Toyota Crown 2.8i Super Saloon

Toyota Crown 2.8i Super Saloon


Marktbeobachtung

Er wollte so sein wie der Cadillac Fleetwood, doch kam dabei eher die Nippon-Variante des Chevy Caprice heraus. Eben ein akkurat gezogener Seitenscheitel auf Rädern. 

Das Layout aus Detroit, die Zuverlässigkeit aus dessen Schwesterstadt Koromo, die Kunden in Bottrop: So ähnlich lautete der Toyota-Dreisatz zum geplanten Erfolg des Topmodells Crown, dessen sechste Generation ab 1980 auch in Deutschland angeboten wurde. Allerdings enthielt die Rechnung der Toyota-Marketingexperten eine gewichtige Unbekannte: wie die deutsche Mentalität auf Toyota's Vorstoß in die obere Mittelklasse reagieren würde. Sie tat es so gut wie gar nicht.

Der Siegeszug der Japaner in der Klein- und Mittelklasse war das Eine, ein Stern auf der Haube etwas Anderes. Den ließen sie sich zwischen Flensburg und Füssen nicht so schnell von einem dahergerollten Großnase aus Fernost nehmen, die Teutonen. Da konnte Toyota noch so viel Plüsch und PS unter die Haube des Crown packen, das dritte, entscheidende Fahrzeugdetail mit "P" stellte sich einfach nicht ein: Prestige.

Dabei wartete das selbstgekrönte Haupt der fernöstlichen Exportautos mit einem Preis-Leistungsverhältnis auf, die deutsche Luxusautos vor Scham in den eigenen Aufpreislisten hätte versinken lassen müssen. Es gab Zentralverriegelung, Colorverglasung, Veloursausstattung, elektrische Fensterheber, Servolenkung und vieles mehr für 23.195 D-Mark. Da war die Zusatzbezeichnung "Super Saloon" kein leeres Versprechen. Apropos "leer": Ein nicht-ausgestatteter Mercedes 280 SE war 11.000 Mark üppiger im Preis als der Toyota. Und trotzdem Oberklasse – jedenfalls in der Wahrnehmung der Mercedes-Kundschaft. Denn ein Toyota, auch wenn er Crown hieß, war für Ford Granada-Fahrer höchstens eine der unzähligen Vorstufen zum Daimler. "Im Gegensatz zu Statussymbolen, bei denen der repräsentative Charakter überbetont wird, überzeugt der Toyota Crown durch Funktionalität", äzte Toyota nur kaum verholen im Crown-Prospekt gegen die etablierten Marken. Vergebens.

So glitt der Crown nur drei Jahre mit seinem 145-PS- Sechszylinder durch das deutsche Verkaufsprogramm, bevor seine konservative Erscheinung auf immer aus den Neuwagenhallen verschwand. Bei nur 15.000 exportierten Exemplaren war der stattliche, aber dann doch zu gewöhnliche Crown zu keinem Zeitpunkt ein wahrer Rivale von S- und sonstiger Ober-Klasse. Allerdings ist der Crown deshalb bis heute das geblieben, was er immer war: ein Exot unter den kultivierten Limousinen.

Verhalten gediegen wie 1981 und auch fast so frisch wie ein Neuwagen des selben Jahrgangs präsentiert sich unser aktuelle Netzfang, der sich bis heute der Obhut eines Toyota-Händlers erfreuen kann. Weder Dellen noch Rost trüben die äußere Erscheinung, der Innenraum entspricht einem gepflegten Salon und die Mechanik scheint tadellos. Somit ist nur noch der stolze Kurs von fast der Hälfte des ehemaligen Neupreises zu verdauen, der jedoch einem späten Triumph dieser beinahe amerikanischen Sänfte über die S-Klasse entspricht. Denn einen 280 SE gibt's heutzutage für 'nen Tausender. Einen Crown niemals.

Autor: Knut Simon