Kaufberatung Rolls-Royce Silver Shadow ( 1965 - 1980 )

Kaufberatung Rolls-Royce Silver Shadow ( 1965 - 1980 )

Kaum ein Fahrzeug verbindet so viel Stil mit Luxus wie ein Silver Shadow oder Bentley der baugleichen T Series. Wir sagen, was es beim Einstieg in die automobile Luxusklasse zu beachten gibt.

Erich Kästner schrieb einmal, dass mit der Erfindung des Automobils die Kunst des Ankommens verloren gegangen sei. Keine Frage, der Mann hat nie einen Rolls-Royce gefahren, denn kein anderes Fahrzeug verkörpert soviel automobile Maximalkultur wie ein gepflegter Rolls-Royce. Bei ebay.co.uk gibt es ständig verführerische Angebote für wenige tausend Pfund. Mythos, Luxus und immer einen Parkplatz vor dem Haupteingang für kleines Geld? Die Versuchung lockt. Doch sollte man so einer Versuchung wirklich nachgeben? Am Ende dieser Kaufberatung wissen Sie es.

Zur Historie des Rolls-Royce Silver Shadow und des Bentley T

Als Rolls-Royce im Oktober 1965 den Silver Shadow einer entzückten Öffentlichkeit vorstellte, war die internationale Presse nachhaltig beeindruckt. Das konservative Unternehmen war richtig innovativ geworden. Erstmals gab es eine selbsttragende Karosserie an Stelle der bis dahin üblichen Rahmenbauweise, bei der eine Karosserie auf ein Fahrgestell aufgesetzt wurde. Damals höchst modern: Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen rundum, eine Niveauregulierung (angelehnt an das Patent Citroën) und nicht weniger als drei Bremskreise plus Handbremse. Dazu gab es das am weichsten schaltende Automatikgetriebe seiner Zeit und einen 6,3 Liter großen Leichtmetall V8, der schon aus den Vorgängermodellen Silver Cloud II und III bekannt war.
Wer die 2.062 kg Lebendgewicht um die Kurve stemmen wollte, konnte das mit dem kleinen Finger tun, eine extrem leichtgängige Servolenkung machte es möglich.  Die inneren Werte blieben: duftendes Connolly Glattleder, Wilton-Teppiche und Edelholzfurniere aus französischen Walnussbäumen, die in Kaliforniern aufwuchsen und in England zur Perfektion bearbeitet wurden. Jeder Fondpassagier hatte seinen eigenen Aschenbecher, Zigarettenanzünder und beleuchtbaren Make-up Spiegel. Der Silver Shadow wurde international zum Synonym für das Luxusauto schlechthin. Für alle, welche die Qualitäten dieses Automobils wollten, aber nicht sein Image, hielt man den Bentley T Series parat. Bis auf Kühlergrill, Ventildeckel und die Embleme war der Bentley T völlig identisch mit dem Silver Shadow. Das von Neidern aufgehängte Image vom Billig-Rolls-Royce zog nicht, der Preisunterschied lag bei nur etwa 2%. In England galt der Spruch „Neues Geld fährt Rolls, altes Geld fährt Bentley“ Man kann es auch so sehen: Wer einen Rolls-Royce wählte beeindruckte die Welt, wer einen Bentley kaufte beeindruckte einfach sich selbst.
In den ersten Jahren nach der Modelleinführung brachte der ADAC in seiner Hauszeitung Motorwelt einen Bericht über Engländer, die saftige Aufpreise für neuwertige Gebrauchtexemplare bezahlten, um nicht anderthalb Jahre Lieferzeit abwarten zu müssen. Der deutsche Kleinbürger staunte nicht schlecht, denn für die DM 88.000,- die der deutsche Importeur Auto-Becker für die Wagenschlüssel verlangte, hätte man auch acht BMW 1800ti oder siebzehn VW Käfer bekommen. Da man aber mit siebzehn Käfern vor dem Casino in Monte Carlo schon 1966 keinen Parkplatz bekam, kauften 26.471 Glückliche zwischen  1965 und 1980 doch lieber ein Exemplar der Modellreihe des Silver Shadow bzw. Bentley T.

