Kaufberatung: Volvo 780 Coupe (1985–1990)

Kaufberatung: Volvo 780 Coupe (1985–1990)

1982 bekommt die „carrozzeria bertone“ in Mailand von VOLVO den Auftrag ein eigenständiges Coupé auf Basis des VOLVO 760 zu entwickeln. Nur der Achsstand, der Motor und das Getriebe werden von VOLVO vorgegeben, ansonsten wird den italienischen Designern freie Hand gelassen da der Jahre zuvor dort „nur“ umgebaute VOLVO 262C, es wurde das Dach gechoppt und eine edle Innenaustattung eingebaut, optisch umstritten war. Da Bertone zum gleichen Zeitpunkt den MASERATI BITURBO baut, fliessen gewisse Designformen mit ein. Eine Familienähnlichkeit zum VOLVO 700 bleibt erhalten obwohl KEIN Karosserie- und Innenraumteil identisch ist. 1985 beginnt die Produktion.

Ausgestattet wird dieses Coupé serienmässig mit Allem was damals technisch möglich war. So wurden nicht nur ca. 20qm Connolly- und Ziegenleder pro Fahrzeug verarbeitet, sondern auch Holzleisten für Armaturenbrett und Türverkleidungen aus 11-lagigem Buchen- und Ulmenholz angefertigt. Eine HiFi-Anlage mit 8 Lautsprechern verwöhnt die Insassen genauso wie eine automatische Klimaanlage, automatische Niveauregulierung und Tempomat. Für die Sicherheit sorgen ABS und pyrotechnische Gurtstraffer.

Edles Leder Fenster und Glasdach sind mittels Knopfdruck bedienbar. Die Aussenspiegel und sogar beide Sitze vorne sind elektrisch verstellbar und beheizbar. Dies unterstreicht den Luxusanspruch der anvisierten Käuferschicht. 10 verschiedene Aussenfarben und 5 unterschiedliche Lederausstattungen stehen zur Wahl. Kaum ein 780 gleicht einem Anderen.

HiFi 1987 Hierdurch gerät der 780 allerdings so teuer (1986 umgerechnet über DM 100.000,-, und damit teuer als z.B. die MERCEDES S-Klasse), dass er in Deutschland gar nicht erst angeboten wird, die meisten Fahrzeuge werden in die USA verkauft. Nach 8.518 Exemplaren wird die Produktion im September 1990 eingestellt.

Als Motorisierungen stehen unterschiedliche 4Zylindermotoren mit Turboaufladung, ein 6Zyl. Turbodieselmotor und ein V6 Benzinmotor zur Auswahl.

Obwohl bis zu 200 katalysatorfreie PS angeboten werden bleibt der 780 mehr ein zeitlos elegantes Reise-Coupé als ein Sportwagen.

Gebrauchte 780 sind selten zu finden; sehr gute und sich im Originalzustand befindliche fast gar nicht, denn sehr häufig werden die 780er aufgrund extrem hoher Ersatzteilkosten mit Teilen instandgesetzt, die aus den normalen VOLVO Serien stammen, also ähnlich sind, aber nicht identisch. Für einen kompletten Stossfänger muss man mit etwa EUR 2.000,- rechnen, für einen Satz Zierleisten mit etwa EUR 3.000,-

Die Preise für gebrauchte 780er steigen stetig an, wobei die wenigen Top-Exemplare, die sich längst in fester Sammlerhand befinden, gar nicht mehr auf den Markt kommen. Europäische Modelle werden ca. 50% höher dotiert.

Im weltweit agierenden VOLVO-BERTONE Verzeichnis sind derzeit neunzehn 780 in Deutschland registriert. Genaue Zahlen kann auch das KBA nicht angeben, da die 780 nicht typisiert wurden.

Meine „DIVA“: Fast ein MASERATI Einen 780er wollte ich schon immer haben, aber dieser musste ganz bestimmten Vorgaben entsprechen:
Es sollte unbedingt ein unfallfreies europäisches Modell sein (es gibt Unterschiede in der Ausstattung zu den US-Modellen) mit dem zu diesem Modell bestpassenden 2,8l 6Zyl., den es nur in Verbindung mit Automatik gab. Eine lückenlose Historie seit der Auslieferung und auch ein geregelter Katalysator waren Voraussetzungen.

Die Chancen solch einen 780 zu finden glichen einem Lotteriespiel.
Nach etlichen Jahren der Suche fand ich dann 2005 über einen Freund „meinen Wunsch“ 780er mit Erstauslieferung in der Schweiz. In fast perfektem Zustand, innen und aussen. Ein paar Kleinigkeiten hatten natürlich Benutzungsspuren, nach 18 Jahren wohl völlig normal.

Kratzer

Ich kaufte den Wagen und setzte ihn dann über viele Monate wieder in den bestmöglichen Zustand zurück (CLASSIC DATA „2+“):

Ich demontierte den 780 komplett, obwohl es eigentlich nicht nötig gewesen wäre, liess den Unterboden Eisstrahlen und neu konservieren, sämtliche Hohlräume wurden mit DINOL geflutet. Motor, Getriebe und Achsen zerlegte ich um sämtliche Verschleissteile zu erneuern. Eine Abgasanlage aus seewasserresistentem Edelstahl liess ich bei einer Hamburger Werft anfertigen, optisch zu 100% dem Original entsprechend.

Natürlich gab es noch 1.001 Kleinigkeiten zu erledigen, für die Beschaffung von Neuteilen habe ich weltweit recherchieren müssen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:
Ein wunderschöner 780 in fast perfektem Zustand den man so kein zweites Mal zu sehen bekommt.

Heute kommt meine „DIVA“ nur noch bei gutem Wetter auf die Strasse und ist bei  Youngtimer-Rallyes (u.A. creme21, Niederrhein-Pfingstrallye) ein gern gesehener Gast. Für das Stehenlassen in meiner Garage habe ich mir die Arbeit nicht angetan.

Weitere Infos:

Text: Richard Junghans