Shelby Cobra: Die Renn-Natter

Shelby Cobra: Die Renn-Natter


Autos, die Geschichte machten

Eine amerikanische Ikone ist aus einem kleinen englischen Sportwagen erwachsen, und Schuld daran ist Carroll Shelby, Ex-Rennfahrer und LeMans-Sieger 1959. Er brachte dem AC Ace das Fliegen bei und legte den Grundstein für eine Legende.

Der Traum vom Amerikanischen Sportwagen

Den Plan zu einem Sportwagen hegte er schon lange, mit dem AC Ace hatte er endlich eine geeignete Ausgangsbasis gefunden. Ford war Feuer und Flamme  für einen konkurrenzfähigen Sportwagen mit Motoren aus eigener Fertigung. Dem eigentlichen Ideal des Sportwagens, relativ hohe Motorleistung bei geringem Gewicht, kam die Konstruktion des Ace mit seinem Gitterrohrrahmen schon sehr nahe, doch vor allem sein überragendes Fahrwerk gewann die Sympathien des Amerikaners. Wenig beeindruckend fand Shelby den eingesetzten Sechszylinder, da standen in Amerika schon andere Kaliber zur Verfügung. Shelby Cobra: Die Renn-Natter

Manchmal ist mehr einfach mehr

Die zu Anfang implantierte 260 Cubic-Inch-Maschine ( circa 4,2 Liter) wurde zügig durch einen 289cui V8 Small Block im engen Motorschacht ersetzt, schon dieser Eingriff machte eine Verbreiterung der Spur unumgänglich. Für die Verzögerung des Autos kamen Scheibenbremsen an allen vier Rädern zum Einsatz. Mit diesen überschaubaren Aufwand hatte sich der Ace schon ganz erheblich in Richtung eines ernstzunehmenden Sportgerätes entwickelt. Dieser Wandel wurde mit einer Umbenennung Rechnung getragen, die AC Cobra erblickte das Licht der Welt. Und sie fand begeisterte Anhänger, die das relativ kleine Geschoss auf den Rennstrecken dieser Welt erfolgreich einsetzten. Shelby Cobra: Die Renn-Natter

Eine Giftschlange gegen Italienische Hengste

Um die ganz Großen des Rennsportes zu schlagen, die damals fast alle aus Maranello stammten und auf den Namen Ferrari hörten, reichte die Leistung des Small Block aber nicht ganz. Doch Ford hatte ja noch einen Big Block mit 427cui im Angebot, ob der nicht passen könnte? Er passte, aber nicht auf Anhieb. Erst musste der Rahmen weiter verstärkt werden, um der brachialen Leistung des Ford-NASCAR-Rennmotors standhalten zu können. Die vordere Radführung erfolgte nun mit doppelten Querlenkern, Antriebswellen und Bremsen wurden ebenfalls verstärkt. Auch die traditionellen Blattfedern mussten den moderneren Schraubenfedern weichen. Die neue Cobra war in ihrer schonungslosen Brutalität schlicht genial. Die Beschränkung auf das wesentliche führte zum maximalen Erlebnis. Shelby Cobra: Die Renn-Natter

Die Geldscheinwette

Kein Auto hatte bisher ein besseres Leistungsgewicht gehabt, die mögliche Beschleunigung war phänomenal. Gerüchte wollen wissen, dass Cobra-Piloten um an die Windschutzscheibe geklebte Geldscheine gewettet haben, die während der Beschleunigungsphase vom Beifahrer eingesammelt werden sollten und die nicht ihren Besitzer wechselten. Auf der englischen Autobahn M1 stellt eine Cobra 1964 mit 293 km/h einen jahrelang haltenden Geschwindigkeitsrekord für Serienfahrzeuge auf. Angesichts der eher formal als funktional gestalteten Cobra-Karosserie, die wohl nie einen Windkanal von Innen gesehen hat, ein weiterer Beweis für die Macht des Motors. Der stellte seine Leistung auch bei einem Test der Automobile Quarterly gegen einen Jaguar XK120 unter Beweis, indem er die Cobra in der Zeit, die der Jaguar zum Beschleunigen auf 160 km/h brauchte, einmal auf dieselbe Geschwindigkeit beschleunigte, vollkommen abbremste und wieder 160 km/h erreichte. Shelby Cobra: Die Renn-Natter

Ford zieht die Zähne

Die AC oder Shelby Cobra, wie sie auch genannt wird, fehlte es offensichtlich nicht an Motorstärke, aber ihre gewichtige Maschine führte bei engen Kurven zu Problemen und ihre hübsche, aber sperrige Karosserie war bei schnellen Strecken ein Hemmschuh. Den Todesstoß versetzte ihr aber der Motorlieferant Ford, der mit einem eigenen Sportwagenprojekt, dem GT40,  zu sportlichen Erfolgen ansetzen wollte und dem Cobra-Projekt die weitere Unterstützung des Konzerns entzog. Carroll Hall Shelby zog die Konsequenz und sich von der Fertigung der Cobra zurück, er widmete nun dem Ford Mustang seine volle Aufmerksamkeit.