Das ist ein Rolls-Royce Silver Shadow heute

Es ist offensichtlich: Der Shadow ist in die Jahre gekommen. Doch während Normalautos einfach alt werden, wird ein Rolls-Royce oder Bentley klassisch. So wie die Queen Elizabeth II. keine alte Oma, sondern immer noch die Queen ist. Er ist zum Glück nicht mehr dazu geeignet, den großen Max zu spielen. Besonders die Eigentümer höchst mittelprächtiger Exemplare werden gerne als profilneurotische Angeber angesehen, die mit der Marke punkten möchten, was aber drei Modellgenerationen später und angesichts Handteller großer Ölpfützen, durchhängendem Heck und rostiger Stoßstangenecken nicht so recht gelingen will.
In Wahrheit ist ein guter Rolls-Royce Silver Shadow oder ein Bentley T heute ein Auto für Ästheten, die auf der Suche nach dem Echten sind und das Wort „british craftsmanship“ nicht erst nachschlagen müssen. Der Reiz eines Silver Shadow liegt in dem „Spirit“ der ihm von den Rolls-Royce Werkern eingebaut wurde: Die „splendid isolation“. Steigen Sie ein, schließen Sie die Türe und die Welt bleibt draußen. Die Geräusche der Außenwelt dringen nur noch gefiltert ans Ohr. Buddhistische Ruhe legt sich einem in die Seele  und jeder Gestresste und Genervte wird gelassen und entspannt. Beim Blick durch die Scheiben wirkt die Außenwelt anders, irgendwie unwichtig, wie Dekoration. Alles was da draußen passiert, hat hier innen überhaupt keine Bedeutung. Hier steht die Zeit still. Wie ist das möglich? Diese Autos wurden mit einem handwerklichen und zeitlichen Aufwand in überwiegender Handarbeit angefertigt, der von heutigen Konzernlenkern als betriebswirtschaftlicher Selbstmord angesehen wird. Hier einige Beispiele: Die Scheibenrahmen der Seitenfenster wurden aus Messingprofilen von Hand gesägt, von Hand verlötet, dann verchromt. Das Holzfurnier des Armaturenbretts und der Türleisten wurde gespalten und in der Mitte des Bauteils spiegelbildlich angesetzt, um eine hundertprozentige optische Gleichmäßigkeit zu erreichen.
Die Lackschicht darauf ist millimeterdick und handpoliert. Wahrscheinlich kann man eine Zigarette darauf ausdrücken ohne Spuren zu hinterlassen. Und selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Oberfläche verunziert werden würde, hatte man damals vorgesorgt, denn von jedem einzelnen Wagen bewahrte das Werk exakt das verwendete Holzfurnier für spätere Reparaturen auf.
Manche Kabel sind nicht einfach mit Schnellverbindern zusammengesteckt, sondern mit dem Lötkolben verlötet. Plastikclipse sucht man vergebens, dafür gibt es vernickelte Schrauben mit einer vernickelten Rosette darunter. Das Leder der Connolly Brothers ist legendär. Doch das Leder, das Connolly an Rolls-Royce lieferte war etwas ganz besonderes: Connolly verpflichtete ausgesuchte Lieferanten vertraglich dazu, die Kuhweiden nicht mit Stacheldraht einzuzäunen, damit die Häute nicht bekratzt wurden. In aufwändigen Verfahren und unter Einsatz von Zutaten, bei deren Namen sich Umweltschützer heute die Haare raufen, wurde das Leder spiegelglatt und geschmeidig gegerbt. Connolly belieferte auch Ferrari und Jaguar. Zwischen deren Ledergüte und der eines Silver Shadow liegen jedoch Welten.
Die Kühlermaske wurde über Jahrzehnte von denselben Spezialisten von Hand gefertigt. Die Legende behauptete einst, sie würde nur beim Zusammenstoß mit einem Panzer verbiegen – und das massive, hölzerne Armaturenbrett erst dann beschädigt werden, wenn der Panzer zusätzlich noch feuert.
Wer den Unterschied zwischen duftendem Leder auf Rosshaar mit Federkern und einem modernen Schaumformsitz mit geruchslosem Pseudoleder nicht kennt, für den gibt es ein neues Sitzerlebnis. Schalter aus massivem, verchromtem Metall, die beim betätigen nicht Klick machen sondern Klack.
Ein Drehzahlmesser sucht man vergebens, wozu auch? Das Auto läuft mit seinem enormen Drehmoment so smooth, dass man gar kein Lust hat, über geschätzte 2.500 U/min zu gehen. Wer einen Rolls-Royce laufen lässt, fühlt schnell, dass sich Fahrer und Gefährt irgendwo zwischen 90 und 120 km/h so richtig wohl fühlen, denn die Ruhe und distinguierte Gelassenheit des Wagens überträgt sich auf den Fahrer. Bei diesem Tempo kann man wunderbar entspannt dem Abrollgeräusch der Reifen zuhören, die einem Geschichten aus einer längst verlorenen Zeit erzählen. Aus einer Zeit, in der England noch Great Britain hieß, Rolls-Royce noch den Engländern gehörte und ein Bentley auf der Hebebühne kein Audi-Logo in den Querlenkern entblößte.

Kleine Typenkunde des Rolls-Royce Silver Shadow und Bentley T Series

Die erste Serie des Silver Shadow wurde von 1965 bis 1977 gebaut. 1969 wurde der Hubraum von 6,23 Liter auf 6,75 Liter erhöht. 1975 wurde ein Zweikreisbremssystem statt des Dreikreisbremssystems eingeführt. 1977 erschien der bis 1980 gebaute Silver Shadow II. Von da an wurden die zuvor gebauten Exemplare als Silver Shadow I bezeichnet. Das gleiche gilt für die Bentley Version T.
Die Rolls-Royce und Bentley welche ab 1969 mit langem Radstand (ca. 11 cm mehr Beinfreiheit hinten) ausgeliefert wurden, werden als lwb (long wheelbase) bezeichnet. Ab dem Silver Shadow II erhielten die lwb-Versionen den eigenen Modellnamen Silver Wraith II, während die Bentley T 2 mit langem Radstand keinen neuen Namen erhielten und weiterhin nur als T 2 lwb bezeichnet wurden. Wohl wissend, dass es einem Bentley Eigner schnuppe war, ob die Welt an seiner Modellbezeichnung ablesen konnte, dass er in der Langversion reiste.
Optisches Unterscheidungsmerkmal zwischen den Serien sind vor allem die Chromstoßstangen der ersten gegenüber den Gummistoßstangen der zweiten Serie, wie sie bereits seit 1973 für den US-Markt verwendet wurden. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass die zweite Serie selbstbewusster auftritt: die Radläufe sind leicht herausgezogen um Platz für die breiteren 235er Reifen und die damit einhergehende breitere Spur des Silver Shadow II zu machen. Ein Frontspoiler und doppelte Auspuffendrohre modernisierten die Erscheinung zusätzlich. Laut Rolls-Royce gab es am Shadow II zweitausend Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger. Im Interieur war dies in erster Linie eine neu gestaltete Armaturentafel und eine zwei Zonen Klimaanlage mit getrennter Temperaturregelung für Kopf- und Fußraum. Die Coupe und Cabriolet Versionen des Silver Shadow wurden im eigenen Karosseriewerk Mulliner Park Ward (MPW) gefertigt und hießen zunächst two door Saloon bzw. Convertible.

