Kaufberatung Porsche 928 ( 1977 - 1995 )

Kaufberatung Porsche 928 ( 1977 - 1995 )


Kaufberatung

Was für ein wundervoller Porsche! Er hat den Motor am richtigen Fleck, sieht großartig aus und fährt sogar noch besser. Wer sich für den 928 begeistert, zeigt Geschmack und Stil. Wer einen kauft, zeigt Leidensfähigkeit: Der 928 kann seinem Besitzer Schmerzen bereiten wie wenige andere Autos. Trotzdem kann man glücklich werden mit so einem Auto - wenn man einige Dinge beherzigt.

Er sollte den 911 ablösen und schaffte es nicht. Oft genug wurde das Lied vom Kronprinzen gesungen, der alt wurde und trotzdem vor dem Regenten abtrat; von den Wellen, die er 1977 schlug, als man ihn der Öffentlichkeit vorstellte, von Lob und Preisen, mit denen man ihn überhäufte … und von der Kundschaft, die nichts von ihm wissen wollte.

Trüge er nicht das Württemberger Wappen auf der Motorhaube, sondern den dreigezackten Stern – er wäre ein donnernder Erfolg geworden. Als Porsche jedoch haftete ihm der Makel grauer Schläfen an: Man sah ihn als Sänfte für schnelle Herren fortgeschrittenen Alters, die ihre zweite Blüte erlebten. Das konnte nicht angehen, einen echten Porsche fahren nur Menschen in ihrer ersten Blüte (egal wie alt sie sind).

Ein erwachsener Porsche – wer will denn sowas?

Dabei war der 928 porscheseitig der ernsthafte Versuch, ein erwachsenes Auto zu bringen. Man wollte als Hersteller an der Entwicklung teilhaben, die die Kundschaft machte, also all jenen Herrschaften ein vorzügliches Auto zur Verfügung stellen, die sich in den Fünfzigern als Jünglinge einen Porsche gekauft hatten und inzwischen nicht mehr ganz so unbedingten Wert auf unverstellte Sportlichkeit legten. Doch wer wollte schon öffentlich zur Schau stellen, dass bei ihm das Feuer der frühen Jahre erloschen sei?

Dabei kann von fehlendem Feuer keine Rede sein: Die frühen Exemplare haben 240 PS, 1977 eine fette Ansage. Im Lauf der Zeit wuchs der Motor auf 5,4 Liter und 350 PS; dazu gibt es ABS ab 1983, ein elektronisch gesteuertes Sperrdifferential (ab 1989) und andere schöne Dinge. Die frühen Jahrgänge haben die wundervollen Wählscheiben-Räder, die nur am 928 gut aussehen; jeder 928 besitzt diese großartigen Klappscheinwerfer und natürlich das wundervolle Karosseriedesign.

Die traditionelle Klientel mochte ihn zwar nicht, trotzdem wurde der 928 enorm langlebig: 18 Jahre lang rollte er vom Band – bei einer Gesamtstückzahl von rund 65.000 kann man sich vorstellen, wie gemütlich dieses Band lief. Sein langes Verweilen im Porsche-Programm verdankte der 928 der Tatsache, dass er von Anfang bis Ende ein hervorragendes Auto war: Er ist unglaublich gut verarbeitet; er bietet ein eigenwilliges Interieur (besonders die psychedelischen Karomuster der frühen Jahrgänge sind grenzgenial), das trotzdem deutlich mehr Porsche-Flair bietet als die Kabinen von 924 und Co; er fährt großartig (vorausgesetzt man legt Wert auf gediegenes Reisen); er sieht besonders in der Urform (bis 1986) großartig aus; er bietet die gewaltige Geräuschkulisse, die man von der Optik erwartet.

Als Neuwagen einsame Spitze

An dieser Stelle müssen wir allerdings präzisieren: Ein Porsche 928 war ein hervorragendes Auto, als der Erstbesitzer die Schlüssel entgegennahm. Ein 928 kostete 1977 soviel wie fünf VW Golf in mittlerer Ausstattung (wenn der letzte Jahrgang 1995 nur das Dreifache eines Golfs kostete, dann lag das am Golf, nicht am Porsche). Wie alle Autos der gehobenen Luxusstufe brauchte es aber nicht nur ein dickes Portemonnaie zur Anschaffung, sondern auch zur Wartung. Damit sind wir beim zentralen Thema.

