Die Carsablanca-Kaufberatung

Die Carsablanca-Kaufberatung


Allgemeine Kaufberatung

In den Carsablanca-Typ-Kaufberatungen versuchen wir, möglichst tief ins Detail eines spezifischen Autotyps zu gehen. Nun gibt es Bereiche, die bei vielen Autos ähnlich sind: So muss man eigentlich immer die Schweller und Radläufe kontrollieren. Um diese allgemeingültigen Zonen nicht in jeder Typ-Kaufberatung erneut abzuhandeln, haben wir sie hier gesammelt.

Wissen und Unterstützung 

Bevor man mit einem dicken Bündel Scheine loszieht, sollte man sich möglichst intensiv mit dem Autotyp seiner Träume vertraut machen. Dazu empfiehlt es sich, mit den Markenclubs Kontakt aufzunehmen und ein Netzwerk zu knüpfen, etwa hier auf Carsablanca über Tips&Tricks. Dort findet man auch einen Kenner der Materie, der einen beim Kauf begleitet.

Generell gilt der Originalzustand als erstrebenswerter als eine Restaurierung: Wenn ein Auto noch den Erstlack trägt und die ursprünglichen Werksteile installiert sind, darf es leichte Spuren der Jahre zeigen und wird in der Bewertung neben einer perfekt ausgeführten Restaurierung bestehen.

Es gibt Bereiche, die bei vielen Autos ähnlich sind: So muss man eigentlich immer die Schweller und Radläufe kontrollieren. Um diese allgemeingültigen Zonen nicht in jeder Typ-Kaufberatung erneut abzuhandeln, haben wir sie hier gesammelt. Wer ein Auto im Ausland kauft, findet hier umfassende Informationen.

Wer einen Oldtimer kauft, sollte also auf Folgendes achten:

Blechschäden und Korrosion

Das ist immer die erste Prüfung: Wie gut ist die Karosserie beieinander? Dazu braucht man vor allem gutes Licht – dunkle Garagen oder schwach beleuchtete Straßenecken sind ganz schlechte Orte für einen Autokauf. Wenn der Käufer sich weigert, brauchbares Licht zur Verfügung zu stellen, hat er möglicherweise was zu verbergen.

Weitere Instrumente: ein scharfes Auge, ein kleiner Magnetprüfstab (gibt’s auf Märkten und Messen), ein Hammer oder Schraubenzieher.

Die Blickprüfung: Man suche die offenliegenden Bereiche der Karosserie nach Pusteln, Aufblühungen und Unregelmäßigkeiten ab. Oft blüht der Rost unter dem Lack, was besonders bei dunklen Lacken nicht leicht zu entdecken ist. Ein Blick in spitzem Winkel über eine Blechfläche (Flanke, Türen, Hauben, Dach) zeigt Verwerfungen im Blech, die auf Unfallschäden oder Spachteleien hinweisen. Wenn die Spaltmaße unregelmäßig sind, Karosserielinien an Heck oder Front leicht abknicken, kann dies auf einen strukturellen Schaden hinweisen: Die Karosserie kann nach einem Unfall schlecht gerichtet worden sein.

Interieur und Dichtungen 

Dann folgt ein Blick ins Wageninnere. Sind die Scheiben von innen beschlagen? Riecht es muffig? Man hebe Teppiche und Matten im vorderen Fußraum an. Wenns hier feucht ist, könnte die Windschutzscheibendichtung mürbe sein, dann sieht es unter dem Armaturenbrett möglicherweise schlimmer aus als im Fußraum.

Nun prüfe man folgende Bereiche: Scheibenumrandungen (wenn die Dichtungen porös sind, besteht die Gefahr, dass Wasser eingedrungen ist und die Scheibenumrandung von unten durchrostet), Türunterkanten (innen und außen), Radläufe, Endspitzen (der Bereich zwischen den hinteren Radhäusern und dem Heckabschluss), Radhäuser, Stehwände im Motorraum mit Auflagen der Kotflügel, der Batteriekasten, A-Säulen (bei geöffneter Tür), Frontschürzen, Kanten von Motor- und Kofferhaube, Umrandung von Schiebedächern und natürlich die Schweller samt Wagenheberaufnahmen und Übergängen zum Radhaus.

Wie siehts untenrum aus? 