Im Prospekt des Corniche Cabriolets stand: „Wenn Sie nichts mehr vom Himmel trennt, werden die Räder zu Flügeln“

Ab 1971 erhielten beide den schönen Namen Corniche, benannt nach der Küstenstraße zwischen Nizza und Monte Carlo. Auch die Bentley Versionen wurden, wie oben erwähnt, bezeichnet und erhielten dann ebenfalls den Namen Corniche. Alle, die in den siebziger und achtziger Jahren nicht von einem Ferrari träumten, träumten von einem Corniche Cabriolet. Das Rolls-Royce Corniche Cabriolet wurde in 4 Modellgenerationen und 4.858 Exemplaren bis 1987 gebaut, das Bentley Corniche Cabriolet dagegen nur 162 Mal und nur bis 1984.

Für den reisenden Gentleman: Die Coupe Ausführung des Silver Shadow.

Technisch betrachtet gehört auch der Camargue zur Silver Shadow Familie. Das von Pininfarina entworfene und nach einer richtig schönen Gegend in Frankreich benannte Coupe, war zu seiner Zeit das teuerste Serienauto der Welt. Er brachte es von 1975 bis 1986 auf 523 Exemplare – plus einem einzigen Bentley Camargue, weil dessen Auftraggeber partout keinen Rolls-Royce wollte. Käufer hatten die Wahl zwischen vier Mercedes 500 SEC oder einem Camargue.

Die Probleme der Rolls-Royce Silver Shadow und Bentley T Series

Die Rolls-Royce Ingenieure und Konstrukteure haben einen Maximalaufwand betrieben, um größtmöglichen Komfort, hohe Sicherheit und lange Lebensdauer zu erreichen. Die ständige Betriebsbereitschaft sollten dabei die Werkstatt-Inspektionen gewährleisten. Deren Umfang baut sich, ähnlich wie bei Flugzeugen, immer weiter auf und beinhaltet den Austausch von Teilen, die vorbeugend auch ohne Defekt erneuert werden. Zum Beispiel bei bestimmten Wartungen die Hydraulikschläuche, der Kühlwasserthermostat und die gesamte Kühlflüssigkeit. Wer solche Werksvorgaben einhielt, hatte logischerweise immer ein technisch  zuverlässiges Fahrzeug. So wird auch das bekannte Zitat, dass ein einziger Rolls-Royce für das Leben ausreiche, nachvollziehbar.

Doch diese beständigen Teilerneuerungen haben natürlich ihren Preis. Heute steht auch der letztgebaute Silver Shadow kurz vor dem H-Kennzeichen und die frühen Exemplare haben die Lebensdauer eines Durchschnittsgebrauchtwagens bereits um das sechsfache überschritten. Da spielt es eine große Rolle, wie es dem Nobelgefährt über die Jahre erging. Die Rolls-Royce Kundschaft kann sehr facettenreich sein: Wer privat inserierten Angeboten nachgeht, kann einen Schweizer Arzt  mit Blick auf den Zürichsee kennen lernen, aber auch einen goldkettenbehängten Nachtclubbesitzer, der einen Motor komplett abschmieren kann, indem er einmal mit den Haaren drüber wischt. Entsprechend unterschiedlich kann dann auch die Servicehistorie des betreffenden Autos ausfallen.

Worauf man bei Inseraten achten sollte

Vergessen Sie alles, was in Deutschland um oder unter 10.000,- EUR angeboten wird, dafür gibt es nur Gurken. Bisher sind keine Ausnahmen bekannt geworden.

Achten Sie auf das Baujahr. Die frühen Modelle waren mit Dreikreisbremsanlage, Viergangautomatik und Niveauregulierung auch an der Vorderachse technisch sehr aufwändig und unnötig kompliziert. 1968 ersetzte Rolls-Royce das Automatikgetriebe durch eine GM 400 3-Gang-Automatik, 1969 entfiel die Niveauregulierung für die Vorderachse und ab 1975 gab es ein Zweikreisbremssystem.
Die Modelle ab 1975 sind also technisch übersichtlicher. Ein 30 Jahre alten Silver Shadow lässt sich mit einem H-Kennzeichen zulassen, eventuell hat er ein solches bereits. Mit H-Kennzeichen bezahlen Sie momentan nur 181,- EUR Kfz-Steuer im Jahr, mit normalem Kennzeichen hingegen 1.724,- EUR im Jahr. Mit einem Saisonkennzeichen kann man noch etwas sparen, darf dann aber in den betreffenden Monaten auch nicht fahren. Allerdings ist nur das letzte Baujahr (1980) noch nicht H-Kennzeichen tauglich.
Das H-Kennzeichen entbindet auch von der lästigen Feinstaubplakette. Katalysatoren ab Werk gab es zum Glück nur für wenige Exportmärkte wie die USA. Da es sich hierbei um die Anfänge der Katalysatortechnik handelt, sind diese Fahrzeuge nicht nur mit spürbaren Leistungseinbußen behaftet, sondern auch mit einer komplizierten Abgasrückführungstechnik, erkennbar an etlichen, zusätzlichen Leitungen, Schläuchen, Pumpen, und Kabeln, die sich im Motorraum drängeln.

