Kaufberatung Porsche Boxster 986 (1996 - 2004)

Kaufberatung Porsche Boxster 986 (1996 - 2004)


Preiswerter Roadster oder Groschengrab?

Der Zeitpunkt um einen Porsche Boxster zu kaufen, scheint derzeit günstig. Angebotene Fahrzeuge sind bereits ab 8.000 EUR verfügbar

Der Porsche Boxster mit der werksinternen Bezeichnung 986 wurde 1996 mit einem wassergekühlten 2.5 Liter 6-Zylinder Boxer Motor vorgestellt. Trotz der verhältnismäßig geringen Leistung von 204 PS war der Boxster ein Erfolgsmodell und rettete Porsche aus der Krise. Insgesamt wurden 185.734 Exemplare bis zum Modellwechsel 2004 gebaut.

Gebaut wurde der Boxster in Stuttgart und Finnland (Uusikaupunki). Sammler bevorzugen zwar die Fahrzeuge aus Stuttgart, es ist aber zu sagen, dass die Qualität an beiden Produktionsstandorten gleich gut ist. Erkennen lässt sich der Produktionsstandort übrigens an der Fahrgestellnummer (siehe Fahrgestellnummerncheck).

Motoren und Technik des Boxster 986

Alle angebotenen Motoren basieren auf dem gleichen Motor, der später (mit etwas mehr Hubraum) Einzug in den 911 (996) erhalten hat. Leider gilt diese Motorengeneration als sehr anfällig. Gebrochene Zwischenwellen, Kolbenkipper und insbesondere undichte Kurbelwellensimmeringe sind keine Seltenheit.

Als Basismotorisierung bis Modelljahr 1999 diente der bereits erwähnte 2,5 Liter Boxer Sechszylinder, welcher mit 204 PS und 245 NM für Porsche Verhältnisse sehr träge wirkt und nur bedingt zu empfehlen ist. Etwas kraftvoller und durchzugstärker ist der 2,7 Liter Motor mit 220 PS, welcher ab dem Modelljahr 2000 die neue Basismotorisierung darstellte.
Echte Roadster-Liebhaber setzen auf das Boxster S Modell mit 3,2 Liter Hubraum und je nach Modelljahr mit 252 bis 266 PS. Als Nimbus der Baureihe (986) gelten die wenigen Sondermodelle  vom Typ "50 Jahre 550 Spyder" mit 266 PS. Dieses Modell verfügte über eine besondere Aussenfarbe „GT Silbermetallic“, ein Sportfahrwerk, Sportsitze, spezielles Endrohr und Xenon Scheinwerfer. - Wer eins der nur 1.953 mal gebauten Exemplare ergattert, kann sich glücklich schätzen.

Boxster_engine_1

Facelift des Boxster 986

Facelift-Modelle waren ab dem Modelljahr 2003 verfügbar. Ab diesem Modelljahr gab es endlich ein Handschuhfach, eine neue Motronic mit variabler Nockenwellenverstellung, kleineren Modifikationen an Front- und Heckschürze, eine Glasheckscheibe und aus den Scheinwerfern verschwand das grelle Gelb der Blinker. 
Die mit variabler Nockenwellenverstellung (Variocam) ausgestatteten Motoren leisteten bei gleichbleibendem Hubraum nun 228 PS (Boxster) bzw. 260 PS (Boxster S). Das Sondermodell „550 Spyder“ leistete mit 266 PS noch ein Quäntchen mehr.

Fahrwerk und Fahrdynamik

Fahrdynamisch brauchen sich die Boxster und Boxster S Modelle nicht verstecken. Die Mittelmotor Roadster sind ein wahrer Hochgenuss wenn es um das Kurvenräubern geht. Das kompromisslos sportliche, direkte Handling und das infernalische Ansauggeräusch des direkt hinter dem Fahrer liegenden Sechszylinders sorgen ab 4.000 U/pm für Gänsehautfeeling. 
Durch den kurzen Radstand, dem ausgezeichneten Schwerpunkt des flach bauenden Sechszylinders, der Mittelmotorbauweise und dem sportlich abgestimmten Fahrwerk ist dieses Auto in der Handling Wertung als absolut hervorragend zu bezeichnen. In unserer komfortorientierten Zeit sind so kompromisslos sportliche Fahrzeuge eher selten geworden. Der moderne Boxster der Baureihe 981 (2012 – 2016) ist mit seinem längeren Radstand, dem komfortableren Fahrwerk mit deutlich mehr Wankneigung und dem stumpfen Feedback der elektrischen Lenkung ein Stückchen weiter in Richtung „Gran Turismo“ gerutscht.

Porsch Boxster 986 VFL back

Boxster oder Boxster S?

