, also beispielsweise durch einen spezialisierten Händler oder auf einer Auktion.

Um nachzuweisen, dass ein Fahrzeug fahrbereit ist, braucht man keine Runden auf dem Zollhof zu drehen - eine Prüfung auf technische Vollständigkeit und originalgetreuen Zustand genügt. Mit der Eingliederung in eine Sammlung hat ein Fahrzeug seinen Zweck geändert. Es ist jetzt ein Museumsstück, selbst wenn es hin und wieder auf Ausfahrten bewegt wird - dieser Passus ist unproblematisch. Schwieriger ist die Anerkennung als Beispiel eines charakteristischen Fortschritts, denn dieser muss technikhistorisch belegbar, also von großer Bedeutung sein, und mindestens 30 Jahre zurückliegen.

Technische Meilensteine

Einige Beispiele mögen dies illustrieren: Ein Mercedes 600 von 1965, der direkt nach seiner Herstellung zum Bestatter konvertiert wurde, erhielt problemlos die Anerkennung, da er mit dieser Karosserie ein Unikat ist und sowieso von hohem Wert ist. Frank Staedler erläutert weiter: "Ein Flügeltür-SL ist ein wunderbares, sehr fortschrittliches Auto - aber Einspritzmotor, Gitterrohrrahmen und alle wesentlichen Kennzeichen gab es vorher schon. Daher können wir den 300SL nicht anerkennen. Ein NSU Wankelspider dagegen wird anerkannt als erstes Serienfahrzeug mit Kreiskolbenmotor."

Ein Grenzfall wäre ein Daf 600 von 1959, den ein Fan in Südafrika aufstöbert - von diesen Autos haben viele Exemplare überlebt, hohen Wert hat es nicht, aber es ist das erste Serienfahrzeug mit stufenlosem Getriebe und hat daher eine Chance auf Anerkennung. Diese findet dagegen ein Horch nicht, der mit Wolga-Achsen und GAZ-Motor aus Russland zurückkommt, er ist eben nicht mehr im Originalzustand. Ebensowenig kommen amerikanische Hot Rods nicht in den Genuss dieser Vergünstigung - sie mögen zwar Teil einer historisch anerkannten Tradition sein, aber entscheidend ist der Originalzustand, den ein Hot Rod per definitionem nicht mehr hat. All dies gilt es schon vor dem Kauf zu bedenken, damit aus dem vermeintlichen Schnäppchen nicht ein finanzielles Fiasko wird.

Der Zoll berät gern zum Thema Zolltarif Position 9705. 

Kriterien für die Anerkennung eines Oldtimers als Sammlungsstück nach Zolltarif Position 9705

1. Baujahr vor 1950: pauschale Anerkennung

2. Baujahr ab 1950; folgende Kriterien müssen erfüllt sein:
- Seltenheit (idealerweise ein Einzelstück, sonst nur noch 10% der Weltproduktion vorhanden, aber maximal 100 Exemplare), die Nachweispflicht liegt beim Antragsteller;
- Verwendung nicht mehr gemäß dem ursprünglichen Verwendungszweck;
- hoher Wert (nach Fachpublikationen über dem Niveau des üblichen Gebrauchtwagenhandels);
- Gegenstand eines Spezialhandels (Kauf von Privatperson, spezialisiertem Händler oder auf einer Auktion);

oder falls das Auto mindestens 30 Jahre alt ist und einen charakteristischen Fortschritt in der Entwicklung menschlicher Errungenschaften darstellt.

3. Ohne Altersbegrenzung: falls das Fahrzeug einen nachweisbar besonderen historischen Wert hat (im Rennsport eingesetzt war, einer prominenten Person gehörte), kann die Ankerkennung ebenfalls erteilt werden.