Windjammer – Passat Variant LS

Windjammer – Passat Variant LS


Marktbeobachtung

Als der Kombinationskraftwagen, kurz: Kombi, sich ansatzweise zur gesellschaftlich geduldeten Karosserievariante entwickelt hatte, kommt der Passat. Als Schrägheck. Ein halbes Jahr darauf, nämlich im Herbst 1973, steht er jedoch unter dem stilbildenden Namen „Variant“ auch als Kombi in den Verkaufsräumen. Und so liebenswert-schrullig die Flachboxer-VW Typ 3 Variant auch gewesen sein mögen – der Passat fährt ihnen sofort den Rang ab. Und schickt den Typ 3 in den wohlverdienten Ruhestand.

Nein, der Passat ist anders. Wie sein Namensgeber ist er der frische Wind im angestaubten und arg angeschlagenen VW-Konzern. Entstanden ist der aufs engste an den Audi 80 angelehnte Passat durch die zusammenarbeit und Freundschaft zweier sich ebenso nahe stehenden Macher: Audi-Entwickler Ludwig Kraus und VW-Chef Dr. Rudolf Leiding. Leiding, frisch auf den Schleudersitz des VW-Vorstandes gehoben, wischt teure Modellpläne vom Mahagonitisch des Vorstandszimmers und präsentiert seine eigene pragmatische Linie: Mach den Audi 80 zum Fließheck, gebe ihm eine andere Front und schreibe „VW“ darauf – fertig. Zeichne ihm aber auch ein langgezogenes Heck mit tief nach unten reichender Heckklappe und nenne ihn „Variant“ – voilà: Die Segel zu neuen Erträgen waren gesetzt.

Gerade einmal 55 PS besitzt die Grundversion, satte 85 PS zeichnen den Sportler Passat TS aus. Das reicht, um weit vorn in der Mittelklasse mit zu fahren. Der Variant toppt alles bisher im Konzern da gewesene an Laderaum, den Bulli einmal ausgenommen. Von 420 bis 1.320 Liter reicht der Gepäckraum, der nun nicht mehr durch einen Heckmotor beschränkt wird. Der  wassergelühlte Vierzylinder dagegen liegt genau richtig auf der angetriebenen Vorderachse und sorgt für ein sicheres Handling. Gleichzeitig steigen die Fahrleistungen und sinkt der Verbrauch des neuen Variant. Und es gibt ihn – endlich! – als Viertürer.

So pfeilt der Passat mit seinem so charakteristischen Pfeifen an den Regenleisten durch den Fahrtwind. Dieses geräusch wird, zusammen mit den hell singenden Motoren, zum Erkennungszeichen der gesamten Generation. Das Modelljahr 1978 bringt eine unschöne chirurgische Plastiknasen-OP mit sich, allerdings auch den 110 PS starken und heute extrem raren Passat GLI.

Extrem rar sind heute jedoch auch die Passat Variant der ersten Phase. Wenige haben dem braunen Tod Paroli bieten können, der Rest wurde als Verbrauchtwagen in den ehemaligen Ostblock exportiert. Der hier angebotene Netzfang weist noch nicht einmal die typischen Hitzerisse des Armaturenbretts auf – seit über 20 Jahren hat das Fahrzeug in einer schattigen Garage parkiert. Das zahlt sich aus – hofft jedenfalls der Anbieter, der trotz des guten Zustands des Wagens übers Ziel hinauspreist. Handeln ist angesagt. In jeder Beziehung.