Jede Menge unnötiges Gedöns: Motorraum einer USA Ausführung. 


Rechtslenker oder Linkslenker: Rechtsgesteuerte Fahrzeuge müssen deutlich billiger sein als linksgelenkte, denn der Kreis der Käufer, die einen Rechtslenker akzeptieren ist erstaunlich gering. Jedem, der einen Rechtslenker verkaufen will fällt das auf die Füße, also auch Ihnen, wenn Sie den Wagen irgendwann mal wieder verkaufen möchten.

Ist es ein Auto zum Einsteigen und Losfahren oder sind Arbeiten erforderlich? Wenn der Verkäufer Ihnen sagt, dass man dies oder jenes machen muss, bedanken Sie sich und legen Sie auf. Die Reise können Sie sich getrost sparen. Englischsprachige Inserate mit Formulierungen wie „needs love“, „needs cosmetics“ oder „needs minor work“ münden im finanziellen Desaster, denn hier wird nichts anderes angeboten als ein Restaurierungsobjekt.

Wann war die letzte Inspektion und von wem wurde es gemacht? Ein Ölwechsel ist keine Inspektion, schon gar nicht bei einem Silver Shadow. Freie Werkstätten sind denkbar ungeeignet, einen Rolls-Royce mit seinen konstruktiven Eigenheiten qualifiziert zu warten.

Zurzeit werden zahlreiche Re-Importe aus den USA angeboten. Erkundigen Sie sich beim Anbieter, ob bereits deutsche Kfz-Papiere erstellt wurden. Wenn nicht, kann einem da noch einiges bevorstehen, auch wenn das Auto selbst ganz gut ist: Z.B. der Umbau von Scheinwerfern, recht häufig auch die Erneuerung von Reifen, weil die montierten Reifengrößen in Deutschland nicht zulässig sind. Idealerweise sollte ein Silver Shadow auf Reifen der Marke Avon laufen. Dieser (teure) Reifen ist der laufruhigste und damit am besten zu einem Silver Shadow passende. Er war auch werksseitig montiert.

Die Besichtigung und Prüfung eines Rolls-Royce Silver Shadow

Kaufen Sie nicht unbesehen, auch wenn das ebay Angebot noch so verlockend ist. Fahren Sie hin, oder fliegen Sie mit einem Billigflieger. Aber kaufen Sie niemals ungeprüft. Gutes Licht ist wichtig. Am besten Tageslicht. Besichtigen Sie nie in einer Garage oder Tiefgarage und nehmen Sie sich Zeit. Lassen Sie das Auto zuerst auf sich wirken.

Die Karosserie

Die allermeisten Silver Shadow wurden bereits mindestens einmal neu lackiert. Erste Indizien hierfür sind die von Hand gezogenen Zierlinien (Coachlines) unterhalb der seitlichen Chromzierleiste. Im Werk gab es einen Mitarbeiter, der sein Berufsleben damit verbrachte, mit dem Schlepppinsel von Hand makellose Zierlinien zu ziehen. Typisch für den Silver Shadow: Von Könnerhand gemachte Detailarbeit.

Wenn diese Linie fehlt, aufgeklebt, nicht perfekt gezogen oder vom Abkleben ausgefranst ist, ist der Wagen nicht mehr im Erstlack. Bei der Originalzierlinie kann man, bei sehr genauem Hinsehen, im Farbverlauf erkennen, wo dem Schleppinsel die Farbe langsam ausging und wo mit dem frisch getränkten Pinsel dann wieder angesetzt wurde.
Auch die Radzierdeckel hatten auf dem in Wagenfarbe lackierten Bereich eine kreisrunde auflackierte Zierlinie, die heute oft fehlt, weil sie keiner mehr so schön hinbekommt. Eine Neulackierung ist schade, aber nicht unbedingt negativ. Wenn Sie mit dem Fingernagel den Frontscheibengummi etwas anheben, darf kein Farbabsatz zu sehen sein, erst recht keine Farbspuren am Gummi, sonst wurde dem Wagen eine billige bzw. typische Verkaufslackierung zu Teil. 