Es ist sinnvoll, ein Auto von unten zu betrachten. Wenn keine Hebebühne verfügbar ist, sollte man das Auto mit einem Rangierwagenheber aufbocken. Wenn die Sichtprüfung nichts Auffälliges ergibt, klopft man mit dem Hammer Schweller, Traversen und Holme ab. Es sollte überall gleich klingen. Manche Autos haben einen ausgezeichneten Unterbodenschutz, Mercedes-Benz der Achtziger zum Beispiel. Der Unterbodenschutz ist dermaßen gut, dass er schwere Schäden verbirgt   - wenn an einer kleinen Bruchstelle der Dichtmasse Feuchtigkeit eindringt, wuchert der Rost bösartig im Verborgenen.

Im Zweifel kommt der Schraubenzieher dran: Ein kräftiger Stoß wird zeigen, wie gesund das Blech unterm Unterbodenschutz wirklich ist. Wenn der Besitzer protestiert, bedenke man: Der nächste TÜV-Prüfer hat auch einen Schraubenzieher und wird sich nicht vom Zustechen abbringen lassen. Und gesundem Blech macht der Stich mit dem Schraubenzieher nichts aus.

Bei der Gelegenheit werfe man einen Blick aufs Fahrwerk: Welchen Eindruck machen die Gummiteile, z.B. die Manschetten der Antriebswellen? Sind sie frisch und gesund oder sehen sie aus, als würden sie sich demnächst auflösen? Sind die Bremsschläuche mitgenommen oder gar porös? Wie gesund sind die Auspuffgummis?

Dann nehme man die Innenverkleidungen aus dem Kofferraum und prüfe die Reserveradmulde und die Übergänge zu den Seitenwänden.

Allgemein ist oft von entscheidender Bedeutung, ob ein Auto noch seinen ersten Lack hat. Dieser gilt allgemein als erstrebenswerter als ein Neulack, selbst wenn er sichtbare Macken hat.

Motor

Ist das Auto von der Substanz her erhaltenswert? Sehr schön, dann sehen wir uns jetzt den Antrieb an.

Ein warmer Motor läuft immer besser und friedlicher als ein kalter. Wenn der Verkäufer das Auto vor Ihrem Besuch warmgefahren hat, verbirgt er möglicherweise etwas. Ein bereits warmgefahrener Motor ist also verdächtig.

Zuerst ziehe man den Ölmesstab und schaue genau hin: Kühlwasserspuren zeigen sich als winzige Bläschen. Das ist ein Hinweis auf eine schadhafte Zylinderkopfdichtung. Vorsicht! Wenn der Motor bei der Probefahrt schnell zu heiß wird, ist die Kopfdichtung hinüber.

Dann zerreibe man den Öltropfen zwischen den Fingern: Rückstandsfreies Öl sollte keine Teilchen enthalten, die man wie bei Schleifstaub spüren kann. Reibteilchen weisen darauf hin, dass der Motor länger keinen Ölwechsel bekommen hat – ein Zeichen für Vernachlässigung. Dahinter können teure Schäden lauern.

Ist der Motor ölverschmiert? Auch hier kommt es entscheidend darauf an, auf welcher Höhe das Öl offensichtlich austrat: Wenn es unter dem Ventildeckel durchkommt, ist das weniger schlimm als Austrittspuren auf Höhe der Zylinderkopfdichtung.

Dann nehme man den Kühlwasser-Verschluss ab und werfe einen Blick hinein. Sind Rost oder Verschmutzung zu entdecken? Ist der Stand der Kühlflüssigkeit ausreichend? Ist es Frostschutzmittel oder klares Wasser? Klares Wasser ist gefährlich, weil es die Wasserkanäle korrodiert, wie im Bild gezeigt (hier hat der Verkäufer Kühlmittel eingefüllt, aber das angefressene Rohr zeigt, dass in diesem Kühlsystem Wasser stand).

Bei luftgekühlten Motoren werfen wir einen Blick auf die Kühlrippen: Sind sie verbogen oder stellenweise abgebrochen?

Manche Motoren starten mit einem blauen Wölkchen, das kann normal sein (ein wenig Öl kann bei längerem Stillstand in den Brennraum sickern und verbrennt bei den ersten Zündungen). Stärkeres Bläuen weist oft auf undichte Ventilschäfte hin; weiße Wolken sind ein Warnzeichen für schadhafte Zylinderkopfdichtungen.

