Schnell-Laster – Opel Rekord D Pick up

Schnell-Laster – Opel Rekord D Pick up


Schnell-Laster – Opel Rekord D Pick up

Originalitätsfetischisten müssen jetzt ganz tapfer sein: Carsablanca-Mitglied Heinz Nowak rückte seinem Opel Rekord D mit dem Plasmaschneider zu Leibe – und machte den Zweitürer zum Eiltransport mit offener Ladefläche

Wenn ein Autofan ein rentnergepflegtes Ersthand-Auto angeboten bekommt, greift er zu – vor allem, wenn das gute Stück bereits auf dem Weg zum Oldtimer ist und noch dazu nichts kostet. Aber was dann?
Nein sagen mochte Heinz Nowak (Opelheinz) nicht, als sein Nachbar sich aus Altersgründen von seinem Opel Rekord D trennen musste und ihm den babyblauen Zweitürer als Geschenk anbot. Schließlich wurden diese – für Wackeldackel und Klorolle auf der Hutablage prädestinierten – Stufenhecklimousinen schon in der ersten Hälfte der 90er Jahre zunehmend rar. So stellte Nowak den Rekord erst einmal in der Halle ab, die er, gemeinsam mit einem Bekannten, gemietet hatte. Sein Schrauberfreund war damals dabei, einen ehemaligen Leichenwagen in einen Pick up umzubauen. Das brachte den Essener Opelfan auf die Idee, mit der zweitürigen Standardlimousine ähnliches zu versuchen.
„Ich hatte meinem Freund an einem Samstag beim Umbau des Admiral Pick up geholfen“, erinnert sich Heinz Nowak an jenen denkwürdigen Tag vor rund 15 Jahren. „Er musste aber gegen Mittag weg, hatte familiäre Verpflichtungen.“ Der Essener, als gelernter Tischler handwerklich durchaus begabt, blieb in der Halle zurück: Mit einem betriebsbereiten Plasmaschneider, dem alten Rekord – und mit einer Idee. „Als ich am Samstag Abend die Halle verließ, war die Karosse bereits grob in Form geschnitten.“ Doch das war natürlich nur ein erster Schritt. Heinz Nowak plante von Anfang an den Umbau zu einem stabilen, zulassungsfähigen Fahrzeug: „Ich wollte den Wagen hinterher auch offiziell im Straßenverkehr bewegen“.  Dabei kam ihm entgegen, dass sich die Substanz des Rekords, mit seinen gerade mal 100.000 Kilometern auf dem Tacho, als solide erwies. Dennoch musste das Chassis mit Streben verstärkt werden, um dem Wagen die Stabilität zurück zu geben, die durch das Zerschneiden des Aufbaus verloren gegangen war. Ein Rahmen aus Stahlprofilen bildete den Unterbau der künftigen Ladefläche. Die 180 x 140 cm große Fläche selbst bestand aus einer maßgenau eingepassten Siebdruckplatte. Seitlich begrenzt wurde die hintere Ebene von den verlängerten Kotflügeln, die nun bis zur rund 40 cm nach vorn versetzten C-Säule reichten. Darauf, auf der gleichfalls vorgerückten B-Säule und dem original belassenen Windschutzscheibenrahmen ruhte das verkürzte Dach. Die hinteren Seitenscheiben ähneln  zwar denen des Kadett Aero, waren aber Eigenbauten aus dickem Acrylglas.
Auf Türen im klassischen Sinn verzichtete Heinz Nowak. Sein Zweisitzer war nur noch für leidlich gelenkige Zeitgenossen zu besteigen: Die hochgezogenen und verstärkten Schweller bildeten eine echte Hürde. In ihren Hohlräumen ruhten Passstücke aus schwarzem Verdeckstoff, die sich maßgenau in die Einstiegsöffnungen knöpfen ließen. Damit waren die Insassen leidlich vor den Widrigkeiten der Witterung geschützt. Die Heizungsanlage des serienmäßigen zwei Liter großen Vierzylindermotors erwies sich als so leistungsfähig, dass die einknöpfbare Heckscheibe selbst an kühlen Morgen in ihrem Futteral bleiben kann. Auch sonst blieb das Triebwerk unangetastet: „97 PS und über 150 Stundenkilometer Spitze sind doch für einen Lastwagen völlig ausreichend“, findet der Erbauer. Denn zulassungstechnisch galt der 73er Opel seit dem Umbau als „Lastwagen, offener Kasten“. Demzufolge wurde er nach Gewicht besteuert und war auch ohne Katalysator günstig im Unterhalt. Beim Auspuff handelte es sich übrigens um einen Eigenbau – aus Edelstahl und mit einen Doppelrohrausgang in Sidepipe-Manier sorgte er für den entsprechenden Sound.
Die Sportsitze in Nowaks Last-Rekord waren einem Ford Capri der letzten Serie entnommen. „Ausschlaggebend für die Wahl waren die durchsichtigen Kopfstützen“, berichtet Heinz Nowak. Der Rest des Fahrerhauses wurde mit schwarzem Velours ausgeschlagen, Dachhimmel und Cockpit blieben original erhalten. Selbst das spindeldürre schwarze Zweispeichenlenkrad verrichtete nach wie vor seinen Dienst. Direkt von vorn betrachtet, wirkte Heinz Nowaks Pickup-Rekord recht unauffällig, trotz einer Lackierung in der RAL-Farbe „Verkehrsgelb“. Die schwarz lackierte Stoßstange war zwar ebenfalls ein Opel-Originalteil, stammte aber nicht von dieser Baureihe, sondern vom Diplomat A. Ursprünglich ebenfalls für einen Diplomat gefertigt wurde die Niveauregulierung, die Nowak seinem gelben Kleinlaster spendierte. Die Stahlfelgen der Dimension 5J x 13 mit den entsprechenden 165er Reifen hingegen entsprachen der Serienausstattung.
Ursprünglich hat Heinz Nowak die Rekord-Pritsche als Zweiradtransporter gebaut: „Ich wollte damit mein altes DKW-Motorrad zu Treffen transportieren“, erklärt der gelernte Tischler aus Essen. Nachdem er sich bereits vor längerem von diesem zweirädrigen Veteranen getrennt hatte, gab es auch für den gelben Transporter keine Verwendung mehr. Auch der Pick up ist inzwischen verkauft. Dennoch bleibt Nowak der Marke treu. So besitzt er noch ein Coupé der seltenen, weil nur 11 Monate lang produzierten Rekord B – Reihe. Das soll aber original bleiben...

Diese Heldengeschichte über den Opel Rekord D Pick up entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds Opelheinz.