Vergleichstest: Top 3 Youngtimer bis 10.000 EUR

Vergleichstest: Top 3 Youngtimer bis 10.000 EUR


Wo die Liebe hinfällt

3x Frischluftkultur für jedermann. -Wir testen Z3, SLK und Spider

Weil es kommt, wie es kommen muss und Geschichte sich doch manchmal wiederholt, stehen Z3, SLK und Spider in den Startlöchern für eine Karriere als Klassiker. Dass ein Roadster von Mercedes, BMW oder Alfa Romeo über die Jahre nicht zu einem beliebten Oldtimer geworden wäre, ist bis dato nicht überliefert. So konnte man bisher die Uhr danach stellen, dass offene Zweisitzer der genannten Marken nach einem überschaubaren Zeitraum von Liebhabern entdeckt werden. Zu gut verstehen diese drei etablierten Hersteller ihr Handwerk als dass Vierradkundige die Ergebnisse übersehen könnten. Es sind drei völlig unterschiedliche Charaktere, womit ihre Schöpfer beweisen wie mannigfaltig man das Thema Roadster interpretieren kann.

Historie und Design

Der Z3 wurde 1995 vorgestellt und fand auf Anhieb reißenden Absatz mit der Folge langer Wartezeiten. Nach dem Aufsehen erregenden Z1, dessen Stückzahlen verhältnismäßig gering waren, debütierte mit dem Z3 ein BMW-Roadster, der nicht zuletzt aufgrund der Preisgestaltung ein breiteres Publikum beglückte. Ähnlich wie beim Z8 orientiert sich das Retro-Design an der Vergangenheit, blieb dabei aber dennoch eigenständig. Mit der Beschränkung auf das Wesentliche trat der Zweisitzer gegen das 3er-Cabrio an, dessen Käufer jedoch etwas andere Ansprüche hatten.

1995:  Einführung des Z3 mit 1,8- und 1,9-Liter-Vierzylinder
1997:  Vorstellung 2,8-Liter-Sechszylinder und M-Roadster
1998:  Z3 Coupe und M Coupe erscheinen
1999:  Modellüberarbeitung, Einführung 2,0-Liter-Sechszylinder
2000:  Neue Sechszylinder mit 2,2 und 3,0 Litern Hubraum
2003:  Z4 löst Z3 ab

Motorisierungen (Benziner):

1,8  (115, 118 PS)
1,9  (140 PS)
2,0  (150 PS)
2,2  (170 PS)
2,8  (192 PS)
3,0  (231 PS)
3,2  (321 PS)

z3

Wie der Z3 hat auch der 1996 erschienene SLK keinen direkten Vorgänger. Als Urahn darf hier der 190 SL gelten. Ebenso wie seinem bayerischen Konkurrenten verhalfen dem kleinen Bruder des hochpreisigen SL seine relativ günstigen Preise zum Durchbruch. Und genau wie bei BMW lagen auch die Marktforscher bei Mercedes richtig mit ihrer Einschätzung, wonach der Markt nach offenen Zweisitzern verlange. Formensprache und Konzeption waren anders als beim Z3. Lieferengpässe entstanden trotzdem, denn der Bedarf an leichten Oben-ohne-Sportwagen war groß. Der SLK versucht es nicht mit Retro-Design und kommt optisch wuchtiger daher. Verantwortlich dafür ist auch die hohe Gürtellinie des Fahrzeugs.

1996:  Einführung des W170 als SLK 200 und SLK 230 Kompressor
1997:  Serienmäßig Bremsassistent und Seiten-Airbags
2000:  Facelift, 6-Gang-Getriebe, SLK 200 Kompressor (163 PS) und SLK 320 (218 PS)
2001:  Vorstellung SLK 32 AMG mit 354 PS
2004:  Modellwechsel

Motorisierungen (Benziner):

SLK 200  (136 PS)
SLK 200 K  (163 PS)
SLK 230 K  (193, 197 PS)
SLK 320  (218 PS)
SLK 32 AMG  (354 PS)

(entry 7632080)

