VW Bulli T2a Postbus

VW Bulli T2a Postbus


Marktbeobachtung

Wie gern erinnern wir uns der Zeiten, als das Posthorn noch grafisch von jeder Tür der VW-Postbusse schmetterte, das frische Gelb deshalb so in den Augen knallte, weil VW noch ordentlich viel Cadmium in den Lack mischen durfte und Capri Sonne noch künstlich schmeckte.

Der VW Bulli als braver Erfüllungsgehilfe der Bundespost war vor 40 Jahren so authentisch wie die Blumen auf der Pril-Flasche. Er durchfuhr die Zeit, in der uns die Vorstellung eines Postboten im Renault Kangoo ungefähr so realistisch erschien wie ein Skoda im Fuhrpark der Bundeswehr. Beides ist längst Realität. Früher war halt alles besser – bis auf die Rostvorsorge bei Neuwagen. Doch mindestens einer der fast schon legendären VW-Postbusse hat dem braunen Tod erfolgreich getrotzt und wartet darauf, wieder seine Überland-Touren zu absolvieren. Mittlerweile aber nicht mehr als reine Paketkutsche, sondern als patiniertes Freizeitmobil – bis heute übrigens die klassische zweite Karriere ehemaliger Behördenfahrzeuge, die man nach wie vor preiswert aus Bundesbeständen ersteigern kann. Wenigstens das ist uns geblieben.

Am hier angebotenen Exemplar hat fast jedes Jahrzehnt seit Inbetriebnahme seine Spuren hinterlassen: Die Siebziger das aufgepflanzte Reserverad am Wagenbug, die Achtziger das schaurige Klebe-Dekor, die Neunziger den Spiegel des Nachfolgemodells T3 und das 21. Jahrhundert die auf den Fotos gut erkennbare Abschleppstange. Jetzt heißt es 1.999 Euro in die Hand nehmen und handeln, bevor sich die Hydraulikpresse auf immer über dem eingetrübten GfK-Dach schließt.

Wie viele Kandidaten in dieser Rubrik ist auch der T2a-Bulli in Bundespost-Ausführung beinahe vollkommen aus den Zulassungsstatistiken des Kraftfahrtbundesamtes getilgt. Der aktuelle zum Verkauf stehende T2a ist darin ebenfalls nicht mehr enthalten, weil seit acht Jahren abgemeldet. Dafür wacht der ADAC-Aufkleber sorgsam über aufplatzende Rostwunden, die laut Besitzer-Information nicht TÜV-relevant seien. Wir glauben dem guten Mann mal alles, denn der Sympathie heischende T2a macht einen im Verhältnis ordentlichen Eindruck. (Oder ist dieser Eindruck doch der rosaroten Sonnebrille von 1973 geschuldet, die ich gerade aufhabe?) Ob dieser Bulli auf Dauer preisgünstiger als ein Hotelaufenthalt wäre, wüßte man erst im Nachhinein ...

Innen gemahnt der offerierte T2a an die häufigsten Farben von Do-it-yourself- Ausbauten des Jahrgangs 1981. Brr! Textilmuster, die wir noch nicht einmal Hobbythek-Wirt Jean Pütz zugetraut hätten! Die Camping-Ausstattung scheint jedoch professionell eingepasst und gut erhalten zu sein.

Längst sind die Zeiten vergangen, in denen der T2a-Bulli zum alltäglichen Anblick auf unseren Straßen gehörte und auf dem Campingplatz neben Simca 1000 und Opel Rekord C in den Sonnenuntergang über der Ostsee blinzelte. Man sollte ihn wieder einmal fein herausputzen und ausführen. So wie damals, als uns das Rauschen des Boxers im Heck, die Prilblume am Armaturenbrett und die Eagles aus den nachgerüsteten Kugellautsprechern von Tempo 95 und 12 Liter Verbrauch ablenkten. Und uns dem Postillion in seinem brandneuen Golf I Diesel zuwinken ließen. 

Autor: Knut Simon