VW Passat 32b Variant syncro

VW Passat 32b Variant syncro


Marktbeobachtung

Kollege Till Schauen hat ihm gerade zu Recht die Klassiker-Weihen verliehen, also will auch ich mich nicht lumpen lassen und der Kaufberatung gleich ein Kaufangebot folgen lassen. Die Rede ist vom Passat syncro, mit dem Volkswagen erstmals vom rechten Wege abkam und seine Kunden dadurch recht viel Freude bereitete.   

Nicht weit entfernt von Wolfsburg liegt der Harz mit seinen schneebedeckten Gipfeln. In diese beschaulichen Gefilde der Vor-Wendezeit drang ab 1984 der Passat mit permanentem Allradantrieb ein. Mit blubberndem Fünzylindergrollen durchbrachen die ersten Vorserienexemplare die Stille, die sich über die wenig bekannten Nebenstrecken des Harzes gelegt hatte. Leise rieselte der Schnee von der dunklen Tannenwand zwischen Bad Harzburg und Bad Lauterberg, als silberfarbene Variant mit den verräterischen Schriftzügen "tetra" in Heckscheibe und auf der Heckklappe ihren Testparcours abspulten.

Genau, richtig gelesen: Fast hätte es die (auch schon wieder historische) Bezeichnung "syncro" nie gegeben. Erst in letzter Minute entschieden die Wolfsburger, den Namen "tetra" fallen zu lassen – hastig wurden die 50 Vorserienwagen mit neuen Heckscheiben und Schriftzügen versehen, bevor es in Richtung Präsentation ging. Ob rechtliche Gründe gegen die ursprüngliche Bezeichnung gesprochen hatten oder den Marketingstrategen dann doch die formale Nähe ihres "Heidedesign"-Kombis zum ähnlich klingenden Trinkkarton unbehaglich wurde – man weiß es nicht so genau.

So hieß er dann also syncro, bekam neben dem braven, aber im Vergleich sturzlangweiligen Vierzylinder mit 90 PS alsbald den Fünfzylinder vom großen Bruder Audi eingepflanzt – erst als 115-PS-Vergaser, dann als 136-PS-Einspritzer, und diesen zuletzt sogar mit G-Kat – und eine Ausstattung die gehobene sportive Ambitionen anklingen ließ: Sportsitze, Servo, spezielles luxuriöses Interieur, elektrisches Schiebedach, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Vierspeichen-Sportlenkrad, Colorverglasung.Stereo-Cassettenradio "gamma", Alufelgen und Nebelscheinwerfer. Dachreling, B- und C-Säule waren vornehm mattschwarz beklebt, und alsbald fuhren ihn die Lifestyle-Fuzzis der 80er genau so wie der mindestens CDU wählende alte Oberförster, der Freizeitkapitän oder der Abteilungsleiter aus Wolfsburg.

Seinen sportiv-robusten Charakter postulierte der Variant syncro äußerlich durch schwarze Kunststoffverkleidungen von Seitenschwellern und Radläufen, die er sich vom GT abgeguckt hatte, die unverwechselbaren Stern-Alus hatte der Santana spendiert. Unter dem Blech steckte viel Audi-Inspiration, angefangen von den Motoren bis, natürlich, zum permanenten Allradantrieb mit Viscokupplung und Differenzialsperren. Dank deren Hilfe konnte der Passat syncro sich tatsächlich schmatzend durch so manchen Modder wühlen, wo ein Jägerkombi aus Stuttgart längst die Hecktriebler-Hufe gestreckt hatte. "Syncro bedeutet doch nur, dass man dort festfährt, wo auch kein Abschlepper mehr hinkommt", ätzten die Konservativen unter den Gamsbartträgern in ihrer wutgeschwängerten Scham, wenn der erste Schnaps sie nach ihrem Ausflug in den Straßengraben wieder sprachmächtig und der Variant syncro ihren Daimler wieder flott gemacht hatte. Solche Heimspiele am Stammtisch konnte man damals im ländlichen niedersächsischen Raum des öfteren beobachten.

Schöne Kombis heißen Avant, kommen von Audi und haben keinen Platz. Große Kombis heißen T-Modell und kommen nicht durch. Lademeister mit herbem Hartplastik-Charme schließlich hörten auf den Namen Passat Variant Syncro und kamen fast immer überall hin. Bis ins Jahr 2008 haben sie sich gerettet, sind allesamt nur leidlich lädiert und voll einsatzbereit. Mit nur einem Quentchen an Mindestaufmerksamkeit werden sie auch die nächsten 20 Jahre mühelos ihre Runden diesseits und jenseits des Asphalts abspulen, so wie das von uns aus dem Netz gefischte, in elegantem Schwarz lackierte Exemplar.

Der Anbieter ist selbst Fan und wird seinem Kantenhauber vom Mittellandkanal garantiert nachtrauern, sobald dieser, mit einem neuen glücklichen Eigner am Steuer, den Hof verlassen hat. Ein bemerkenswert gut erhaltenes Interieur lässt beruhigende Rückschlüsse auf die sonstige Verfassung des Wagens zu, der Preis ist beinahe lächerlich und die Klassiker-Weihen – siehe oben – erteilt. So blasen wir im Geiste Halali und eröffnen die Jagd auf eines der letzten Exemplare des Passat 32b Variant syncro. Petri Heil!