Kaufberatung Opel Kadett B ( 1965 - 1973 )

Kaufberatung Opel Kadett B ( 1965 - 1973 )

Opel landete mit dem Kadett B einen echten Hit. Doch wie steht es heute um den Käfer-Herausforderer, den die Rüsselsheimer einst mit dem Werbespruch "Kurz gesagt O.K." bewarben? Diese Frage klärt die Carsablanca-Kaufberatung.

Mit einer Anzahl von mehr als 2,6 Millionen Exemplaren, gebaut in rund acht Jahren, zählt der Opel Kadett B zu den typischen Großserienfahrzeugen. Dennoch ist er im täglichen Verkehrsbild heute ein seltener Anblick. Ob sich der Erwerb lohnt, verrät diese Kaufberatung.
Im Herbst 1965 trat der Kadett B an, die Erfolgsgeschichte seines Vorgängermodells zu wiederholen – und sie, wie wir inzwischen wissen, sogar weit in den Schatten zu stellen. Gegenüber dem nur drei Jahre produzierten Vorgänger hatte der Käfer-Konkurrent aus Bochum eine deutlich gewachsene Karosserie zu bieten. Außerdem waren Fahrwerk und Bremsen verbessert worden. Fans dieser Baureihe unterteilen sie in Bis- und Ab-Modelle. Gemeint ist damit die Fahrgestellnummer 1234068, das erste Exemplar, das nach den Werksferien 1967 in Bochum vom Band lief. Äußerlich sind diese Fahrzeuge an den größeren Rückleuchten erkennbar. De facto aber waren die Veränderungen vielfältig: geschraubte statt bis dato verschweißte Vorderkotflügel (den Schrauber freut’s!), geänderte Vorderachse, kleinerer Kühler mit Fünfblattlüfter. Außerdem besaß die Hinterachse fortan Schraubenfedern und einen Panhardstab an Stelle der Blattfedern. Armaturenbrett und Ausstattung wurden modifiziert, und es gab stärkere Motoren: Das Topmodell Rallye Coupé wartete gar mit dem 1,9 Liter Motor aus dem Rekord C auf und leistete 90 PS. Vom Cabrio, das die Firma Deutsch in Köln fertigte, entstanden nur einige wenige Exemplare.

Karosserie

Wie bei den meisten Fahrzeugen der 60er und 70er Jahre, ist auch beim B-Kadett einer der größten Feinde der Rost. An der Frontmaske beginnend, sollte der Interessent die Knotenbleche zu den Frontkotflügeln hin begutachten. Letztere wiederum faulen gern um die Lampentöpfe herum sowie an den Unterkanten Richtung A-Säule. Um Platz für die größeren Motoren zu schaffen, haben die Vorderbauten der Versionen mit 1,7 und 1,9 Litern Hubraum einen Einschnitt für den nach vorn versetzten Kühler. Die so veränderten Kadett-Fronten sind häufiger vom Gilb befallen als die der kleineren Versionen, weshalb sie besonders kritisch begutachtet werden sollten. Unterhalb der Frontblinker, im Bereich des Übergangs zum unteren Luftleitblech, nistet ebenfalls gern der Gilb.
Bei verschraubten Kotflügeln gammeln die Bereiche um die Befestigungslöcher, die geschweißten Exemplare faulen hingegen meist auf ganzer Länge an den Befestigungskanten. Im Radhaus gelten die Stoßdämpferdome sowie der vordere Längsträger zur A-Säule hin als gefährdet. Die anschließenden Schweller haben unterhalb der B-Säule eine Sicke. Fehlt sie, wurde hier bereits repariert oder das Grauen mit Spachtel übergekleistert. Die Schwellerenden gelten gleichfalls als neuralgische Punkte, und auch die Radläufe verdienen besondere Aufmerksamkeit: Hier liegen zwei Bleche übereinander (diesen Mist haben sie in Bochum bis zum Astra F fortgesetzt!). Wenn innen zum Radhaus hin Verdickungen zu ertasten sind, nistet dazwischen die braune Pest. Sind Roststellen schon von außen erkennbar, wartet einiges an Arbeit!

Die Endspitzen gehören zu den üblichen Verdächtigen, ebenso wie die im Kofferraum erkennbaren Längsträger. Das Heckabschlussblech brütet gern Kantenrost aus, der sich übrigens auch bei den Hauben von Motor- und Kofferraum gern bildet.
Bei den Türen verdienen die Böden einen kritischen Blick, außerdem die Chromeinfassungen der Fenster und das von ihnen verdeckten Blech; letzteres auch an den hinteren Seitenfenstern. Türen sind inzwischen teure Ersatzteile, ebenso wie Kotflügel. Lässt sich das Seitenfenster in der Tür problemlos hinauf und hinunter kurbeln? Wenn nicht, ist vermutlich der Seilzug ziemlich von der Rolle.