Der Alfa Romeo Spider  wurde 1994 als Nachfolger der von 1989-1993 gebauten 4. Generation mit ausgefallener und unverwechselbarer Optik präsentiert. Die Modellreihe existiert seit 1966 und wurde seitdem regelmäßig neu aufgelegt. Das Bauen sportlicher Roadster hat bei den Italienern lange Tradition. Während man sich bei der deutschen Konkurrenz lange eher auf viersitzige Cabriolets zu konzentrieren schien, stand bei Alfa das Thema Sportlichkeit schon immer auf der Fahne. Neuerungen gab es 1994 mit dem intern Spider 916 genannten Modells zu genüge, was vielen Alfisti aber missfiel. Verfügten Spider und der geschlossene GTV in der Vergangenheit über ein jeweils eigenständiges Design, stellte der 916 fortan nur noch einen GTV ohne festes Dach dar; im Übrigen war es das gleiche Auto. Neben der radikal neuen Linienführung, die sich nicht wie zuvor auf maßvolle Retuschen beschränkte, war die Umstellung auf Frontantrieb eine bahnbrechende Änderung des bisherigen Konzeptes.

1994:  Einführung des 916 als Roadster (Spider) und Coupe (GTV)
1998:  Facelift, 1,8 mit 144 PS
2001:  1,8-Liter-Variante und 2.0 V6 Turbo entfallen
2003:  Erneutes Facelift, Spider jetzt mit geänderter Front, Vorstellung 3,2 V6 JTS
2005:  Einstellung der Modellreihe 916

Motorisierungen (Benziner):

1,8  (144 PS)
2,0  (150, 155, 165 PS)
2,0 V6 Turbo  (202 PS)
3,0 V6  (192, 218, 220 PS)
3,2 V6 (240 PS)

(entry 7632081)


Fahreindruck

Wichtiger als Zuladung und sonstige Vernunftsaspekte ist bei einem Roadster die Emotion. Entscheidende Kriterien sind damit hauptsächlich subjektive Faktoren wie gefällige Linien und das gebotene Maß an Fahrspaß.

Den ersten Eindruck hinterlässt im BMW die tiefe Sitzposition. Das Platzangebot ist knapp, aber ausreichend, um das zu tun, wofür der Wagen gebaut wurde: Fahren. Lenkung und Schaltung sind sehr präzise und passen hervorragend zum sportlichen Fahrwerk. Dieses ist erwartungsgemäß nicht so komfortabel wie das eines 7er-BMWs. Es ist dagegen aber nicht so knochenhart, dass längere Strecken nicht möglich wären. Fahrdynamisch gibt es nichts zu beanstanden, das Auto scheint mitunter auf der Straße zu kleben. Wer unbedingt in den Schleudergang schalten will, kann das Heck aber auch zum Ausbrechen bringen. Alles nach dem Motto: Jeder wie er mag! Famos sind die turbinenartigen 6-Zylinder-Motoren, allen voran der hochgezüchtete 3,2-Liter-Motor im M Modell. Wer richtigen Druck bei der Beschleunigung spüren möchte, ist mit dem 2,8-Liter gut bedient, die kleinen Vierzylinder genügen jedoch vollkommen und bereiten schon viel Fahrspaß. Das Versprechen "Freude am Fahren" wird vom Z3 voll und ganz eingelöst.

Hat man im SLK Platz genommen, fällt zunächst die solide Materialanmutung auf. Diese ist nicht so hochwertig wie im SL. Im Vergleich zur Innenraumqualität seiner Mitbewerber ist der W170 aber ein echter Mercedes. Die Ergonomie stimmt und alles ist dort, wo man es erwartet. Im SLK fühlt man sich zudem Mercedes-typisch geborgener. Verstärkt wird dieses Gefühl durch die bereits erwähnten hohen Bordwände und die spürbare Verwindungssteifigkeit der Karosserie. Bis hin zum damals neuartigen und seitdem oft kopierten Klappdach, der den SLK sogar wintertauglich macht; es ist ein rundum solides Auto. Keine Selbstverständlichkeit im Roadster-Segment. Die Schaltung ist für frühere Mercedes-Verhältnisse erstaunlich exakt, zuvor waren die Schaltgetriebe der Stuttgarter eher etwas knorpelig und so gar nicht vergnüglich. Schnelle Gangwechsel sind trotz Besserung dennoch nicht die große Stärke der manuellen Schaltbox. Harmonisch und eine Überlegung wert sind in jedem Fall die sehr guten Automatikgetriebe. Mäßig sportlich präsentiert sich die Lenkung, die längst nicht so direkt wie die der Vergleichskandidaten reagiert. Das Fahrwerk des Mercedes ist straff, jedoch gleichzeitig komfortorientiert und nicht radikal auf Fahrdynamik getrimmt. Er taugt dadurch, gerade in Kombination mit dem vergleichsweise üppigen Kofferraum, durchaus für die Urlaubsreise in den sonnigen Süden. Der SLK ist also keine Fahrmaschine reinsten Wassers, eine gewisse Behäbigkeit steckt in ihm. Doch diese sportlich-komfortable Solidität bildet wider Erwarten ein äußerst gelungenes Gesamtpaket.

