Simca 1000 GLS

Simca 1000 GLS


Marktbeobachtung

Was den Neunziger Jahren der TDI, war den Mittfünfzigern bis Mittsechzigern der Heckmotor. Fiat, VW, Renault, NSU, Hillman und Simca drifteten um die Wette, dass der Kies nur so spritzte. Der tapfere kleine Simca überlebte sogar bis 1978 – nur der Käfer hielt mickrige weitere 25 Jahre durch.   

Ohne Gamal Abdel Nasser wäre Oma nie Simca 1000 gefahren. Denn als der ägyptische Präsident 1956 den Suezkanal verstaatlichte, sah man sich in Europa drohenden Ölverteuerungen durch längere Transportwege und andere politisch bedingte Verzögerungen ausgesetzt. Und begann erstmals über wirtschaftliche Fahrzeuge nachzudenken.

Für den französischen Hersteller Simca bestand die Lösung in einem neuen Kleinwagen. Auf Basis des Fiat 850 konstruierte man ein lustiges kleines Kastenweißbrot auf Rädern, genannt Simca 1000, das sich ab 1962 sofort wie geschnitten Baguette verkaufte. Kurze Zeit später verpasste man dem 1000er ein Backtriebmittel, welches ihn in der Form des Simca Rallye 1 (später Rallye 2 und Rallye 3) zur bis zu 183 km/h schnellen Rennsemmel machte. Doch das war nicht Oma's Fall.

Großmutter, Jahrgang 1913, entschloss sich für den Komfort des 1000 GLS, den dieser mit abschließbarem Handschuhfach und Kühlmitteltemperaturanzeige im Überfluss bot. 1996, als sie hochbetagt starb, wies ihr Simca 1000 gerade einmal 40.000 gemeinsam gefahrene Kilometer auf. Und kaum Rost. Beides ist bei einem französischen Fahrzeug dieser Zeit ungefähr so selten wie Croissant-Restbestände in einer Boulangerie nach 11 Uhr vormittags.

Lediglich mit etwas Türkanten- und Kotflügelrost gebräunt wartet der 1000 GLS auf ein neues Zuhause. Das Auto besitzt nicht nur eine Historie, diese ist auch penibel überliefert. Neben dem aktuellen Besitzer berichten Unterlagen wie Prospekt, Service- und Scheckheft etc. von einem langen, geruhsamen Autoleben. Sogar die Schmutzfänger mit Simca-Emblem, ein zeitgenössisches Extra, sind vorhanden. Und im Innenraum scheint noch nie jemand Platz genommen zu haben, so unberührt wirken die Stoffpolster mit Kunstlederflanken.

Der Wagen fährt, bremst und schaltet, letzteres übrigens über die Halbautomatik Ferodo, und präsentiert sich im absolut unverbastelten Originalzustand. Wer einmal dies heiser röhrende Gokart bewegt hat, ist letzteres auch emotional und muss sich in ersteres verlieben.

Apropos Amour: Sogar im internationalen Liedgut wurde der Simca verewigt. Eine spanische Rockband befand damals (ob aus eigener Erfahrung ist nicht verbürgt): "It's so difficult to make love in the Simca 1000."

Der aufgerufene Preis von rund 2.200 Euro ist mehr als anständig, wird man ein solches 1000er-Exemplar doch schwerlich ein zweites Mal finden. Allerdings notiert Simca's 1000er auch keine nennenswert höheren Klassikerpreise – es ist ein Auto für Liebhaber, die das authentische Fahrgefühl der frühen Sechziger durch die geöffneten Dreiecksfenster einatmen möchten. 

Wie titelte einst die Eigenwerbung so schön: "Bei Simca ist der Tausender noch was wert." Das stimmt noch heute. Auch, wenn die D-Mark und der Heckmotor Geschichte sind. 

Autor: Knut Simon