Interieur

Im Innenraum ist auf Vollständigkeit zu achten. Vor allem die Zusatzinstrumente der Sport- und Rallye-Versionen sind gesucht. Etliche Türverkleidungen weisen leider Löcher auf, die unbedarfte HiFi-Fans hineingesägt haben. Vor allem die Stoffe der Sitzauflagen an den Vordersitzen werden mit den Jahren dünn, und die Oberkanten der Rückbänke verspröden durch die Sonneneinstrahlung. Das Gestühl der Standardversionen ist noch in ausreichendem Maße gebraucht verfügbar. Die umlegbare Rückbank des Caravan ist naturgemäß wesentlich schwieriger aufzutreiben, und auch die luxuriöser bepolsterten Sitze der Edelversion „Olympia“ sind rar. Ein funktionierendes Schiebedach ist ein Glücksfall, denn Ersatz für die Mechanik ist schwer aufzutreiben. Stockflecken am Himmel hinter der Sonnenluke lassen darüber hinaus auf einen durchgegammelten Dachkasten schließen.

Antrieb und Mechanik

Ein Großteil der Kadett B Modelle ist mit Motoren von 1,1 und 1,2 Litern Hubraum ausgeliefert worden. Diese Triebwerke, die zwischen 45 und 60 PS leisten, sind als echte Dauerläufer bekannt. Werden sie entsprechend behandelt, sind Laufleistungen von 200.000 Kilometern und mehr möglich. Ölundichtigkeiten oder nachlassende Ventilschaftdichtungen sind einige der wenigen Schwachpunkte. Dabei weisen letztere in der Regel auf hohe Laufleistungen hin, ebenso wie rasselnde Steuerketten.
Die leistungsstärkeren Versionen sind anfälliger: Sie kranken häufiger an thermischen Problemen oder haben Schwierigkeiten mit der Startautomatik. Die SR-Modelle mit ihren zwei Vergasern sind darüber hinaus für ausgeschlagene Gasgestänge berüchtigt. Die 75 und 90 PS Varianten fallen darüber hinaus mit Problemen an der Hinterachse (Ölverlust und ausgeschlagene Krenzgelenke) sowie an Getriebe und Differential negativ auf. An der Vorderachse bedürfen die Spurstangenköpfe der Begutachtung: Sind sie ausgeschlagen oder die Gummimanschetten rissig? Fahrzeuge mit vorderen Scheibenbremsen kranken oft an schwergängigen oder fest sitzenden Bremssätteln, vor allem nach längerer Standzeit. An den hinteren Trommelbremsen neigen lediglich die Handbremsseile zum Festrosten, was zu einseitiger Handbremsleistung führt.
Die Lichtmaschine speziell der kleineren Modelle ist nicht eben üppig dimensioniert. Von der zusätzlichen Installation vieler Verbraucher ist beim originalen Kraftwerk also abzuraten. Ansonsten spinnt des Öfteren die Tankuhr, was auf einen Defekt am Spannungs-Konstanthalter hindeutet. Von möglichen altersbedingten Masseproblemen abgesehen, ist die elektrische Anlage – die von Anfang an auf 12 Volt ausgelegt war – aber recht problemlos.

Markt und Teile

Die Ersatzteilsituation ist für ein Fahrzeug, von dem eine dermaßen große Stückzahl gefertigt wurde, recht bescheiden. Technikteile sind oft noch recht günstig zu bekommen, doch bei Blechteilen wie Türen und Kotflügel herrscht Mangel, und Heckbleche für die „Bis“-Serie oder Seitenteile für den – womöglich fünftürigen – Caravan sind normalerweise weder für Geld noch für gute Worte aufzutreiben. Die Zeiten, wo man sich auf Schrottplätzen mit Kadett B-Teilen eindecken oder für kleines Geld mühelos einen Teilespender an Land ziehen konnte, sind ebenfalls seit einigen Jahren vorbei. Exemplare, bei denen das Fleddern lohnt, kosten inzwischen oft bereits mehrere 100 Euro, und fahrbereite Exemplare mit Rest-TÜV beginnen bei etwa 2.000 Euro. Allerdings bleiben selbst erstklassig erhaltene Leichtmatrosen in seltenen Ausführungen wie Kiemen-Coupés oder Kombis normalerweise deutlich im vierstelligen Bereich.

Interessante Internet-Adressen

Opel Kadett B im Carsablanca-Lexikon

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