Kaufberatung Lotus Excel (1982 - 1992)

Kaufberatung Lotus Excel (1982 - 1992)


Kaufberatung

Schon allein das Design ist ein Mode-Statement. Der Hintern einfach nur ein Traum. Ein 180 PS-Motor, der das Auto in nur 7,1 Sekunden von Null auf Hundert katapultiert. Im Innenraum: Platz für vier Passagiere. Hübsch etikettiert ist der Wagen obendrein, das Lotus-Logo ein Beleg für seine Verwurzelung im Rennsport. Hier sitzt die Formel 1-Legende immer auf dem Beifahrersitz. Das ganze für unter 10000 Euro? Kann nicht sein.

Bei der Marke Lotus denken die Menschen sofort an James Bond, „Der Spion der mich liebte“. Sehen vor ihrem geistigen Auge, wie sich weißer Lotus Esprit in ein U-Boot verwandelt und verbannen die Vorstellung, jemals selber einen Lotus zu besitzen, ins Reich der Fiktion. Kein Wunder bei dem Preis von rund 20.000 Euro, der für einen Esprit in gut erhaltenem Zustand zu bezahlen ist.

Dabei ist Lotus-Besitzen doch so einfach. Man muss nur den Blick vom prominenten Schauspieler, dem Esprit, zu den kleinen Brüdern abseits des Rampenlichts schweifen lassen, zum Beispiel dem Lotus Excel. Rund 10000 Euro sind für ein gutes, linksgelenktes Exemplar in Deutschland fällig. „Wer sich vor Rechtslenkern nicht fürchtet, zahlt in England sogar deutlich weniger, in der Regel zwei Drittel dessen, was ein vergleichbarer Linkslenker kostet“, weiß Hugo Schneider vom Lotus Club Deutschland.

Nicht viel Geld, wenn man bedenkt, dass im auch im Excel jene Philosophie vom Sportwagenbau steckt, die Lotus berühmt gemacht hat: verhältnismäßig kleine, drehfreudige Motoren, gepaart mit geringem Fahrzeuggewicht, ergeben puren Fahrspaß. So trägt der Excel wie auch der Esprit ein Kleid aus Glasfaserverbundstoff, der 2,2 Liter große, ebenfalls aus dem Esprit bekannte Reihenvierzylinder setzt 160 bzw. 180 (Excel SE) PS frei.

Da staunt die Welt: ein zuverlässiger Lotus 

Zumal man diese Philospohie im Excel auch weitgehend ungetrübt technischer Malessen genießen kann. Denn der Stahlrohrrahmen des Excel ist, anders als bei den Vorgängern Elite und Eclat, vollverzinkt. Zudem stammt der Excel aus einer Zeit, in der Lotus bereits mit Toyota kooperierte und wichtige technische Komponenten des Excel vom japanischen Großserienhersteller übernahm: das Fünfganggetriebe und das Differential stammen aus dem Toyota Supra.

„Der Excel ist ein grundsolides, zuverlässiges Auto, wahrscheinlich der zuverlässigste Lotus, der je gebaut wurde“ bestätigt Hugo Schneider, schränkt aber auch ein: „Vernünftige Wartung vorausgesetzt.“ Denn natürlich ist auch der Excel nicht ohne Schwächen, vor allem die typische Lotus-Krankheit, die Elektrik, bedarf penibler Wartung. Alle elektrischen Verbindungen sollten regelmäßig auf Korrodierung geprüft werden, genaue Kontrolle erfordert auch der Zahnriemen, die Flüssigkeiten sollten ebenfalls regelmäßig gewechselt worden sein.

Vorsicht, Schnäppchen! 

Vor diesem Hintergrund rät Schneider deswegen auch von vermeintlichen Schnäppchen ab, wie es sie in England, wo der Markt deutlich größer ist als hier in Deutschland, immer wieder gibt. Bereits für 2000 britische Pfund kann man dort einen mittelmäßig gepflegten Excel mit nach Hause nehmen, die Vorgängermodelle Eclat und Elite bringen auf ebay.co.uk oft nur wenige hundert Pfund.„Ich würde aber heute nur noch Fahrzeuge mit dokumentierter Wartungshistorie kaufen. In der Regel wird das beim Kauf gesparte Geld später doppelt und dreifach in Reparaturen investiert“, so Schneider.

Das Modell „Schnäppchen“ eignet sich also höchstens für handwerklich Begabte, für die vor den Fahrspaß unbedingt das Handanlegen gehört. Wer nur genießen, nicht arbeiten will, sucht lieber länger. A propos genießen: Der Excel ist nicht unkomfortabel, im Gegenteil: üppige Polster, Servolenkung, Zentralverriegelung, Klimaanlage, nicht selten auch ein Tempomat als Ausstattung – in gewisser Hinsicht bricht Lotus mit dem Excel seine Tradition der ultraleichten, aber auch spartanischen Sportwagen.

König der Landstrasse 

Doch trotz der vergleichsweise üppigen Ausstattung: Auch der Excel ist eine Fahrmaschine. Das aus dem Rennsport abgeleitete Fahrwerk ist in weiten Teilen identisch mit dem des Esprit und es giert nach Kurven. Die Landstraße ist die Flaniermeile des Excel. Dort kann der Vierzylinder im wahrsten Sinne des Wortes aufdrehen und nicht nur in Hinsicht auf die Leistung sondern auch auf die Geräuschkulisse jene Zurückhaltung fahren lassen, die ihm innenstadtkompatible Drehzahlen auferlegen. Spätestens in diesem Moment wird klar, dass all der Luxus des Excel dessen Herkunft nicht verbergen kann: Er ist ein Lotus.

„Für mich ist der Excel deswegen die perfekte Kombination. In Sachen Fahrleistungen kann er sich durchaus mit modernen Autos messen. Gleichzeitig ist er aber ein absoluter Exot – nur wirklich eingefleischte Lotus-Fans kennen den Wagen. Und mit seinen vier Sitzplätzen ist er absolut alltagstauglich, ein Wochenendurlaub mit der Familie und dem Excel überhaupt kein Problem.“

Kein Wunder also, dass Schneider bei so viel Pluspunkten keinerlei Schwierigkeiten hat, sein Hobbyauto auch der Ehefrau zu vermitteln. „Im Gegenteil“ so Schneider, „die fährt selbst einen“.