Kaufberatung Mercedes Benz SLK R170 (1996 – 2004)

Kaufberatung Mercedes Benz SLK R170 (1996 – 2004)


Der Beginn der Klappdach-Manie

Der Klappdach-Trendsetter ist schon für kleines Geld zu haben. -Lohnt sich der Kauf?

Der Mercedes SLK wurde zwischen 1996 und 2004 insgesamt 311.222 mal gebaut und war als erster Roadster mit Stahl-Klappdach nicht nur ein Erfolgsmodell, sondern auch ein Cabrio-Meilenstein, der viele Nachahmer fand. 20 Jahre nach seinem Debüt sind gepflegte Fahrzeuge bereits für unter 9.000 EUR zu finden. Im Nachfolgenden klären wir, ob sich eine Investition lohnt.

Fahrwerk und Fahrdynamik des SLK

Der SLK basiert auf der Bodengruppe der damaligen C-Klasse (W202) und bietet ein ausgereiftes, komfortables Fahrgefühl mit sportlicher Note. Durch die sehr steife Karosserie entsteht ein subjektiv direktes Fahrgefühl, welches dem Roadster auf kurviger Landstraße sehr gut zu Gesicht steht.

Motor und Technik des SLK

An Motorisierungen bot Mercedes bis zum Facelift im Jahre 2000 zwei Varianten an. Einen 2.0 Liter 4-Zylinder Saugmotor mit 136 PS und einen kompressoraufgeladenen 4-Zylinder mit 2,3 Liter Hubraum und 193 PS. Bei unseren Testfahrten haben wir festgestellt, dass die Basismotorisierung trotz der 136 PS keinesfalls untermotorisiert ist und für einen entspannten Ausflug über sonnige Landstraßen vollkommen ausreicht. Bei härterer Gangart stört allerdings die Geräuschentwicklung des 4-Zylinder Aggregats und man gewinnt den Eindruck, dass sich der Motor oberhalb von 4000 U/min nicht mehr wohl fühlt. Etwas zügiger, wenngleich klanglich auch enttäuschend, geht es mit dem Kompressortriebwerk voran. Den Fans der adäquaten Beschleunigung empfehlen wir dringlich, sich eines der letzten Modelle mit 3,2 Liter V6 Motor (M 112 E 32) und Dreiventiltechnik aus dem Facelift zu sichern. Dieser Motor ist fast genauso laufruhig wie der technische Vorgänger (Reihensechszylinder) und dank der hervorragend gewählten Übersetzung des 5-Gang Automatik-Getriebes bietet er ein überraschend kraftvolles Fahrerlebnis. Weitere Motorisierungen des Facelifts sind ein modifizierter 2,3 Liter Kompressormotor mit 197 PS, sowie ein kompressoraufgeladener 2.0 Liter Motor, welcher die Einstiegsmotorisierung ersetzt und 163 PS leistet.
Als leistungsstärkstes Modell der SLK-Baureihe bot Mercedes mit der Modellpflege (2000) das SLK 32 AMG Modell an. Dieses Modell verfügte über den bereits gelobten V6 Motor (M 112 E 32), welcher zusätzlich mit einem Kompressor ausgestattet wurde (M 112 E 32 ML) und 354 PS leistete. 

SLK Motor

Probleme und Schwachstellen des SLK R170

Der SLK glänzt mit wertiger Innenausstattung und klassischem Design, weist aber gelegentliche Schwächen und Probleme auf. Wir empfehlen daher, an folgenden Stellen genauer hinzusehen:
Die komplexe Verdeckmechanik wird mit Hilfe von 5 Hochdruck-Hydraulikzylindern, welche bis zu 200 bar Druck aufbauen, realisiert. Ein solches Hochdrucksystem ist auf Dauer immer anfällig und sollte stets auf Undichtigkeiten und untypische Geräusche hin untersucht werden.

Leider ist dieses Auto in jener Zeit gebaut worden, als Mercedes große Probleme mit rostenden Falzen an nahezu allen Karosserieteilen seiner Baureihen hatte. Oftmals sind rostende Türen und Heckdeckel nach ein paar Jahren auf Kulanz getauscht worden und stellen daher heute nur noch selten ein Problem dar. Bei der Gebrauchtwagensuche sollte man sich daher unbedingt auf Fahrzeuge mit einer lückenlosen Historie fokussieren oder das Auto genauestens auf Roststellen an allen Falzen,  Radläufen und Schwellern zu untersuchen.
Die Facelift-Modelle ab Baujahr 2000 verfügen serienmäßig über das ESP der ersten Generation. Steuergerät und G-Sensoren können schon mal beschädigt sein, sind aber verhältnismäßig preiswert zu ersetzen. Die Motoren gelten als robust. Die Saugmotoren sind noch etwas wartungsfreier als die Kompressorderivate. Bei den 6-Zylinder Aggregaten löst sich nach einer gewissen Laufzeit (ca. 150.000 km) der Schwingungsdämpfer. Erkennbar ist dies an einem auffällig unrund laufenden Keilrippenriemen. Wie auch beim Plattformbruder C-Klasse W202, beklagen einige Halter häufig gebrochene Federn. Dies ist aber schnell anhand von stumpfen Knall-Geräuschen während der Probefahrt zu erkennen und lässt sich preiswert austauschen. Im Innenraum blättert nach einigen Jahren der Softlack ab, hier hilft nur der Austausch durch Neuteile oder das „Selbstlackieren“.

Ersatzteillage

Die Ersatzteillage des SLK R170 ist als sehr gut zu bewerten. Alle Teile sind in ausreichendem Maße über Erst- und Zweitausrüster oder Mercedes Benz direkt zu beziehen. Wegen der sehr hohen Stückzahlen (über 311.000 produzierte Exemplare) sind auch genügend Teile im preisattraktiven Gebrauchtteilemarkt zu finden. Eine Suche in gängigen (Auktions-) Portalen wird daher empfohlen.

SLK Back

Fazit

Aufgrund der hohen Produktionszahlen sind gebrauchte SLKs der ersten Generation schon für unter 8.000 EUR zu haben. Empfehlenswert sind aber nur rostfreie Exemplare mit lückenloser Historie. Unbedingt prüfen sollte man die komplizierte Verdeckmechanik, Roststellen an Falzen, Poltergeräusche am Fahrwerk und Fehler im Fehlerspeicher (nicht bei allen Fehlern leuchtet eine Leuchte in der Armaturentafel). Wenn man die Ratschläge der Kaufberatung befolgt, bekommt man einen wertstabilen Klassiker zu einem erschwinglichen Preis. Trotzdem sollte man sich darüber bewusst sein, dass die Ersatzeilkosten für Neuteile auf dem Niveau aktueller Premiumfahrzeuge liegen.