Vorstellung: Opel Olympia Cabrio

Vorstellung: Opel Olympia Cabrio

Der Opel mit dem Haifischmaul ist schon selten genug – doch die offene Variante, seinerzeit schon nicht alltäglich, ist heute eine Rarität. Herrmann Vollmers gehört zu den Glücklichen, die sich den Wind um die Nase wehen lassen können.

„Geh’n Se mit der Konjunktur!“ forderte ein Schlager des Hazy Osterwald Sextetts in den fünfziger Jahren die Gewinner des deutschen Wirtschaftswunders auf. Zu dieser Zeit wollte man zeigen, dass man es zu etwas gebracht hatte und ein neues Auto fuhr – und nicht etwa das Modell vom Vorjahr! So kann Hermann Vollmers (Olli55) auch ohne Blick in die Papiere genau sagen, aus welcher Baureihe sein Opel Olympia stammt: „Das ist eine 55er Ausführung. Die Modelle davor und danach hatten eine andere Front, vor allem der Kühlergrill sah damals jedes Jahr anders aus.“
Nach seinem Exemplar suchte Vollmers ganz gezielt – mit einer entsprechenden Anzeige in einer Fachzeitschrift. „Fünf Angebote habe ich bekommen. Darunter war dieser hier, und das schien mir das reellste Angebot zu sein. Der Wagen war zwar morsch, aber bis auf die Uhr im Armaturenbrett komplett und hatte eine nachvollziehbare Historie“, erinnert sich der Mann aus dem Sauerland. Vom Erstbesitzer nach zehn Jahren still gelegt, geriet der Zweitürer mit dem Haifischmaul-Grill in die Hände eines Studenten, der ihn dann einem Opelhändler in Bad Kreuznach überließ. „Dort hatte man wohl die Absicht, den Olympia als Schaustück für den Ausstellungsraum herzurichten. Aber aus Zeitmangel kam es nicht dazu, und so konnte ich ihn kaufen, für damals 1.500 Mark.“ Das war vor mehr als 25 Jahren zwar nicht wenig Geld für einen stark restaurierungsbedürftigen Mittelklasse-Opel. Vollmers wusste jedoch, welch seltenes Exemplar er da ergattert hatte. In den Jahren 1954 bis 1956 – als der Olympia Rekord P1 eingeführt wurde – produzierte man in Rüsselsheim gerade einmal rund 12.500 Cabrio-Limousinen. „Überlebt haben von denen vielleicht zwei Dutzend“, schätzt der Opelfan aus Lennestadt. Das wären ganze zwei Promille der Gesamtproduktion! Nachdem der gelernte Kfz-Mechaniker schon zuvor mehrere Olympia Limousinen besessen hatte, kannte er sich mit der Baureihe aus und konnte auch auf einige Ersatzteile aus dem eigenen Fundus zurückgreifen. Nach dem Motto „Sekt oder Selters“ strahlte er den Wagen: „Mangels Strahlkabine unter der Hebebühne in unserer Werkstatt, das Ganze mit einer Plane abgehängt und natürlich nach Feierabend“, weiß Vollmers noch. Auf der Veterama in Mannheim stieß er zu seiner Freude auf einen ganzen Posten Verschleißteile für seinen „Olli“, unter anderem auf zwei Reparatursätze für die doch ziemlich ausgeschlagenen Achsschenkel. Andere Teile fanden sich noch im Lagerbestand bei alt eingesessenen Opelhändlern, die Vollmers Anfang der achtziger Jahre anschrieb oder besuchte. Chromteile konnte er aus Norwegen beschaffen, und Ersatz für den unrettbar verrosteten Kotflügel hinten links fand er bei einem Opelhändler im hessischen Waldbröl, der ihm das Teil bei einem Zufallsbesuch mit den Worten zeigte: „Könn’ Sie dat Ding zuordnen?“ Nach über einem halben Jahr Restaurierung juckte es Hermann Vollmers dann doch im Gasfuß – er wollte seinen Olympia endlich fahren! „Daraufhin habe ich den Wagen in meiner Ungeduld selbst in der Garage lackiert. Das Ergebnis war zwar recht ansehnlich, auf Dauer hat es meinen Ansprüchen aber nicht genügt,“ gesteht der 59 jährige. Also verkaufte Vollmers einen Teil seiner gehorteten Ersatzteile und finanzierte so eine Profilackierung und ein neues Verdeck in Top-Qualität. Dabei genehmigte sich der Mann vom Lenneufer eine Abweichung vom Originalzustand: Der Bezugsstoff seiner Wahl ist dunkelbraun, der ursprüngliche war grün, aber „so sieht es harmonischer aus“, findet Vollmers. Später bekam der seltene alte Opel noch eine Anhängerkupplung spendiert. „Die hatte ich noch von einer längst geschlachteten 56er Limousine. Leider war das Typenschild abhanden gekommen, aber da hat der Rechtsnachfolger des Herstellers PeKa einen super Service geleistet“, freut sich Vollmers. „Nach Zusendung des alten Briefs mit der Eintragung der Anhängevorrichtung bekam ich ein neues Typenschild per Post.“ Den passenden Anhänger aus dem Hause Westfalia restauriert er derzeit. Nun ist er mit dem Olympia auf einschlägigen Treffen zu Gast, „so oft es meine Zeit erlaubt. Leider ist das selten genug der Fall. Aber die Rente kommt ja irgendwann in Sicht…“

Diese Heldengeschichte über die Opel Olympia Cabrio-Limousine entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds Olli55.