Die meisten Luxuswagen bekommen eine satte Portion Komplexität auf den Weg: Komfort- und Sicherheitseinrichtungen, Anlagen zur Erhöhung der Leistung, zur Abschirmung, Klimatisierung und Unterhaltung der Insassen, gern auch etwas Schnickschnack. All dies bringt erhöhte technische Komplexität, die wiederum hochkompetente Wartung verlangt. Und die ist teuer.

Sobald ein teures Auto zum ersten Mal als Gebrauchtwagen zu Verkauf steht, sinkt sein Preis, denn Interessenten werden die Wartungskosten auf den Preis anrechnen … und schon dreht sich diese Spirale, die viele Autos wie den 928 in den Abgrund zieht: Da der Preis vergleichsweise niedrig ist, interessieren sich auch weniger Betuchte für das Auto: "Ein Oberklasse-GT zum Preis eines Ford Fiesta!" Manch einer sieht nur den Kaufpreis, mobilisiert für die Anschaffung alle Reserven, und die fehlen dann bei der Wartung, was Schäden nach sich zieht, die den Wert weiter abstürzen lassen … es ist ein Trauerspiel, und wahrscheinlich wird es niemals enden, solange es fossile Brennstoffe gibt.

"Habe ich das Geld für einen 928?"

Heute bevölkern 928 aller Baujahre und Preisklassen die Angebotsseiten, und man kann es niemandem verübeln, der ein bisschen in Versuchung gerät – im Gegenteil! Wer sich aber ernsthaft mit dem Gedanken an einen 928-Kauf trägt, der sollte sich eine grundlegende Frage beantworten, und zwar in aller Ehrlichkeit: Habe ich das Geld für das Auto?

Hier geht’s weniger um den Kaufpreis, wie Jochen Ehrhardt sagt, einer der wenigen Spezialisten für den 928, die noch aktiv sind. Ehrhardt betreibt die Firma Landsharks, für viele entnervte 928-Besitzer die letzte Rettung: "In so ziemlich jedes Auto, das zu uns kommt, wandern von vorneherein fünf- bis sechstausend Euro. Dabei ist es eigentlich egal, wie alt oder wie teuer in der Anschaffung die Autos sind, diese Grundinvestition ist immer fällig."

Das ist erstaunlich. Normalerweise geht man davon aus, dass das teurere Auto der bessere Kauf ist – was beim 928 aber nur in beschränktem Maß gilt. Jochen Erhardt nennt die Ursache: "Leider gibt es außer uns und dem Spezialisten Manfred Krämer niemanden mehr, der sich wirklich mit dem 928 auskennt.

Selbst bei Porsche-Zentren hat man so gut wie keine Aussicht mehr auf fachgerechte Wartung, denen fehlt seit ungefähr zehn Jahren das Personal, das sich mit dem 928 in angemessenem Umfang auskennt. Wir stellen das immer wieder fest, selbst bei Autos, die regelmäßig bei Porsche-Zentren gewartet wurden. Insofern ist auch ein komplett ausgefülltes Serviceheft keine Garantie für guten Zustand. Eigentlich hat jedes Auto irgendwelche Schäden ausgebildet, die wir beheben müssen, um es wieder in Schuss zu bekommen."

Das Böse der Banalität

Jochen Erhardts Landsharks befassen sich seit mehr als zehn Jahren ausschließlich mit dem 928, dort kennt man das Auto in all seinen Tücken. Jawohl, der 928 kann tückisch sein. Oder genauer: Er verzeiht es nicht, wenn man nicht genau auf ihn aufpasst. Damit ist nicht gemeint, dass man ihn in Watte packt und möglichst wenig fährt, im Gegenteil – er muss regelmäßig bewegt werden, sonst entwickelt er Schäden.

Aufpassen muss man auf ganz alltägliche, fast banale Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind: regelmäßige Ölwechsel, Zündanlagen frisch halten, Luftfilter wechseln. Ein 928 ist kein Renault, der immer wieder anspringt und weiterfährt, egal wie arg man ihn vernachlässigt. Bei Vernachlässigung bildet der 928 Folgeschäden aus, und dann wird’s teuer, wie Jochen Erhardt weiß: "Wenn man die Zündkerzen zu lange nicht wechselt, verändert sich das Verbrennungsverhalten bis hin zum Kolbenbrenner. Wenn man den Treibstofffilter zu lange nicht wechselt, läuft der Motor zu mager und wird zu heiß, das kann die Kolben oder die Zylinderkopfdichtungen zerstören. Wer nicht in guten Kühlerfrostschutz investiert, riskiert seine Zylinderkopfdichtungen."