Der Spider zeigt innen und außen italienischen Chic, so dass schon sein Auftritt das Aufkommen von Langeweile verhindert. Teutonische Hersteller können in diesem Kapitel nicht immer glänzen. Weniger Glanzvoll ist beim Alfa die Materialanmutung. Andere verwenden zwar genau wie die Italiener reichlich Kunststoff im Innenraum, beim Spider herrscht allerdings eine regelrechte Plastik-Atmosphäre vor. Die Verarbeitungsqualität ist bestenfalls auf mittlerem Niveau, hier schneidet der Alfa schlechter ab als die Produkte der süddeutschen Marken (frühe Z3 ausgenommen). Nicht sonderlich bequem ist die Sitzposition; ein Umstand, der Alfas in vergangenen Tagen schon gerne begleitete. Lenkung und Schaltung sind knackig und direkt. Trotz Frontantrieb kommt es kaum zu den befürchteten Traktionsproblemen, höchstens bei den leistungsstarken Modellen. Gleiches gilt für Antriebseinflüsse auf die Lenkung. Das Fahrverhalten ist superagil und setzte in der Kategorie der leistungsstarken Fronttriebler seinerzeit neue Maßstäbe.

Wenig hilfreich ist im Alltagsbetrieb der der Frontantriebskonstruktion geschuldete große Wendekreis.

(entry 7632082)


Probleme und Schwachpunkte

Die Verarbeitung des in Spartanburg (U.S.A.) gebauten Z3 war anfänglich keineswegs BMW-like. Über die Jahre wurden dann viele Fehler beseitigt und zum Schluss stimmte die Qualität. Mit der technischen Basis des E36 Compact hat der Z3 leider auch dessen Schwachstellen übernommen. Das Fahrwerk kann mitunter Probleme bereiten. Gerade bei Exemplaren der ersten Baujahre verschleißen die Führungsgelenke der Vorderachse zügig. Standfestere Ersatzteile gibt es im freien Handel. Das Verdeck verursacht gelegentlich Kummer, beispielsweise wenn es innen feucht wird oder die Heckscheibe verkratzt ist. Weiterhin nerven gelegentlich wackelnde Sitzgestelle und schwergängige Fensterheber. Im Großen und Ganzen sind signifikante Schwachpunkte nicht auszumachen. Die Steuerketten-Motoren sind haltbar und wartungsarm, das Blech ist gegen Rost gut geschützt.

Die Qualität des SLK überzeugt auf ganzer Linie. Bei der Hauptuntersuchung erweist er sich als unauffällig. Die Mängelhäufigkeit ist fast in allen Disziplinen und über alle Baujahre hinweg deutlich geringer als beim Durchschnitt der geprüften Fahrzeuge. Ölverlust am Differential kann vorkommen und betrifft in der Regel frühe SLK. Häufig ziehen außerdem die Feststellbremsen einseitig und bedürfen damit einer Einstellung bzw. Reparatur. An der Vorderachse können Radlager zu viel Spiel aufweisen und damit einen Werkstattbesuch notwendig machen.

