Todsicher – Dodge Charger

Todsicher – Dodge Charger


Marktbeobachtung

Was tut eigentlich mehr weh: Das Wissen darüber, was hier binnen Sekunden zum Walzwerk-tauglichen Blechklumpen modelliert wurde, die Vorstellung, in einem dieser Filmvehikel durchgeschüttelt zu werden oder die Information, dass die Reste aus all dem noch über 7.000 Euro kosten sollen?

Dieser Beitrag läuft Gefahr, der kürzeste innerhalb der Netzfang-Rubrik zu werden. Das klänge ungefähr so:

"Es war einmal ein Dodge Charger."

Die erweiterte Kuzversion: Schrottreife Autos von Stars kennen wir spätestens seit James Dean. Jean Harlow wäre noch zu nennen, Alexandra, Falco, Albert Camus. Noch nie jedoch hatten wir die Ehre, ein komplettes Wrack mit der weihevollen Aura eines noch lebenden Hollywoodstars kaufen zu können. Quentin Tarrantino macht's möglich.

Der Muscle-Car-Maniac stopft einfach mehrere Filmlegenden wie den Charger ("Bullit"), einen Mustang Mach I ("Gone in 60 Seconds") und einen Dodge Challenger ("Vanishing Point") in eine Filmdose, packt noch den fabelhaften Kurt Russel (kennt noch jemand Snake Plissken?) in diesen automobilen Overkill hinein – und zerlegt dies alles binnen 90 Minuten in seine Einzelteile. Diverse naive Mädels eingeschlossen.

Ja – und? Was bleibt? Ein Haufen rostiger Amischrott für 7.500 Euro. Was macht man damit? Man stellt ihn ins Foyer des eigenen kleinen Heimkinos, parkt ihn provozierend (Nachbarn, Umweltamt) direkt im Vorgarten oder kauft sich 80 Kilo Feinspachtel, einen guten Hammer sowie eine Familienpackung Baldrian. Nur, falls während der doch etwas umfangreicheren Restaurierung der Nachbar der Umwelt wegen kurz vorbei schaut und man gerade besagten Hammer in der Hand halten sollte. Wie schnell sowas ausrutscht. Siehe Tarrantino.

Ansonsten kann man Tage damit zubringen, vermeintliche Film-Blutspuren im Charger zu sichern und auszuwerten, die Bauart des Überroll-Käfigs zu studieren und viel Rock'n'Roll zu hören. Man kann es aber auch lassen. Denn dies alles erscheint doch recht langweilig. Tod-langweilg.

Die Kurzversion (siehe oben) ist einfach besser. Denn Märchen musst Du nicht zwingend mit full Speed und im Director's Cut erzählen. Aber immer mit Drive.

Dieser Artikel erschien am 01.07.2008