Kaufberatung BMW E30 Cabrio |  (1983 - 1993)

Kaufberatung BMW E30 Cabrio | (1983 - 1993)


Verdient das E30 Cabrio seine Lorbeeren?

BMW E30 Cabriolets erfreuen sich damals wie heute größter Beliebtheit. - Wir klären, ob das zeitlose Lifestyle Cabrio seine Lorbeeren verdient hat.

Der Zeitlose

Im Bereich der klassischen Automobile erscheint der Begriff der Zeitlosigkeit mitunter etwas überstrapaziert. Wenn ein Automobil für sich in Anspruch nehmen darf, stilistisch einer Epoche nicht eindeutig zuzuordnen zu sein, dann der BMW E30. Formal passt er sowohl in die 60er- und 70er-Jahre - in denen kantige Formen gerne mit Rundscheinwerfern gepaart wurden - als auch, der Retro-Welle sei Dank, ins 21. Jahrhundert. Dass der E30 tatsächlich ein bis in die frühen 90er-Jahre gebautes, typisches Produkt der 80er ist, wissen Kenner selbstverständlich. Unbedarften dürfte die Bestimmung des Herstellungszeitraumes in fernerer Zukunft allerdings wahrhaftig Probleme bereiten. Ein Kompliment für die Designer.

Mehr noch als die geschlossenen Versionen steht das Cabrio für exklusives Vorstadt-Flair und Urlaubsambiente. Wir klären, ob einer der Lieblinge der BMW-Fangemeinde seine Lorbeeren verdient hat.

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Modellgeschichte des E30 Cabriolets

1982:  Vorstellung E30 als Zweitürer

1983:  Viertürer und Baur-Topcabriolet erscheinen

1985:  Präsentation Vollcabriolet als 325i und Allradvariante "ix"

1986:  Debut Vollcabriolet und BMW M3

1987:  E30 als Kombiversion "Touring" erhältlich, 320i Cabrio erscheint

1988:  Vorstellung M3 als Cabriolet

1991:  Einstellung der Produktion von zweitüriger und viertüriger Limosine, Präsentation 318i Cabrio

1993:  Produktionsende Cabrio

1994:  Letzter E30 Touring läuft vom Band

Motorisierungen E30 Cabrio:  318i (113 PS), 320i (129 PS), 325i (170 PS, 171 PS), M3 (215 PS)

Stückzahl Werkscabrio:  ca. 140.000 (alle Cabrio-Varianten ohne Baur-Cabrio)

Stückzahl Baur-Cabrio:  10.865

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Fahreindruck

Im Innenraum präsentiert sich das Dreier-Cabrio etwas schmucklos, dafür aber sehr aufgeräumt und gut bedienbar. Edler wirkt der Innenraum mit Lederausstattung, die nüchterne Sachlichkeit der 80er bleibt aber stets gegenwärtig. Im Vergleich zu seinen Nachfolgern ist der E30 ein ziemlich kleines Auto. Er verkörpert aber die leichtfüßige Direktheit, die man bei vielen Neuwagen vermisst. Schon beim Nachfolger E36 nahmen die Dämmstoffe zu und erhöhten das Fahrzeuggewicht spürbar.

Der leichte E30 macht viel mehr Freude als sein erwachsenerer Nachfolger. Vergessen werden darf dabei nicht, dass das Cabrio im Vergleich zu seinen geschlossenen Brüdern durch eine Vielzahl von Verstärkungsblechen, die die mangelnde Steifigkeit durch das Fehlen eines stabilisierenden Fahrzeugdachs kompensieren sollen, um 125 Kg schwerer ist. Für ein Leben im fahrdynamischen Grenzbereich ist der Wagen also nicht gedacht und wer offen unterwegs ist, der will das Limit erfahrungsgemäß auch nur selten antesten. Einen interessanten Mittelweg geht das 1983 erschienene Baur-Topcabriolet. Im Gegensatz zum Vollcabriolet lässt sich der Baur mit festem Bügel obenrum nicht komplett entblößen. Dachelement und Heckscheibe lassen sich öffnen, der Rest bleibt wie bei der geschlossenen Version. Das ästhetische Empfinden vieler BMW-Freunde störte dieses in Stuttgart-Berg umgebaute, sogenannte Sicherheitscabriolet. Aus heutiger Perspektive sind die Baur-Fahrzeuge hochinteressante Objekte und äußerst sammelwürdig. Verfügbare Motorisierungen waren der 318i, der 320i, der 325i und der sehr seltene M3. Der 325e, der mit seiner Laufruhe und der bulligen Kraft aus dem Drehzahlkeller bestens zum Charakter des Wagens gepasst hätte, wurde leider als Cabrio nie angeboten. Empfehlenswert ist der 318i, dessen wirtschaftlicher Vierzylinder für die meisten Lebenslagen völlig ausreicht. Wem das nicht genügt, der greift zum sechszylindrigen 325i, der mit 170 PS aus 2,5 Litern Hubraum keine Wünsche offen lässt. Wer mit seinem Dreier-Cabrio partout der Schnellste sein muss, kann dann noch den raren M3 wählen. E30-Cabriolets der M-GmbH wurden zwischen September 1988 und Juni 1991 lediglich 786 mal gebaut, befinden sich grundsätzlich fest in Sammlerhand und werden im Alltag längst nicht mehr bewegt. Eingeschränkt zu empfehlen ist der 320i. Zwar läuft sein 2,0-Liter-Sechszylinder turbinenartig seidig, doch während die Leistung auf dem Niveau des 318i liegt, verbraucht der 129 PS-Motor so viel wie der deutlich stärkere 2,5-Liter im 325i, der in puncto Laufverhalten kaum schlechter ist.

