VW Golf GTI: Die Geschichte des "Sport-Golf"

VW Golf GTI: Die Geschichte des "Sport-Golf"

Auch der Golf GTI feiert 2011 ein Jubiläum - Seit nunmehr 35 Jahren gibt es ihn. Offiziell. Die Geschichte des GTI begann natürlich früher. Und das gar nicht offiziell.

Mit rund 1,7 Millionen verkauften Exemparen ist der Golf GTI – einer der erfolgreichste Kompakt-Sportwagen der Welt. Im Juni 1976 erfolgte der Serienanlauf des ersten Golf GTI. Geplante Auflage der ursprünglich limitierten Edition: 5.000 GTI. Doch es kam ganz anders. Der 81 kW / 110 PS starke und 182 km/h schnelle Golf GTI eroberte eine neue Klientel und begründete die GTI-Klasse. Aus 5.000 Exemplaren wurden in fünf GTI-Generationen mehr als 1,7 Millionen.

Seit 35 Jahren gibt es den Golf GTI. Offiziell. Seine Geschichte begann natürlich früher. Und das gar nicht offiziell. Eine Gruppe von Enthusiasten, die sich der dynamischen Seite von Volkswagen verschrieben hatte, trieb das Projekt „Sport-Golf" ab 1974 zunächst im Verborgenen voran. Federführend: Anton Konrad, damaliger Pressechef, und Alfons Löwenberg, ein Ingenieur mit Benzin im Blut...

Die Idee war simpel schildert Alfons Löwenberg sein Anliegen von damals: "Ein Sportwagen für die Jugend". Da Volkswagen zu der Zeit zur Genüge ausgelastet war gab es zunächst keine offenen Ohren für ein solch speziell anmutendes Projekt. Trotzdem tüftelt der Ingeneur im Verborgenen weiter. Löwenberg pflanzt einen Weber-Doppelvergaser auf den 1.6-Liter-Motor des Golf, verpasst der Karosse einen amtlichen Sportauspuff und senkt das ganze Gefährt brachial ab. Der Komfort tendiert gegen Null. Als er das Gefährt das erste mal dem Forschungsvorstand präsentiert fällt das Urteil vernichtend aus: „Unfahrbar, dieses Auto!".

Golf GTI Cockpit (1976)

1974 lädt Löwenberg den Entwicklungschef und Golf-Projektleiter Hermann Hablitzel, Jürgen Adler (Abteilungsleiter der Konstruktion Innenraum), Herbert Schuster (Leiter Pkw-Versuch), Horst-Dieter Schwittlinsky (Marketing) und Alfons Löwenberg zu sich nach Hause ein. Bei einem Gespräch bei Kaffee und Kuchen kann Löwenberg Klarheit in das Projekt „Sport-Golf" bringen. Erstmals wird ein deutlich umrissenes Ziel gesetzt: Entstehen soll ein sportliches, komfortables und alltagstaugliches Auto – kein klöternder Rennwagen. Zunächst wurden 5.000 Exemplare angepeilt. Ein großer Erfolg für Löwenberg.

Die GTI Zutaten

Aus Kosten- und Gewichtsgründen wird das Grundmodell des Golf zur GTI-Basis und dessen Fahrwerk der zusätzlichen Motorkraft angepasst. Schuster: „Die Vorderachse bekam einen Stabilisator sowie größere Bremssättel und innenbelüftete Bremsscheiben spendiert. 20 Millimeter kürzere Federn und entsprechende Dämpfer ließen den Golf dezent in die Tiefe sinken. Damit wurde der spätere GTI vor allem im Grenzbereich unproblematischer und blieb auch bei hohen Geschwindigkeiten komfortabel." Recaro steuert die Sportsitze bei, das Sportlenkrad spendiert der kurz zuvor präsentierte Scirocco TS. Parallel macht die Designabteilung ein Brainstorming: Wie ein solches Auto denn am besten aussähe? „Die Farbkombination Schwarz-Rot empfanden wir damals als sehr sportlich", berichtet Gunhild Liljequist, die seinerzeit Stoffmuster, Türverkleidungen, Innenausstattungen und später weitere Sondermodelle bei Volkswagen entwirft. Für den kreiert sie das inzwischen legendäre Schottenkaro der Sitzbezüge. Einem Kollegen fällt der rot umrandete Kühlergrill ein, ihr selbst der Golfball als Schaltknauf.

Golf GTI (1985)

Der Motor

Doch noch gibt es ein technisches Problem: „Den Kundendienst auf Weber-Doppelvergaser zu schulen, und alles wegen 5.000 Autos – völlig undenkbar!" sagt Konrad, der mitten im Projekt vom damaligen Audi Entwicklungschef Ferdinand Piëch nach Ingolstadt eingeladen wird. Anton Konrad: „Herr Piëch stellte mir den neuen Audi 80 GTE vor und fragte, ob ich eine Runde mitfahren wolle. Ich habe spontan ‚Ja’ gesagt." Konrad ist sofort begeistert von dem 110-PS-Einspritzer und weiß: Das ist der richtige Motor fürs „Projekt"! Der von Konrad hierüber informierte Piëch entscheidet spontan: Volkswagen bekommt 5.000 GTE-Motoren für das neue Golf-Topmodell. „Damit", so Konrad, „wussten wir: Jetzt ist das Auto komplett und kann offiziell zur Entscheidung vorgelegt werden!"

Die Entscheidung

Der Vorstandsvorsitzende Toni Schmücker wird nun von Konrad in das mittlerweile offene Geheimnis eingeweiht, das als Projekt „Sport-Golf" zur Abstimmung vorgelegt wird. Der Rest ist Geschichte: Aus ursprünglich 5.000 geplanten Golf GTI wurden bis heute nahezu 2 Millionen...

Fotos: (c) Volkswagen
Quelle: Volkswagen