Der Boxster S unterscheidet sich von seinem kleinen Bruder nicht nur in Bezug auf die Motorleistung, welche zu Beginn mit 252 PS und 305 NM deutlich durchzugsstärker ausfiel.
Neben einer kleinen Modifikation an der vorderen Stoßstange (dort befindet sich jetzt ein weiterer zentraler Lufteinlass), verfügt das S Modell noch über ein sehr präzises 6 Gang Getriebe, 1 Zoll größere Felgen, ein sportliches Doppelendrohr und die größere Bremsanlage vom Carrera.
Man erhält beim Boxster S also nicht nur einen leistungsstärkeren Motor, der nach Ansicht der Redaktion in so einen sportlichen Mittelmotor Roadster gehört, sondern bekommt auch noch ein gut geschnürtes Paket an Technik-Upgrades gratis dazu.

Ersatzteillage des Boxster 986

Alle Ersatzteile des Boxsters sind noch verfügbar, eine Vielzahl an Gebrauchtteilen ist ebenfalls auf dem Markt. Die Preise befinden sich typischerweise auf hohem Niveau. Ein neuer Satz Reifen in der Porsche Spezifikation „N“ kostet für das Boxster S Modell (17 Zoll) ca. 700 EUR.

Schwachstellen und Probleme des Boxster 986

Alle Motoren des Boxster 986 basieren auf dem ersten wassergekühlten Boxermotor, den Porsche aus Kostengründen nicht auf Basis der standfesten früheren „Mezger Motoren“ entwickelte, sondern völlig neu konstruierte und mit deutlich weniger Teilen realisierte. Leider fielen diese Motoren in der Vergangenheit nicht selten durch Motorschäden negativ auf. Sollte ein Motor Klappergeräusche verursachen, sind dies nur selten die Hydrostößel oder der Kettenspanner. In der Regel bahnt sich dann ein kapitaler Motorschaden an. Gebrauchte Austauschmotoren sind teuer und bieten leider keine Garantie für eine längere Lebensdauer.
Rostprobleme kennt der Boxster eigentlich nicht. Die in der Regel garagierten Fahrzeuge präsentieren sich in Lack und Substanz meist makellos.
Nahezu jeder Boxster ist von undichten Kurbelwellensimmeringen kurz „KWS“ betroffen. Dabei dringt Motoröl durch den Simmering und tropft auf die Fahrbahn bzw. auf den Stellplatzboden. Ein neuer Simmering kostet zwar nur 10 EUR, die aufwändige Installation schlägt aber mit ca. 600 € zu Buche. 
Die Verdecksteuerung sollte man vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens ausgiebig testen. Nur wenn es beim Auf- und Zumachen keine auffälligen Geräusche gibt und die Heckscheibe nicht blind ist, (betrifft nur Vorfacelift Modelle) muss man nicht unnötig viel Geld für eventuelle Reparurkosten mit einplanen.
Insgesamt ist der Boxster beim TÜV eher unauffällig und gilt, neben der Problematik mit den anfälligen Motoren, als ausgereift und robust.

Porsche Boxster 986 Vorfacelift mit "Spiegeleier-Scheinwerfern"

Fazit

Auch wenn angebotene Fahrzeuge mit einem Preis von unter 10.000 EUR charmant erscheinen, wird der günstige Einkaufspreis oft mit teuren Folgekosten erkauft. Gerade beim Kauf eines Porsche Boxster (986) ist zwingend auf eine gute Wartungshistorie zu achten. 

Unter sportlichen Gesichtspunkten sollte man auf Fahrzeuge mit der Tiptronic Automatik verzichten. Exemplare mit Schaltgetriebe begeistern zwar durch die sehr präzise Gassenführung und das charakteristische „Klack“-Geräusch beim Gang einlegen, sollten aber zur Vorsicht im Porsche Zentrum auf Überdreher geprüft werden. Hierzu kann man das FA-Protokoll des Fahrzeugs auslesen. In diesem Protokoll werden alle Überdreher, also „Verschalter“ gespeichert und können so transparent gemacht werden. 
Das Einstiegsmodell mit 2,5 Liter Hubraum und 204 PS der ersten Baujahre sollte in jedem Fall gemieden werden. Ab Modelljahr 2000 lohnt sich das Basismodell mit nunmehr 220 PS und 2,7 Liter Hubraum. Richtig Spaß macht allerdings erst der Boxster S und ist hier die klare Empfehlung.

Unterm Strich bekommt der Käufer bei diesem Auto einen betont sportlichen Roadster, der mit seinem agilen Fahrwerk ebenso begeistert, wie mit dem fantastischen Klang des Boxermotors.