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Karosserie

Die Karosserie des offenen E30 ist vielleicht nicht so verwindungssteif wie die Blechkleider heutiger Cabriolets. Die Steifigkeit ist allerdings höher als man erwartet. Die Ingenieure haben ganze Arbeit geleistet und so klappert und rappelt nichts. Aber wie gesagt, das E30-Cabrio ist ohnehin eher zum genüsslichen Dahingleiten gedacht. Wer seinem Auto noch etwas Gutes tun möchte, rüstet eine Domstrebe nach und unterstützt damit die schwächere Karosseriestruktur der offenen Variante. Das in herrlich schlichte Form gepresste Stahlblech ist - typisch Made in Germany - gut verarbeitet. Der werksseitig aufgetragene Korrosionsschutz erfüllt sein Versprechen, einige Partien sind allerdings anfällig und verdienen besonderes Augenmerk.

1.  Die vorderen Schwellerenden sind stark rostgefährdet und sollten in jedem Falle inspiziert werden. Rostansatz ist mühelos in den Griff zu bekommen, schwere Rostschäden sind nur kostspielig instand zu setzen.

2.  Der Rahmen der Windschutzscheibe ist ein weiterer Schwachpunkt des E30. Hier gammelt es gerne von innen nach außen. Um den Rost umfassend zu beseitigen, muss häufig die Frontscheibe ausgebaut werden, da der Rost regelmäßig hinter der Scheibendichtung blüht.

3.  Klappern und Pfeifen der hinteren Seitenscheiben sind beim Cabrio ein typischer Kritikpunkt. Ursache ist zu viel Spiel in der Scheibenführung, so dass das Glas nicht mehr richtig an den Dichtungen anliegt. Etwas Geduld vorausgesetzt, gelingt die Neujustierung auch Selbermachern.

4.  Das Verdeckgestänge kann durch mangelnde Pflege und Schmierung schwergängig werden. Was beim mechanischen Stoffdach zunächst einmal mehr Kraftaufwand erfordert, bedeutet bei den elektrisch betätigten Versionen das Risiko einer Beschädigung des Verdeckantriebs im Bereich der (Verdeck-)Motor-Getriebe-Einheit. Ersatz kostet mehrere hundert Euro, weshalb alles störungsfrei und leichtgängig funktionieren sollte.

5.  Die Gurtschlossverschraubungen unter der Rücksitzbank sind speziell beim Cabrio rostanfällig. Gleiches gilt für die gesamte Blechpartie im näheren Umfeld zu diesen Verschraubungspunkten. Hier scheint sich Feuchtigkeit zu sammeln; ein Grund mehr bei Regen schnell die Schotten dicht zu machen.

6.  Die Federbeindome stellen eine Schwachstelle dar. Um stark tiefergelegte Fahrzeuge sollte man daher einen großen Bogen machen.

7.  Front- und Heckbleche des E30-Cabrio sind wie bei fast allen Autos durch Steinschlag und Bordsteinkontakt rostgefährdet.

8.  Rostbefall zeigen vermehrt die hinteren Radläufe. Ungeklärt bleibt, warum diese Auffälligkeit verstärkt beim Cabriolet anzutreffen ist.  

9.  Die Dichtungen der Rücklichter werden altersbedingt wasserdurchlässig und führen zu Feuchtigkeit und Gammel im Kofferraum. Ein Tausch der Gummis kostet wenig, denn der Einbau ist kinderleicht und ein Werkstattbesuch überflüssig.

10.  Unschön, aber unbedenklich ist Rost am Spiegeldreieck. Wieso genau es hier korrodiert, bleibt Geheimnis des E30, um eine typische Schwachstelle handelt es sich allemal.