Wie der Volvo Amazon entstand

Wie der Volvo Amazon entstand


Schlau werden mit Carsablanca

Der Volvo Amazon entstand in einem langen Tauziehen um Entwürfe und Gegenentwürfe. Dank des Einfühlungsvermögens von Chefdesigner Wilsgaard ist trotzdem eins der schönsten Autos der Geschichte herausgekommen.

Die Wurzeln des Amazon-Designs liegen in einer Karosserie, die Vignale auf ein PV444-Fahrgestell gesetzt hatte, eine Einzelanfertigung im Auftrag eines Privatmanns. Das Auto zeigt Gestaltungselemente, wie sie bei Borgward Isabella und Alfa Romeo Giulia Verbreitung fanden. Zur selben Zeit, Ende 1953, hatte der freischaffende Designer Helmer Petterson (der den schönen Volvo-Prototypen P179 gekippt hatte) seinen Buckel-Nachfolger fertig, den Typ PV454.

Der Entwurf ging zwar bald in Produktions- vorbereitung, aber wieder (wie schon beim P179) erlag Volvo-Chef Gabrielsson seinen Zweifeln. Diesmal zu Recht, der PV454 war ein trauriges, unharmonisches Wesen, bis hin zur Knickscheibe.

Gabrielsson beauftragte Chefdesigner Jan Wilsgaard und dessen Kollegen Rustan Lange (sonst zuständig für die Volvo-Innengestaltung) mit Gegenentwürfen. Das Ergebnis war kurios. Langes Auto, intern Typ 65, war ein bisschen plumper, als hätte er die Borgward-Elemente des Vignale-Volvos aufgenommen.

Wilsgaards Entwurf, der 55, nahm eher die Alfa-Einflüsse auf, bis hin zum wappenschild- förmigen Kühlergrill. Wenn man aber dieses Modell halb aus den Augenwinkeln anschaut und die Dachlinie ignoriert, steht da ein Amazon – Volvos Zukunft.

Ein Kompromisswagen und eine Amazone

Wieder mochte Assar Gabrielsson sich nicht zu einer Entscheidung durchringen. Statt dessen gab er Jan Wilsgaard den Auftrag, eine Kombination aus dessen Typ 55 und Pettersons PV454 zu entwickeln. Diese Anweisung dürfte Wilsgaard nicht froh gemacht haben, denn der PV454 hatte wenig brauchbare Lösungen. Er behalf sich, indem er wieder zwei Entwürfe vorlegte, einen Kompromisswagen und einen, der den 55 weiterführte.

Wie konnte er nur! Das war nicht das klare Ergebnis, das der Vorstand erhofft hatte. Schon wieder musste man sich zwischen zwei Entwürfen entscheiden.  Assar Gabrielsson soll über Wilsgaards Entwurf gesagt haben: "Der sieht aus wie ein Pin-Up!"

Gut ausgedrückt, und zutreffend bis heute. Nach einigem Hin und Her erhielt Wilsgaards eigener Entwurf den Zuschlag, Wilsgaard feilte ihn noch aus, dann wurde er im Februar 1956 der Presse als Typ 120 Amazon vorgestellt. Einziges Überbleibsel vom PV454 ist der zweigeteilte Kühlergrill, den Wilsgaard aber völlig uminterpretierte und harmonisch in die Gesamtform integrierte.