Wegemutig – Land Rover 88

Wegemutig – Land Rover 88


Marktbeobachtung

Wenn die letzten Häuser des weit und breit einzigen Dorfes in der Umgebung im Rückspiegel schrumpfen, sich rechts und links nichts als weite Flächen Ackerland ausbreiten und sich der regengraue Himmel schwer auf die Landschaft zu legen scheint, dann weißt du: hier oben sitzt du richtig. Die linke Hand am Steuer, die rechte auf dem langen, leicht vibrierenden Schalthebel ruhend und vor dir, unter der kantigen Haube, das erdige Brummeln der Maschine. Ob es denn von diesem Auto auch noch eine Straßenversion gäbe, möchte mein Beifahrer wissen. Seufz.

Diese Ignoranten! Es kann doch nur einen geben: Land Rover heißt er, wird seit über 50 Jahren äußerlich fast unverändert gebaut und vermittelt einem noch immer das Ur-Gefühl vom Fahren mit unmittelbarem Umweltkontakt. Für Menschen wie meinen Beifahrer haben wir einen lustigen ausgewachsenen Löwen mitgenommen. Das lenkt schön ab von den schlechten Fahreigenschaften.

Schweißperlen. Angehaltener Atem. Überwinde den Brems-Impuls und trete das rechte Pedal ganz durch! Asthmatisch pfeifend saugt der Motor noch einmal schnell Luft an, bevor die eben noch durch die Windschutzscheibe sichtbare Sonne nach oben wegkippt und der Lander grummelnd in der trüben Brühe des nächsten Schlammlochs verschwindet. Mindestens 45 Prozent Steigung liegen vor deinem jetzt nach hinten geworfenen Körper. Die Karre rüttelt. Schüttelt. Du spürst förmlich die Verschränkung der mächtigen Achsen unter dir am Wagenboden, und dann bist du oben. Und wieder unten. Und wieder oben. So hangelt sich der Land Rover von Böschungswinkel zu Böschungswinkel, bevor sich Fahrer und Fahrzeug wieder dem Horizont gegenüber finden. Puh. Ist es nicht schön, wie man vom rechten Weg abkommen und dabei ziemlich viel Spaß haben kann?

Kein anderes Fahrzeug passt besser in diese Szenerie als die lebende Automobil-Legende namens Land Rover. Keines. „Wer an Expeditionen denkt, denkt an Land Rover“, hat mal jemand geschrieben, und dies zu Recht. Gab es doch damals eigentlich kein weiteres ernst zu nehmendes Gelände-Gefährt, das ihm den Kuhfänger hätte reichen können.

Nicht nur Image-mäßig fuhr der Land Rover seinen Nebenbuhlern auf und davon. Ob vor dem Golf-Clubhaus im schottischen St. Andrews, nebenan im Hochland vor dem bäuerlichen Cottages oder in den Steppen Afrikas, Westindiens, in Peru, Ghana … Land Rover zählen war das Hobby eines Freundes, der in Afrika aufwuchs und das Land im VW Käfer durchquerte. Noch heute guckt er sich nach jedem Lander um, der durch unsere Großstadtdschungel fährt. So ist das halt mit Legenden und Mythen.

„Africa is in me“, sagte einst der Forscher Henry Morton Stanley. Genau das trifft auf den Land Rover zu. Er hat die perfekte Charakteristik für Straßen, die genau genommen gar keine mehr sind. Er ist ein Pisten-Fahrzeug. Auf normalem Asphalt sind seine Fahreigenschaften erträglich, auf holperigen Landstraßen schlicht schlimm. Da meldet die hochbeinige Aluminium-Karosse jede Unebenheit direkt an die Bandscheibe der Fahrgäste, die so genau nun doch nicht über den Straßenzustand informiert sein wollten.

Aber man kann sich ja ablenken, siehe mein Beifahrer (sie erinnern sich an den kulturverseuchten Schmock mit der putzigen Riesenkatze?), oder Sie deklarieren ab sofort jede längere, potenziell unbequeme Reise mit dem Lander als "Expedition": zu Aldi, zum Kaffeekränzchen nach Blankenese, zum Frisör, zum Getränkemarkt. Genau. Besonders letzte Institution ist seehr wichtig in der Wüste.

Autor: Knut Simon

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