Eine kleine Schlamperei kann eine ganze Kaskade von Unheil auslösen. In der Reparatur solcher Kaskaden stecken die ersten Tausender, die die Landsharks für eine Überholung berechnen – natürlich kann noch viel mehr hinterher kommen, so dass ein Schnäppchen-928 am Ende problemlos das Investitionsniveau eines deutlich teureren Exemplars erreichen kann. Ein Motortausch beispielsweise reißt richtig große Löcher ins Budget.

Der fiese Zahnriemen

Dann ist da noch der Zahnriemen. Beide Zylinderbänke werden vom selben Zahnriemen gesteuert, der deshalb sehr lang ausfällt und überdurch- schnittlichen Belastungen ausgesetzt ist, besonders bei den späteren dohc-Motoren. Zahnriemen müssen grundsätzlich rechtzeitig gewechselt werden, bei allen Motoren aller Fabrikate, sonst riskiert der Besitzer sehr teure Motorschäden. Ein Zahnriemenwechsel ist auch bei einfacheren Motoren nur bedingt für Anfänger zu empfehlen, allzu leicht kann was schiefgehen.

Der Porschemotor M28 zählt nicht zu den einfachen Motoren, auch in der frühen ohc-Ausführung nicht. Wer sich einen Zahnriemenwechsel zutraut, sollte technisch sehr versiert sein, dazu das Werkstatthandbuch parat haben (das man immerhin beim nächsten Porsche-Zentrum erwerben kann). Außerdem sollte er nicht an Ersatzteilen sparen: "Wir wechseln mit dem Zahnriemen gleich die wesentlichen Verschleißteile. Dazu zählen die Spannrolle, die Nebenrollen, am besten auch die Nockenräder, auf jeden Fall aber die Wasserpumpe. Wir bekommen einen Wechsel inzwischen in vier bis sechs Stunden hin, aber ein Hobbyschrauber sollte mindestens einen vollen Tag kalkulieren. Die Kosten für einen Wechsel bei uns geht bei 900 Euro los, können aber auf bis zu 1300 Euro steigen, je nach Teilebedarf", sagt Jochen Erhardt.

Vorsicht vor Überforderung

Hier sind wir also wieder bei der Hauptfrage zum 928: Können Sie sich das Auto leisten? Selbst mit allen Wassern gewaschene Schrauber stoßen bei diesem Porsche an ihre Grenzen: "Der 928 ist der komplizierteste Porsche, den ich kenne, von den ganz neuen abgesehen. Ich muss leider sagen, dass die meisten Privatschrauber von dem Auto überfordert sind. Schraubereien gehen meistens nach hinten los, Reparaturen richten oft mehr Schaden an als sie beseitigen. Das ist hart, aber wir sehen solche Folgeschäden von unbeholfenen Reparaturversuchen jeden Tag."

Was dem 928-Besitzer wenig Kopfzerbrechen bereiten wird, ist die Teileversorgung. Verschleißteile sind durchgängig verfügbar, ebenso Karosserie- und Fahrwerksteile. Man sollte halt keine Discountpreise erwarten. Wo es ein bisschen zwicken kann, ist bei bestimmten Interieur-Teilen: Manche Farben und Kleinteile findet man nur noch in Schlachtautos.

Karosserie

Von den Grundlagen her ist der 928 nicht sehr rostgefährdet: Der Aufbau besteht aus einem verzinkten Stahlskelett, das mit Aluminium- und Kunststoff- elementen verkleidet ist. Trotzdem kann sich Kontakt- korrosion ausbreiten und die Stahlelemente gefährlich anfressen, und zwar an denselben Stellen, die bei gewöhnlichen Karosserien befallen werden: Schweller, Stehbleche im Motorraum, A-Säulen-Basis, Scheibenumrandungen, Radhäuser, Batteriekasten. Grundsätzlich sollte man keinen 928 kaufen, den man nicht genau von unten betrachtet hat – ohne Hebebühne also kein Kauf.