Die hinteren Stoßstangenecken der Silver Shadow I (Chromausführung) neigen in den Ecken zum durchrosten. Am Frontscheibenrahmen, wo die A-Säule auf den Kotflügel trifft, befinden sich meist Haarrisse, die von der Verwindung der Karosserie herrühren. Das ist ziemlich normal, sollte aber behandelt werden, damit sich kein Rost einnistet.
Die Einfassungen von Front- und Heckscheibe sind auf Rost zu prüfen. Bei Fahrzeugen mit Vinyldach ist das Dach besonders in diesen Randbereichen zu kontrollieren unter Hubbeln verbergen sich meist ausgewachsene Rostnester. Fans, die mit Magneten gerne die Karosserien abtasten, sei gesagt, dass Türen und Hauben aus Aluminium gefertigt sind und Magneten daher an diesen Teilen nicht haften.
Finden Sie an den Radläufen Blasen, handelt es sich um Rost, auch wenn der noch nicht sichtbar ist. Sind an diesen Stellen Poren oder Macken im Lack wurde gespachtelt. Die Seitenschweller sind über die gesamte Länge und in den Radhäusern abzuklopfen. Nachdem Sie alle Kotflügel, insbesondere in den Bereichen, in denen Regenwasser gerne hängen bleibt kontrolliert haben, braucht es nur noch einen prüfenden Blick über alle senkrechten und waagrechten Flächen. Das hilft Dellen und Hagelschäden nicht erst zu Hause zu entdecken.

Ein wichtiger Punkt jeder Silver Shadow Prüfung ist die berühmt-berüchtigte Aufnahme des Hilfsrahmens der Hinterachse. Gehen Sie einen Meter vom Hinterrad entfernt in die Hocke und bitten Sie den Verkäufer anzufahren. Beobachten Sie genau, ob das Hinterrad einen kurzen Ruck nach hinten macht. Unbedingt auf beiden Seiten kontrollieren. Wenn das der Fall ist und sogar noch eine Art Knacken zu hören war, ist die Besichtigung beendet und der Verkäufer muss weiter nach einem Dummen suchen. Soviel kann er gar nicht im Preis runtergehen, wie diese Reparatur kostet. Allerdings ist dieser Defekt seltener, als es in den meisten Kaufberatungen angedroht wird und tritt meistens bei Exemplaren auf, die schon optisch Defizite aufweisen.

Der Motorraum

Öffnen Sie die Haube und lassen Sie auf sich wirken, was Sie sehen. Ist die Dämmmatte an der Motorhaubeninnenseite nur ein bisschen fleckig oder hängen schon Fetzen herunter? Sieht der Motorraum einigermaßen sauber aus oder ist er verstaubt bzw. verdreckt? Ist der Deckel des viereckigen Brems- bzw. Hydraulikölbehälters verrostet? Die Antwort auf diese Fragen vermittelt einen ersten Eindruck, bevor es ans Eingemachte geht. Es gehört schon eine gewisse Ingenieurleistung dazu, einen 6,75 Liter großen V8 mit nicht einmal 200 PS zu bauen, der aber dennoch Super braucht. Dafür gibt es aber mehr Laufruhe, als in den meisten Zwölfzylindermotoren.

Am Behälter für die Brems- bzw. Hydraulikflüssigkeit befinden sich zwei Schaugläser. Neben den Flüssigkeitsniveau, das sich innerhalb der markierten Bereiche befinden muss, ist die Farbe des Bremsöls Castrol RR 363 von Bedeutung. Idealerweise sollte das Öl möglichst farblos sein. Ein Grünstich ist ein Signal für überalterte Bremsflüssigkeit. Da Bremsflüssigkeit hygroskopisch ist, also Wasser aus der Luftfeuchtigkeit zieht, wird der Siedepunkt der Bremsflüssigkeit herabgesetzt, was zu Dampfblasenbildung und „Luft“ in der Bremse führen kann. Außerdem enthält die Bremsflüssigkeit ein Schmiermittel für die Bremspumpen, das mit der Zeit seine Wirkung verliert. Achtung: Sehr späte Modelle (ab etwa Herbst 1979) sind bereits mit einer anderen Bremsflüssigkeit namens LHM ausgestattet. Diese ist von Haus aus grün und nicht mehr hygroskopisch. Eindeutige Warnhinweise auf dem Behälter geben Auskunft, welches Bremsöl hineingehört. Mischt man LHM mit einem andern Bremsöl, werden unweigerlich die Dichtungen des Bremssystems zerstört und das wird dann richtig teuer.

Die Hochleistungsbremsanlage ist darauf ausgelegt, das zulässige Gesamtgewicht von 2,8 Tonnen im Falle eines Falles von ca. 190 km/h auf 0 km/h herunter zu bremsen, notfalls auch mehrmals hintereinander. Physikstudenten vermögen nachzuvollziehen, welche Energie aufgewendet werden muss, um das zu erreichen. Daher ist der Rolls-Royce Silver Shadow mit  einer speziellen Bremsanlage ausgestattet: Zwei zwischen den Zylinderbänken angeordnete Bremspumpen  werden über Stößelstangen von der Nockenwelle angetrieben und produzieren einen Druck von ca. 170 bar (ein voll aufgedrehter Wasserhahn hat etwa 7 bar). Unter diesem Druck wird die Bremsflüssigkeit zu zwei gasgefüllten Druckspeichern geleitet. Wenn der bereitgestellte Bremsdruck nicht abgerufen wird, sorgen Überdruckventile für den Rücklauf der Bremsflüssigkeit in den Vorratsbehälter. Tritt man aber in die Bremse, werden Ventile geöffnet und die Bremsflüssigkeit mit jenen 170 bar zu den 4 (!) Bremszangen an der Vorderachse und den beiden  Bremszangen der Hinterachse geschickt, um die Bremskolben gegen die Bremsbeläge und diese wiederum gegen die Bremsscheibe zu pressen. Dasselbe System versorgt übrigens auch die Niveauregulierung der Hinterachse.
Die Bremse prüft man am besten, indem man den Rolls-Royce startet und drei Minuten im Stand laufen lässt. Jetzt treten Sie bei laufendem Motor zwanzigmal hintereinander auf das Bremspedal. Die Warnleuchten für das Bremssystem dürfen dabei nicht aufleuchten, sonst arbeiten die Druckspeicher und evtl. auch die Bremspumpen nicht mehr einwandfrei. Wenn Sie den Motor abstellen, schalten Sie noch einmal kurz die Zündung ein. Jetzt müssen die Warnlampen aufleuchten. Wenn nicht, hat möglicherweise ein böser Gebrauchtwagenhändler die Kabel zu den Warnlampen abgezwickt, das hat es alles schon gegeben.

