Toyota Land Cruiser – Das Afrika-Souvenir

Toyota Land Cruiser – Das Afrika-Souvenir

Eine abenteuerliche Reise hatte der weißer Toyota Land Cruiser hinter sich, bis er den Weg zu Michael Webert fand. Dennoch wurde der mit dem japanischen Geländekraxler nicht warm

Wenn einer eine Reise tut, dann geht das selten ohne Erinnerungsstücke ab. Ganz besonders, wenn es sich um eine Safari in Ostafrika handelt. Ein ausgestopfter Löwenkopf als Reiseerinnerung ist nicht jedermanns Sache, und Schnitzereien aus Elfenbein fallen mittlerweile ebenfalls unter das internationale Artenschutzabkommen. Folglich empfiehlt sich der Erwerb von etwas harmloserem. Wenn die Größe und das Gewicht des Mitbringsels allerdings die Grenzwerte deutlich übersteigen, hilft beim Einchecken am Flughafen kein Bitten und Betteln.
Das war auch einem süditalienischen Jungunternehmer klar, der sich während eines Urlaubs in Kenia einen Toyota Land Cruiser FJ 40 als Souvenir ausgeguckt hatte. So flog der Mann am Ende seines Urlaubs heim, und der schneeweiße Geländewagen reiste im Container hinterher. Auf dem Absatz des italienischen Stiefels angekommen, wurde der 1975 gebaute Allradler einer technischen Überholung unterzogen und neu lackiert. Danach diente er seinem neuen Eigentümer eine Weile als Spaßmobil. Doch die Treibstoffpreise, die in Italien traditionell noch um einiges höher sind als hierzulande, nahmen dem Besitzer langsam den Fahrspaß.
So stand das Auto zum Verkauf – und fiel einem Fahrradhändler aus dem sauerländischen Lüdenscheid auf, der beruflich in Süditalien zu tun hatte. Er kaufte den weißen Toyota vom Fleck weg und brachte ihn über die Alpen ins "Land der tausend Berge". Doch dabei blieb es: Dem Zweiradfachmann fehlte schlicht die Zeit, sich intensiv um seine Neuerwerbung zu kümmern. Nicht einmal für einen für die Zulassung in der Bundesrepublik unverzichtbaren Gang zum Straßenverkehrsamt, um einen deutschen Fahrzeugbrief zu beantragen, reichte die Zeit. So stand der weitgereiste Allrad-Veteran ziemlich nutzlos herum, als Michael Webert ihn zum ersten Mal sah. Der kaufmännische Angestellte aus Medebach ist seit Jahren Offroad-Fan: „Ich war schon länger hinter einem guterhaltenen alten Land Cruiser her. Hier witterte ich eine günstige Gelegenheit – zu Recht, wie sich erweisen sollte“. Der Fahrradhändler signalisierte auf Anfrage Verkaufsabsichten und mit dem geforderten Kaufpreis konnten beide Seiten leben. So wechselte das alte Geländefahrzeug vom Typ FJ 40 zum wiederholten Male den Besitzer.
Michael Webert ließ dem savannen- und wüstenerprobten Allterrainer die für eine Zulassung hierzulande notwendigen Modifikationen angedeihen. Außerdem beplankte er die hinteren Fahrzeugecken mit Alublechen und montierte neue Reifen des Formats 235/75-15 auf Chromfelgen der Dimension 7Jx15. Beim Vergleich der technischen Daten mit den hierzulande üblichen Versionen fielen dem 40 jährigen Sauerländer einige Unterschiede auf: „Der Afrikaimport ist mit einem Benzinmotor ausgerüstet, der aus 3,9 Litern Hubraum 156 PS holt. Diese gibt er über ein nur teilsynchronisiertes Dreiganggetriebe an die Antriebsräder weiter. Die Achsübersetzung ist kürzer als bei der nach Europa gelieferten Version. Diese Maßnahme sorgt zwar für mehr Durchzugskraft, macht dem Vortrieb aber bereits bei 135 Stundenkilometern ein Ende.“ Ob diesen Wert mit dem Wagen jemand einmal tatsächlich erreicht hat, ist fraglich: Die Geräuschkulisse und der geringe Federungskomfort (bedingt durch blattfederbewehrte Starrachsen) lassen berechtigte Zweifel aufkommen. Hinzu kommt, daß der schneeweiße Allradler unter Vollast einen Durst entwickelt, der sich mit dem eines Wasserbüffels in seinem ursprünglichen Heimatland Kenia durchaus messen kann: Bis zu 25 Liter laufen dann durch die Vergaseranlage. Bei zurückhaltender Fahrweise reduziert sich der Verbrauch auf Werte unterhalb der Fünfzehn-Litermarke. Der Aufbau des Sahara-Land Cruiser besteht aus einem fest zusammengefügten Kasten mit Seitenscheiben und einteiliger (bei den hiesigen Versionen zumeist zweiteiliger) Hecktür. Die Sitzbank vorn ist für drei Personen konzipiert, die entsprechende Anzahl an Sitzplätzen findet sich auch im Fahrzeugbrief wieder. Dort steht unter Fahrzeugart: "Lkw geschlossen". „Das spart Steuern und tröstet so etwas über den hohen Verbrauch hinweg“, sagt Webert. Aber die fehlende Servolenkung und einige andere Unzulänglichkeiten haben dann doch verhindert, dass ich mit dem alten Land Cruiser auf Dauer warm wurde“, bedauert Webert. „Manchmal ist die Erfüllung eines Wunschtraums eben doch nicht gleich bedeutend mit glücklich werden.“
So hat Michael Webert seinen Offroad-Veteran nach nur einer Saison ins Ruhrgebiet verkauft und ist auf einen modernen Allrad-Stationwagon umgestiegen. Mal sehen, wie lange er es mit dem aushält...


Diese Heldengeschichte über den (Ex-) Toyota Land Cruiser FJ 40 entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds emmwee

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