Vorsicht vor Standschäden 

Ein oft unterschätztes Problem sind Standschäden. Mit jedem Monat Stillstand verschlechtert sich der Zustand eines Autos – das ist fast immer der Fall. Geschichten von lange eingelagerten Autos, die auf Knopfdruck anspringen und nur abgefegt werden müssen, um TÜV zu bekommen - das sind Märchen. Sowas gibt’s höchstens bei einem Ford T-Modell.

Benzin und Öl verharzt, Gummiteile werden porös, Simmerringe undicht, Bremsleitungen quellen zu, Bremsklötze und Seilzüge rosten fest, Benzindünste korrodieren einen Tank von innen, Kunststoffteile zerfallen. Man kann den Zustand eines Autos allein durch drei Jahre unvorbereiteten Stillstand um zwei Noten senken. Dies gilt es bei vermeintlichen Scheunenfunden zu bedenken – lange Ruhezeit ist kein Vorzug!

Wenn man ein Auto prüft, das lange stillgelegt war, verzichte man darauf, den Motor anzulassen. Das kann gutgehen, kann aber auch schwere Schäden verursachen. Bei absolut unbekanntem Motorzustand sollte man mit Umsicht und Muße vorgehen, und die findet man am besten daheim in der eigenen Werkstatt.

Motoren mit mechanischer Einspritzung (Kugelfischer, Lucas, Bosch D-, K-, L-Jetronic) sind sehr gefährdet durch Standschäden. Besonders die Mengenteiler arbeiten mit mikrofeinen Toleranzen; Rückstände von Treibstoff haben sich mit großer Wahrscheinlichkeit in Harz verwandelt; feine Membranen kleben an Führungen fest. Mechanische Einspritzungen können bereits nach zwei Monaten Stillstand Schäden entwickeln; nach einem Jahr sind sie mit hoher Wahrscheinlichkeit beschädigt. Das Problem dabei: Sie sind für Laien nicht reparierbar. Es gibt Fachbetriebe, die sowas reparieren können, das kostet aber drei- bis vierstellige Summen. Leider hilft ein Ersatzteil vom Autoverwerter auch nicht weiter, weil auch da nicht bekannt sein kann, ob das Teil funktioniert (wenn es vor Ausbau funktionierte, kann es inzwischen hinüber sein).

Elektrik und Elektronik

Generell gilt: Was installiert ist, sollte auch funktionieren. Reparaturen an der Elektrik sind oft mühsam, wenn ein Fensterheber oder ein Schiebedach also nicht funktioniert, sollte sich das in einem entsprechenden Preisnachlass niederschlagen.

Ein Blick unters Armaturenbrett empfiehlt sich immer. Sieht es unberührt aus oder hängen da die Reste von dicken Soundanlagen oder anderen nicht werksgemäßen Installationen? Wenn ja, ist Vorsicht geboten – allzu oft geschahen diese Veränderungen ohne Sachverstand. Die Folge können Phantomstörungen sein, deren eigentliche Ursache auch nach langer Suche verborgen bleibt.

Autos der Baujahre nach 1980 enthalten oft elektronische Steuerelemente (Hochpreis-Autos auch schon ab den frühen Siebzigern). Diese Elektronikteile sind gefährdet, denn ihre Elemente sind nicht für die Ewigkeit ausgelegt. Irgendwann stirbt ein Element der Platine, dann ist die gesamte Steuerung unbrauchbar. Sowas kann ein Auto völlig stillegen. Für dieses Problem gibt es keine Patentlösung. Manche Fachbetriebe können bestimmte Elektronikteile reparieren; von den großen Herstellern arbeitet einzig Bosch an diesem Problem.

Daher bevorzugen manche Youngtimerfans einfachere oder frühere Varianten ihrer Lieblingsfahrzeuge, möglichst frei von Elektronik und lieber die Vergaser- als die Einspritzerversion.

Interieur

Wie riecht das Wageninnere? Man darf durchaus seiner Nase vertrauen – auch wenn ein Auto zu neu oder zu intensiv nach Leder riecht, kann der Duft aus der Spraydose kommen.

Fast alle Sitzbezüge lassen sich aufarbeiten oder durch originalgetreue Neuware frisch beziehen. Lederbezüge sind stets begehrter, aber auch aufwendiger in der Pflege: Sie scheuern schneller durch, brechen in einem bestimmten Alter oder werden speckig. All das lässt sich beheben, aber mit zumeist mehr Aufwand als bei Textil oder Kunstleder.