Man prüfe den Zustand des Bordwerkzeugs (auf einer Konsole im Heckabschluss untergebracht): Wenn das Werkzeug Rost angesetzt hat, ist mit Sicherheit die Heckklappendichtung undicht. Dann muss man sämtliche Teppiche im Kofferraum anheben und nach Roststellen fahnden. Ein weiterer Hinweis auf Wassereinbruch an der Heckklappe ist Wellenschlag an der Hinterkante des Dachhimmels. Sind Scheibenwischer und Scheinwerferheber schwergängig? Dann sind die Gestänge nicht gefettet worden, möglicherweise sind die Antriebsmotoren bereits in Mitleidenschaft gezogen und müssen getauscht werden.

Ein Schwachpunkt aller 928 ist die Zentral- verriegelung, die unterdruck- gesteuert ist. Nach einigen Wochen Standzeit ist das Reservoir erschöpft, wenn der Wagen aber angelassen wird, sollte das System nach wenigen Minuten knackig funktionieren. Falls nicht – und das kann oft der Fall sein – ist das kein Beinbruch, alle drei Schlösser funktionieren auf jeden Fall mit dem Schlüssel, aber ein Grund für Preisabzüge. Die Reparatur der Unterdruckanlage ist sehr aufwendig und mühsam.

Motor, Antrieb und Fahrwerk

Der 928 ist ein Transaxle-Porsche. Getriebe und Differential sind also im selben Gehäuse an der Hinterachse untergebracht. Dies sorgt für eine perfekte Gewichtsverteilung. Überhaupt ist das Fahrwerk recht aufwendig: Doppelquerlenker rundum, hinten dazu Längsschubstreben, Stabilisatoren sowieso. All diese schönen Dinge bringen jede Menge Lager und Buchsen mit sich, die allesamt ausschlagen können.

Lange Standzeiten sind generell fatal. Die Bosch-Einspritzung kann verharzen, Bremssättel gehen fest, Bremsschläuche quellen zu – das tun sie übrigens in jedem Fall, also auch im Betrieb, und zwar bösartigerweise solcherart, dass man es von außen nicht sieht. Jeder 928 sollte also spätestens nach fünf Jahren frische Bremsschläuche bekommen.

Allgemein achte man auf Spuren von Vernachlässigung: Klopfgeräusche, Wassereinschlüsse im Motoröl, Ölspuren in der Kühlflüssigkeit – auf jeden Fall sollte man den Luftfilterkasten öffnen und die Elektroden von zwei oder drei Zündkerzen auf das Brennbild prüfen. Brüchige Zündkabel sind ebenso ein Alarmzeichen wie ein leckender Wasserkühler und müde Manschetten an Antriebswellen und Lenkung.

Bei der Probefahrt achte man auf unrunden Motorlauf, auf Leistungslücken und auf Vibrationen von der Transaxle-Welle. All dies sind Warnzeichen für kostspielige Schäden.

Finger weg vom 928?

Doch Vorsicht! Keine der üblichen Lockmittel für einen Gebrauchtwagen sind beim 928 wirklich Vorzüge: Weder eine Herkunft aus erster oder zweiter Hand noch niedrige Laufleistungen. Treue Pflege nach Scheckheft ist auch nur sehr bedingt aussagekräftig, wohingegen Modifikationen jeder Art das betreffende Auto auf der Stelle disqualifizieren. Natürlich kann man Glück haben mit einem leidlich erhaltenen Exemplar für 6000 Euro, das dann nur Investitionen in Höhe des Kaufpreises braucht, um wieder gut auf der Straße zu stehen. Genauso wahrscheinlich ist es aber, dass man Pech hat und bis zum Ende das Vierfache des Kaufpreises aufbringen muss …

Der Porsche 928 ist ein wirklich großartiges Auto, eins der besten, die Zuffenhausen hervorbrachte. Wenn er gut in Schuss ist, kann er seinen Besitzer glücklich machen, jeden Tag, viele Jahre lang. Aber er ist kein Auto, das man aus einem Impuls heraus kauft.

Spezialisten für den Porsche 928:

Landsharks

Löhstraße 15
27619 Geestenseth
04749 - 8427
info@landsharks.de
www.landsharks.de

Fa.

Krämer

Ziegelstr. 65
88267 Vogt im Allgäu
07529 911996
www.amak.de

nfo@amak.de

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