Während Sie den Silver Shadow im Stand laufen lassen, können Sie in dieser Zeit einen weiteren Test durchführen: Beobachten Sie beim Leerlauf des Motors die Seitenkante der offenen Motorhaube. Wenn die Motorhaube von rechts nach links bebt, läuft der Silver Shadow nicht auf allen acht Zylindern.

Ein Tickern, das Sie kurz nach dem Kaltstart aus dem Motorraum hören und das nach zehn Sekunden wieder verschwunden ist, darf sein. Die Hydrostößel der Ventile  haben diesen Moment gebraucht, um sich mit Öl zu füllen. Bleibt das Tickern, haben einer oder mehrere Hydrostößel ein Problem – oder aber die Bremspumpen. Die tun ihrerseits Unwohlsein durch ein tackerndes, metallisches Geräusch kund. Schrauben Sie die schwarzen Kunststoffdeckel auf den beiden SU Vergasern ab und ziehen Sie diese samt dem daran hängenden Stab heraus. Am unteren Ende sitzt ein kleiner Kolben. Dieser Kolben sollte von sauberem Motorenöl benetzt sein. Ist er es nicht, wurde die Wartung definitiv vernachlässigt.

Nach der Sichtprüfung aller Schläuche auf Risse und Flüssigkeitsverluste zieht man noch den Ölmessstab und prüft neben dem Füllstand (bei stehendem Motor) die Konsistenz des Motoröls und schaut sich nach einem Ölwechselzettel um. Der Ölwechsel sollte nicht viel länger als ein Jahr bzw. 10.000 km oder 6.500 mls her sein. Synthetik-Öle sollte man beim Ölwechsel meiden, weil sie zu dünnflüssig sind. Der Motor mag Sie nicht und Ölverluste werden durch das dünnere Öl gefördert. Stichwort Ölverlust: Staubtrocken ist ein Silver Shadow nie, aber mehr als ein, zwei Tropfen nach einer Probefahrt sollten nicht sein. 

Der Ölstand des Automatikgetriebes wird bei laufendem Motor und betriebswarmem Getriebe, am besten nach der Probefahrt geprüft. Der Füllstand wird abgelesen und am Ölmessstab gerochen. Riecht es angebrannt, haben die Bremsbänder gelitten. Hat der Ölstand immer gestimmt, dann ist die ab 1968 verbaute General Motors GM 400 Drei-Gang-Automatik robust wie ein Betonpfeiler. Die von 1966 bis 1968 verbaute 4-Gang-Automatik ist deutlich teurer zu reparieren.

Der Kofferraum

Wer seinen Kofferraum pflegt, kümmert sich auch um den Rest des Autos. Also schauen wir doch mal nach. Der Silver Shadow hat einen komplett mit Teppichboden ausgeschlagenen Kofferraum. Ein Blick in den Kofferdeckel und dessen Kanten sollte  keine weghängenden Teppichränder offenbaren unter denen halbzentimeter-dick altes Pattex klebt.
Links im Kofferraum befindet sich unter einer Abdeckung die Batterie und eine Box mit Werkzeug, das oft nicht mehr da ist. Oben rechts im Kotflügel befindet sich laut Bedienungsanleitung die „schwere Werkzeuge enthaltende Tasche“ die eine „Radwechselausrüstung“ bereithält, bzw. bereithalten sollte. Das Reserverad befindet sich unter dem Kofferraum. 

Das Interieur

Wenn Sie beim Öffnen der Türe nicht von einer Wolke geradezu opiaten Lederduftes  umfangen werden, fehlt dem Auto etwas. Bei keinem anderen Rolls-Royce Modell war der Lederduft so ausgeprägt. Einen Silver Shadow kann man mühelos am Duft erkennen. Wenn das Leder allerdings dem in England so verbreiteten „reconnollising“ unterzogen wurde, ist der Duft futsch, bzw. bestenfalls noch ansatzweise vorhanden. Was für den unbedarften Laien nach einer Lederrestaurierung klingt, ist in Wirklichkeit ein überjauchen des Leders mit viel Farbe. Damit sieht das Leder auf Fotos wie neu aus, ist aber so verhärtet, dass es beim Draufdrücken schon mal knirschen kann. Für mich persönlich ein K.O.-Kriterium. Beim Berühren fühlt sich originales, gut gepflegtes Leder weich an, wie eine teure Brieftasche.
Was es auch öfters gibt, sind Vordersitze, deren Leder erneuert wurde – und das nicht unbedingt in Connolly-Leder, während das der Fondsitzbank belassen wurde. Unterschiedliche Lederstrukturen und Farbabweichungen sind dabei eher die Regel als die Ausnahme. Hat das Leder hingegen nur normale Gebrauchsspuren, können Lederspezialisten hier vieles retten, oft schon durch eine wirklich professionelle Lederreinigung. Man kann auf alles verzichten, nur nicht auf Luxus: Interieur eines Silver Shadow I mit nicht korrekt ersetztem Handschuhkastendeckel.