Man betrachte die Verkleidungen und besonders die Flächen unter Front- und Heckscheibe: Sind sie verblichen oder rissig? Viele kunststoffbezogene Armaturenbretter bilden Risse aus, nicht für alle Autotypen gibt es Nachfertigungen. Holzverkleidungen sehen nur dann schön aus, wenn sie gut erhalten sind. Reparatur oder Ersatz von Holzfurnier ist viel aufwendiger als bei anderen Verkleidungen.

Sind die Teppiche trocken und schadensfrei? Noch wichtiger ist der Zustand des Dachhimmels und den Verkleidungen der C-Säulen. Ist der Stoff sauber eingezogen, ohne Risse oder Flecken? Einen Himmel ordentlich einzuziehen ist oft sehr knifflig, in vielen Fällen lässt sich das nur korrekt hinbekommen, wenn man dazu die Scheiben ausbaut – manche Scheibendichtungen halten auch den Himmel in Form. Dachhimmel sind generell zu ersetzen, auch dafür gibt es Spezialisten, aber mühsam einzuziehen.

Jeder Autosattler kann Cabrioverdecke und Stoffschiebedächer neu beziehen und sogar originalgetreue Vinyldächer auflegen. Das ist aber nie billig, außerdem gilt auch hier: lieber das Original bewahren. Dazu prüft man: Ist der Stoff innen und außen weder morsch noch rissig? Sind Plastikfenster verkratzt oder erblindet? Klappt das Gestänge sauber auf und ein, schließt das Verdeck sauber am Windschutzscheibenrahmen; schließt es gut um die Tür?

Probefahrt: Antriebsstrang, Fahrwerk, Bremsen

Die Probefahrt ist wohl der Höhepunkt einer Untersuchung. Hier zeigt sich, wie sich das Auto bewegt, wie es sich anfühlt; hier wird es bisher verborgene Eigenschaften offenlegen.

Bevor es jedoch losgeht, wackele man an jedem Rad, sie sollten fest sitzen. Spiel weist auf schadhafte Radlager oder eine ausgeschlagene Aufhängung hin. Lässt sich die Feststellbremse gut arretieren und wieder lösen? Hält sie fest?

Reagiert der Motor, wie man es von ihm erwartet? Lassen sich die Gänge problemlos wechseln bzw. schaltet die Automatik sinnvoll hoch und zurück?

Zeigt sich unterwegs Spiel im Antriebsstrang, also Rucke bei Lastwechseln? Macht das Getriebe unpassende Geräusche, entstehen Vibrationen? Wie gut ziehen die Bremsen? Ziehen sie in eine Richtung? Macht das Auto andere, schwer deutbare Geräusche?

Nach Ende der Probefahrt lasse man den Motor laufen und öffne nochmals die Motorhaube, umauf   Unregelmäßigkeiten zu lauschen: Ändert sich der Leerlauf sägend? Das kann ein Zeichen für einen undichten Ansaugtrakt sein. Dringt Klopfen oder Klappern aus dem Motor? Hier kann die Ursache in eingelaufenen Lagern liegen, oder in defekten Hydrostößeln.

Verhandlungen

Jetzt geht’s um die Wurst. Wenn Sie das Auto einigermaßen erforscht haben, müssen Sie entscheiden, ob Sie es kaufen wollen. Vorsicht, lassen Sie sich nicht von Ihrer Begeisterung darüber blenden. Auch hier kann ein Kenner der Materie dafür sorgen, dass Sie auf dem Boden bleiben.

Ist das Auto im beschriebenen Zustand? Ist es Ihnen den verlangten Preis wert? Glückwunsch. Wenn Sie aber mehr oder schlimmere Macken gefunden haben als im Vorfeld angekündigt, machen Sie jetzt eine Aufstellung und geben Sie ein Gegengebot ab.

Wenn Sie sich einigen: Glückwunsch! Es gibt Formulare für Kaufverträge, z.B. vom ADAC. Prüfen Sie auf jeden Fall, ob die Fahrgestellnummer des Autos mit der in den Fahrzeugpapieren übereinstimmen. Notieren Sie im Kaufvertrag auch die Uhrzeit der Übergabe, das erspart im Falle eines Unfalls lästige Streitereien, in wessen Besitz sich das Auto zum Zeitpunkt des Geschehens befand.

Und jetzt: Viel Spaß mit Ihrem neuen Auto!