Beim Spider befürchtet man das Schlimmste und wird angenehm überrascht. Hinsichtlich der Mängelhäufigkeit verhält sich der Alfa Romeo ähnlich dem Durchschnitt, was angesichts der Erwartungen eine erstaunlich gute Nachricht ist. Qualität wird im italienischen Automobilbau nämlich traditionell nicht so groß geschrieben wie nördlich der Alpen. Mängel sind häufiger im Fahrwerksbereich und an der Auspuffanlage zu finden. Nicht selten sind zudem Ölverlust an Motor und Getriebe auszumachen. Die Bremsen neigen zu erhöhtem Verschleiß, wobei die Fahrweise freilich erheblichen Einfluss hat. Die Rostprobleme, die Alfa Romeo so lange plagten, kennt dieser Spider nicht mehr. Der Korrosionsschutz ist vorbildlich. Vorsicht geboten ist bei den für ihre Anfälligkeit bekannten 2,0 V6 Turbo-Motoren. Wer kein unnötiges Risiko eingehen möchte, sollte von diesem Modell die Finger lassen.


Marktlage und Ersatzteilsituation

Die Preise für Z3 und SLK beginnen bereits bei 2.000 - 3.000 Euro, der Spider ist sogar noch günstiger zu haben. Da der bessere Wagen der bessere Kauf ist, sollte nach Möglichkeit ein gepflegtes Exemplar mit nachvollziehbarer Historie ohne Wartungsstau in die engere Wahl gezogen werden. Wer auf Wertsteigerung aus ist, sollte einen großen Bogen um getunte Fahrzeuge machen, die am Markt reichlich anzutreffen sind. Glücklicherweise ist die Auswahl an guten Autos im Originalzustand groß genug, so dass jeder fündig wird. Ähnlich rosig stellt sich die Ersatzteilsituation bei den drei Testkandidaten dar. Vertragshändler können so gut wie alle Teile kurzfristig liefern. Daneben bieten der freie Handel und der Gebrauchtteilemarkt eine anständige Versorgung zu niedrigeren Preisen.

Die drei getesteten Fahrzeuge haben die Talsohle längst erreicht und werden nicht mehr günstiger. Im Gegenteil sind gepflegte Wagen preislich teilweise bereits im Aufwind.

(entry 7632083)


Fazit

Die Preise für den Spider fallen nicht mehr weiter, eine schlechte Investition ist er folglich nicht. Mit Blick auf die künftige Preisentwicklung müssen aber wohl die deutschen Roadster empfohlen werden, die sich regelmäßig noch schneller verteuern. Sieht man vom Wertsteigerungspotential ab, bleibt die Wahl schwierig. Den klassischen Roadster verkörpert der BMW sicherlich am besten. Sein sportlich-elegantes Äußeres, das rassige Fahrwerk und die grandiosen Triebwerke machen ihn zu einem echten Traumtypen. Sein kleiner Kofferraum und der knappe Raum in der Kabine sind im Alltag nicht sonderlich praktisch, der Attraktivität des Z3 tut dies jedoch keinen Abbruch. Die schwäbische Interpretation des Themas fällt weniger puristisch, dafür aber solider, sicherer und alltagstauglicher aus. Gewichtiges Argument für den W170 ist neben der problemlosen Technik seine Ganzjahrestauglichkeit. Das lästige Montieren und Demontieren eines separaten Hardtops entfällt komplett. Den SLK macht all dies zu einem sehr angenehmen Begleiter. Der keilförmige Alfa besticht durch seinen individuellen Auftritt, die spritzigen Motoren und das tolle Fahrwerk. Im Zusammenspiel mit der präzisen Schaltung und Lenkung bereitet der Spider besonders viel Vergnügen. Sein aufregendes Wesen kompensiert den winzigen Kofferraum von 110 Litern (ab `98: 147 Liter) sowie kleine technische Schwächen allemal. Einem Menschen zu sagen, wen er zu lieben hat und wen nicht, wäre aussichtslos und anmaßend zugleich. Aus diesem Grunde soll bei der hochemotionalen Roadster-Wahl die Liebe fallen wie sie möchte. Bei allen drei Kandidaten steht einer glücklichen Beziehung nichts im Wege.

Bilder: Mercedes-Benz Press, BMW Press, Alfa Romeo Press
Text: Hendrik Bartels