Das Holz sollte außer ein paar Macken in den Türleisten von den zurückschnellenden Schlössern der Sicherheitsgurte keine Risse oder Abplatzer auf der millimeterstarken Klarlackschicht aufweisen. 

Es gilt nun die zahlreichen elektrischen Hilfen zu testen, denn vom Wählhebel des Getriebes bis zur Verstellung der Vordersitze ist Etliches elektrisch unterstützt. Lassen Sie alle 4 Fenster bei laufendem Motor ganz hinunter und wieder hoch gleiten. Meist tun sich dabei die hinteren Fensterheber schwer. Die Fensterheber  werden über Ketten betätigt, deren Fett im Laufe der Jahrzehnte verhärtet was das Tempo deutlich verlangsamt.
Seltener Gebrauch der Fensterheber beschleunigt diesen Prozess. Ausbauen, auskochen, schmieren, einbauen, dann geht es in den meisten Fällen wieder. Bei frühen Baujahren des Silver Shadow schließen die Fensterheber nur bis etwa zwei Zentimeter unter den Fensterrand. Für das finale Schließen des Fensters muss bei diesen Modellen zusätzlich ein schwarzer Druckknopf betätigt werden. Damit sollte verhindert werden, dass sich Kinder oder tüdelige Menschen im schließenden Fenster die Finger brechen.

Wenn Sie die Zentralverriegelung prüfen, ist es normal, dass der Kofferraum sich bei entriegelten Türen nicht öffnen lässt. Hierzu wird der mit „Boot lock“ bezeichnete Knopf im Handschuhfach gedrückt. Diese Eigenheit macht Sinn, denn so wird verhindert, dass Ihnen in Mailand der Kofferraum ausgeräumt wird, während Sie an einer roten Ampel warten. Natürlich kann der Kofferraum auch mit dem Schlüssel geöffnet und verschlossen werden.

Eine weitere sinnvolle Eigenheit ist die Kombination der Tankanzeige mit dem Ölstand. Betätigt man bei stehendem Motor einen Prüfschalter, zeigt die Nadel der Tankuhr den Ölstand an. So kommen Sie mit sauberen Händen in die Oper. Bei frühen Baujahren ohne Kühlwasserthermometer informiert Sie ein gleichzeitig ertönender Summton darüber, dass der Warnton für ein überhitztes Kühlsystem ebenso funktioniert, wie die aufleuchtende Kühlwassertemperatur-Warnleuchte.

Die Klimaanlage war erst ab der Fahrgestellnummer #7500 serienmäßig und ist beim Silver Shadow I eine andere als beim Shadow II. Beim ersten Modell handelt es sich um eine reine Kälteanlage, bei der zur Temperaturregelung die Heizung zugeschaltet wird. Beim Shadow II ist es eine Klimaautomatik mit getrennter Regulierung für den Kopf und den Fußbereich. Stellen Sie zum Test ein Temperaturwählrad auf maximal heiß und das andere auf maximal kalt, anschließend umgekehrt. Die Prüfung sollte bei einer Probefahrt erfolgen, denn der keilriemengetriebene und damit drehzahlabhängige Kompressor braucht einen Moment. Eine nicht funktionierende Klimaanlage ist vor Ort in den Reparaturkosten schwer zu kalkulieren. Während der Verkäufer in der Regel der Ansicht ist, dass nur ein bisschen Kühlmittel fehlt, kann auf der Reparaturrechnung aber auch ein Bruttomonatsgehalt stehen.

Die Probefahrt

Das Maß der Dinge bei der Probefahrt sind die Geräusche. Ein legendärer Werbespruch von Rolls-Royce USA versprach einmal, dass das lauteste Geräusch bei 100 km/h das Ticken der Uhr sei. Ganz so ist es nicht, aber auch nicht viel anders.
Das lauteste Geräusch bei 100 km/h ist – wenn alles am Auto stimmt – das Abrollgeräusch der Reifen. Den Motor nimmt man als Geräusch durchaus wahr, aber dezent, vergleichbar einem eingeschalteten Fön, den man unter eine Bettdecke legt. Nur beim Beschleunigen hört man ihn deutlicher. Wenn Sie sich zu einem Kick down überwinden können, passiert einen Wimpernschlag lang gar nichts, dann setzen ein Schub und eine Akustik ein, die tatsächlich an ein startendes Düsenflugzeug erinnern. Nicht wahnsinnig schnell, aber eindrucksvoll und unaufhaltsam. Ab etwa 110 km/h machen sich Windgeräusche bemerkbar. Das ist in Ordnung, solange Sie kein Tickern, Quietschen, Klappern oder Scheppern hören. Beim Silver Shadow II hören Sie gelegentlich einen Stellmotor der Klimaanlage oder ein Relais, sonst herrscht (hoffentlich) wohltuende Stille.

Bis 1977 wurde eine extrem leichtgängige, fast schon gefühllose Servolenkung  verbaut. Die ist gewöhnungsbedürftig, aber nach kurzer Eingewöhnung nicht unangenehm. Ab dem Erscheinen des Shadow II wurde eine servounterstützte Zahnstangenlenkung eingebaut wie sie einem vertraut ist.

