Vorstellung: Toyota Corona (1973–1978)

Vorstellung: Toyota Corona (1973–1978)


Portrait

Den kennt hier keiner mehr: Der Toyota Corona ist der vergessene Luxus-Bruder des Celica. Umso größer das Glück, wenn man ein gut erhaltenes Exemplar findet

Volker Moll hat ein Faible für bizarre Dinge. Besucher überrascht er gern mit einer Sammlung seltener Blechspielzeuge. Seine liebsten sind die Spielzeuge aus Japan. Weil sie zwar alltägliche Dinge wie Autos, Raketen und Flugzeuge darstellen sollen, aber man als Betrachter viel Phantasie braucht, um die Vorlagen darin zu erkennen. Alle sehen sie ein wenig missverständlich aus, ein bisschen verrutscht. In seiner Garage steht das Pendant zu den Modellautos: ein 1975er Toyota Corona.

Entfacht wurde Volkers Leidenschaft für japanische Autos allerdings mit einem anderem Wagen: einem Honda S800. Ein echter Sportwagen, nur irgendwie zwei Nummern zu klein und mit einem Motorradmotor; ein Freund fuhr mit sowas herum. "Ich hab mir sofort Bücher über japanische Autos besorgt und entdeckte darin den Honda Z. Drei Meter zehn lang, ein Motorradmotor mit 34 PS aus 598 Kubik, ein Design wie aus Entenhausen. Das Ding ist für mich der Brüller, es gibt nichts, was dem Z irgendwie ähnlich ist, selbst ein Smart ist gewöhnlich daneben." Nur erst mal einen Z finden, das war gar nicht so leicht. 1998 hatte er endlich einen - allerdings dauerte es noch zwei weitere Jahre, bis Volker den Wagen in seinen Wunschzustand versetzt hatte und endlich damit auf die Straße durfte.

Da bestätigte sich zwar der Unterhaltungswert des Winz-Wagens, aber es stellte sich auch heraus, dass längere Strecken im Z ein bisschen anstrengend sind. Also beschäftigte sich Volker fortan mit den Toyotas der Siebziger Jahre und fand schnell seinen neuen Traumwagen: "Der Corona schlägt sie alle, weil er so amerikanisch aussieht. Die dicken C-Säulen, die Leuchteinheiten am Heck, fast wie ein Vorstadt-Dodge. Außerdem hat er einen ziemlich guten Motor, mit obenliegender Nockenwelle, halbkugelförmigen Brennräumen und Leichtmetallkopf. So einen wollte ich haben."

Fast ausgestorben 

Zwar konnte er sich dunkel erinnern, einen Corona tatsächlich mal im Straßenverkehr gesehen zu haben, aber das lag so lange zurück, dass Volker vermutete, die Karren seien ausgestorben. So nahm er mit einem Toyota-Händler Kontakt auf, der - anders als die meisten Händler - für frühe Toyota interessiert, und nannte seinen Wunsch: Falls er mal von sowas erführe, hier die Telefonnummer ...

Volker fiel aus allen Wolken, als der Mann gleich eine Woche später anrief: "Das war mir ein bisschen früh. Ich hatte damit gerechnet, vielleicht zwei Jahre später mal was zu hören." Als er vor dem Auto stand, gab es allerdings kein langes Überlegen. Der Wagen war richtig gut erhalten, im Kaufpreis ein Lieferwagen voll Ersatzteile inbegriffen, darunter drei Motoren, Kotflügel und Hauben und andere nützliche Dinge, Volker musste einfach zugreifen.

Einer der besten Japaner im Land 

Andere Leute hätten das Auto angemeldet und gefahren. Volker nicht. Er sah genauer hin und entdeckte ein paar rostige Macken, besonders im Motorraum. Also zerlegte er das Auto völlig und arbeitete es komplett neu auf: "Macken beseitigt, Verschleißteile ersetzt, alles ein bisschen netter gemacht."

Das dauerte ein Jahr, danach hatte er einen der besten Japaner Deutschlands. Die Makellosigkeit des Zustands kann aber auch nicht verhindern, dass man als unbeleckter Betrachter davor steht und nicht weiß, ob man sich gruseln soll oder applaudieren. Ist das Autos nun ein Geniestreich oder ein schreckliches Missverständnis? Doch genau das findet Volker ja so wunderbar.

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