Vorsicht, Lebensgefahr! Ford Granada II Limousine

Vorsicht, Lebensgefahr! Ford Granada II Limousine


Marktbeobachtung

Da kommt 1977 ein Auto daher, so sicher wie ein schweizer Geldschrank, so robust wie die Kölner Rheinbrücke und so ruhig wie die Rentnerhand, die ihn lenkt. Doch Vorsicht! Nur 31 Jahre später enthüllt ein unscheinbares Inserat die Wahrheit über den Ford Granada II.

Es ist unglaublich. Es macht uns fassungslos. Es öffnen sich Abgründe. Unscheinbar in den digitalen Weiten von mobile.de verborgen, lauert eines der anscheinend hinterhältigsten automobilen Objekte auf einen ahnungslosen Käufer. "Ford Granada 2.0", lesen wir da, "66.000 Kilometer, in einem guten Zustand, ausser der 1. Hand, original KM."

Alarmiert holen wir Luft. Mein lieber Scholly. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen wie ein frisches Kölsch nach Schichtende. Merken Sie was? Ich jedenfalls ahnte das Ausmaß des Schreckens, das sich hinter diesen merkantilen Zeilen verbarg. Ein Granada. Stoisch in sich ruhend, auch bei 148 km/h Spitze. Und dann die mit letzter Kraft des zitternden Fingers in die Tastatur eingegebene Warnung: "unfallfrei, ausser der 1. Hand." 

Er hat ihn gemeuchelt. Der Granada hat im Affekt des drohenden Verkaufs nach 31 Jahren behüteten Vorstadtgaragen-Daseins seinen Besitzer blutig verstümmelt. Hand ab. Arm dran, der Erstbesitzer. Rot Händle statt grüne Umweltplakette.

Absolut verständlich, dass Grand Daddy seinen Granni nach diesem Zu-Fall der Fahrertür auf den nächstbesten Gebrauchtwagen-Kiesplatz in Hamburg-Hamm schob. Muss ganz schön beschwerlich gewesen sein, ein Arm in der Schlinge, der andere durchs offene Fenster am Lenkrad. Und das Ganze womöglich noch im Hamburger Berufsverkehr. Und ohne Servo.

Wir jedenfalls haben verstanden. Aber den Gebrauchtwagenhändler scheint es ebenfalls erwischt zu haben. Weshalb sonst sollte er uns Spürhunde mit kaum versteckten Hinweisen warnen wollen? "Original KM" bedeutet sicherlich nichts geringeres als "original Killer-Maschine", und als ultimatives Hindernis vor gesundheitsgefährdendem Kauf hat der Anbieter mit entweichender Kraft aus seinen Gliedmaßen noch schnell eine "3" vor die ursprünglichen 800 Euro gesetzt.

Und die, die noch immer nicht verstanden haben, mahnt in finaler Instanz der Händlername: "Kain Automobile". Das ist – mindestens! – doppeldeutig, in jedem Falle jedoch unmissverständlich: Vade retro, Satanas!