Der Tempomat sollte funktionieren, denn er unterstützt den Genuss des dahin Gleitens und den Eindruck des Zug fahrens (man sitzt drin und guckt raus, den Rest macht das Auto). 

Die Federung  macht einen Silver Shadow zur Landyacht. In Fahrbahnunebenheiten taucht er sanft wie ein Dreimaster ein, um sich dann lautlos wieder aus seinen Schraubenfedern und Hilfsrahmen zu erheben – vorausgesetzt, die hydropneumatische Niveauregulierung ist in Ordnung. Das auch als Whisky-Soda Federung bekannte System arbeitet mit Kugeln, deren eine Hälfte mit Gas, die andere Hälfte mit Öl gefüllt ist. Dazwischen ist eine Membrane. Wenn diese beschädigt ist, füllt sich die Kugel komplett mit Öl und dämpft nicht mehr. Die Federung ist dann hart und dies ist besonders auf den Rücksitzen spürbar. Wenn Ihnen also bei der Probefahrt der Sherry aus dem Glas schwappt, feuern Sie nicht Ihren Chauffeur, sondern lassen Sie die Federung überprüfen.

Die englische Elektrik

Wenn man bei einem Rolls-Royce Silver Shadow Elektrikprobleme hat, ist dies meist auf Missverständnisse zurückzuführen. Denn es gibt ein paar Dinge die man wissen muss. So schalten sich automatisch die Hauptscheinwerfer aus, wenn man die Nebellampen einschaltet. Damit wird die Reflektion des Scheinwerferlichts durch die Nebelwand erheblich reduziert und die Sicht verbessert. Die Fahrzeugbeleuchtung verfügt über einen zweiten Stromkreis, der bei eventuellem Ausfall eines Stromkreises verhindert, dass die Beleuchtung teilweise oder ganz ausfällt. Für Elektriker, die das nicht wissen, kann die Lichtanlage eines Silver Shadow daher zum ungeahnten Mysterium werden. Generell ist die Elektrik von Rolls-Royce gut und bereitet selten Probleme.
Die Servos der Klimaanlagen-Stellmotoren oder die Schalter der Zentralverriegelung können sich mal sträuben, was aber meistens auf eine altersbedingte, mechanische Schwergängigkeit zurückzuführen ist. Die alte Mechanikerweisheit “Schmieren und salben hilft allenthalben, hilft´s bei den Herren hilft´s auch bei den Kärren“ kommt hier voll zum tragen.

Markt und Preise

Das Angebot an guten Shadows in Deutschland ist nicht groß. Wer einen Guten hat ist glücklich und gibt ihn ungern her. Viele Angebote stehen bei Gebrauchtwagenhändlern, die ihr Angebot damit aufwerten und nebenbei Kasse machen wollen. Dabei handelt es sich meist um Rechtslenker der frühen Baujahre, weil die beim Einkauf in England am billigsten sind.
Gute Silver Shadow kosten in Deutschland als Linkslenker meist zwischen 25.000 - 35.000,- EUR und sind dann Silver Shadow II. Bentley sind preislich etwas darunter, aber seltener. Wer mit einem Rechtslenker leben kann, der wird nach sorgfältiger Auswahl, in England  preiswert fündig. Ein guter Shadow II mit Historie kostet dort etwa 13. - 17.000 £, ein Shadow I 10.-12.000 £. Da Euro und Pfund sich inzwischen stark angenähert haben und die Auswahl deutlich größer ist als hier zu Lande, ist die Insel wieder interessant.

Teileversorgung, Verfügbarkeit von Informationen

Nach der Aufspaltung von Rolls-Royce, das an BMW ging (Schmerz!) und Bentley das von Volkswagen übernommen wurde (großer Schmerz!) wurde Crewe Genuine Parts gegründet. Insbesondere die europäischen Clubs arbeiten eng mit dem Crewe Genuine Parts Heritage Management zusammen, um eine gute und hochwertige Teileversorgung für die klassischen Rolls-Royce und Bentley Modelle zu erhalten und zu fördern. Mehrere zehntausend Teile sollen dort kurzfristig verfügbar sein. Im Internet gibt es eine Fülle von Anbietern, die sich in England und USA ebenfalls auf den Versand von Teilen spezialisiert haben. Allerdings ist deren Qualität höchst unterschiedlich. So kann es ohne weiteres passieren, dass man einen Klimakompressor erhält, der aus einem ausgeschlachteten Shadow stammt und nur mattschwarz angesprüht wurde, ohne dass irgendeine Überholung stattgefunden hat.

Fazit

Ein Rolls-Royce war und ist purer Luxus. Der Erhalt seiner Qualitäten erfordert Pflege und qualifizierten, regelmäßigen Service. Allerdings macht der Aufwand nur Sinn, wenn man seine Werte zu schätzen weiß. Ein feingeistiger Mensch wird in keinem anderen Auto so glücklich werden wie in einem guten Silver Shadow. Alle anderen sollten besser eine Mercedes S-Klasse der W 126-Baureihe wählen.

Hilfreiche Adressen im Internet


Deutschsprachige Rolls-Royce Clubs

www.rrec.ch

www.rrec.de

www.rrec.at

Ersatzteile für Rolls-Royce und Bentley


www.crewegenuineparts.com

Aktive Kaufberatung und Begleitung


www.oldie-check.de