Supercar – Lamborghini Miura

Supercar – Lamborghini Miura


Marktbeobachtung

Supercar: Weil das Wort zur allgemeinen Umschreibung des neuen Lamborghini Miura noch nicht erfunden war, wurde es halt kurzerhand geboren. Dies war auch nötig, denn nie zuvor hatte man etwas Ähnliches wie den Miura zu Gesicht bekommen.

Pech für Enzo Ferrari: Der anmaßende Traktorenfabrikant Lamborghini zeigt ihm, wie man Sportwagen baut. Wo der Hammer hängt. 1966 klappen auch die Unterkiefer aller übrigen Genfer-Salon-Besucher reihenweise auf den flauschigen Messehallenbeton, denn hier steht sie nun, die Allzweckwaffe von Marcello Gandini und Giorgetto Giugario. Miura. Nimmt die Konkurrenz auf die Hörner.

Quer thront der monströse V 12-Block hinter den Vordersitzen, Front und Heck scheinen im geöffneten Zustand nur am seidenen Faden mit der Fahrerkabine verbunden zu sein. Das Ding wirkt wie aus einer anderen Welt, mindestens jedoch wie aus der Zukunft. Zwar ist es zum Zeitpunkt seines Debuts noch nicht perfekt – Kenner sagen, das war es nie – aber es ist hot, VIP und ecklusiv. Kurz: der Maßstab dessen, was sich als Supercar bezeichnen darf.

Ganz und gar irdisch hingegen geht es in Lamborghinis Werk zu. Da werden frisch gelieferte Miura-Karossen über den Betonboden der Fertigung geschoben – weil es keine anderen Transportmöglichkeiten von Arbeitsstation zu Arbeitsstation gibt. Da wird am Vorabend der Presse- und Händlerpremiere die Kilometrierung des Testkurses enger zueinander gesteckt, damit die Miuras besser beschleunigen ...

Wer heute Miura kauft, zahlt zu viel. Lagen vor zwei Jahren die Kurse noch bei rund 160.000 Euro, ist heute locker das Dreifache drin. Apropos Geld: Brauchte der Kunde keine Rechnung, verbaute Lamborghini auch mal eben schnell ein und dieselbe Fahrgestellnummer ein zweites Mal. Ein drittes Mal ... In Dubai stauben in einer Tiefgarege ungefähr zehn Lamborghinis vor sich hin, die alle die gleiche Fahrgestellnummer haben.

Dennoch ist der Miura bis heute unverwechselbar. Schon allein wegen seiner legendenhaft vorgetragenen Motorgüte (Motor und Transmission teilten sich das Öl; fielen einige abgebrochene Zähne der Zahnkränze in die heiße braune Flüssigkeit, wurde der Miura schlagartig zum explizit teuren Ausstellungsstück).

Bis heute ist der Miura technisch so sensibel, wie er optisch filigran ist. Und dennoch verzeihen wir diesem Auto alles, alles. An erster Stelle, dass er nicht Ferrari heißt. 

Autor: Knut Simon

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