Schlitzaugen-Coupé – Alfa Arna

Marktbeobachtung

Es gibt Dinge, die tut man einfach nicht. Oma's Dackel Senfpaste mit Rhizinusöl ins Frolic mischen zum Beispiel. Nach dem Weg zum Bahnhof fragende, sehbehinderte Mitmenschen an die nächste Litfaßsäule stellen und sagen: "Immer an der Wand lang!" Oder eben Alfa-Gene mit Reisbrei-Aroma anreichern.

Nee. Nee! Nee!! Schauder. Ich mag das Ding immer noch nicht sehen. Und höchstens, wenn man man mir Geld dafür zahlte, würde ich über dieses Geodreieck auf Trennscheibenbereifung einige dürftige Zeilen verfassen.

Mal ehrlich: Können Sie sich Eros Ramazotti mit japanischen Geisha-Tänzerinnen im Hintergrund vorstellen? Nur die sieben Samurai schienen mir geeignet, diesem automobile Karaoke für immer den Saft abzudrehen. Immer ist über den Alfa Arna zu lesen, es seien "nur" rund 53.000 Stück hergestellt worden. Ja, Leute! Wacht doch mal auf! Erschreckende 53.000 Menschen (Menschen!), deren Unterschriften wahrscheinlich unter dem Eindruck stundenlangem Budenzaubers aus Bruce-Lee-Filmen, halbgarem Sushi und dem Verweis auf den auch nicht gerade atemberaubenden Golf II zustande kamen, bestellten den Arna tatsächlich. 

Wie viele von Ihnen durch Leberzhirrose dahingerafft wurden (solch ein Auto musste man sich einfach schön trinken), ist nicht überliefert. Allerdings kann man sich nunmehr aufmachen, eines der letzten Exemplare zu kaufen und danach zu sprengen, oder es auch gleich sprengen und dem Besitzer eine Ehrenurkunde im Beisein von Rüdiger Nehberg überreichen: "20 Jahre von Reiskonfekt auf Rädern ernährt und dennoch überlebt." Hoffen Sie bloß nicht auf ein Kompliment für den Mann aus meinem Munde. Immerhin hat er den Arna damals (oder irgendwann) gekauft.

Natürlich waren Alfas seinerzeit Gammelhütten mit abfallenden Plastikteilen, ähnlich hochwertig zusammengebaut wie ein sinnfreies Gimmick aus einem Überraschungsei. Ein Palazzo hält dem gammeligen Brackwasser des Canale Grande 300 Jahre lang stand, warum schaffte ein Sud teilweise nicht die 3.000-KM-Grenze, bevor sich seine Motorhaube nach oben pellte wie die Borke einer faulen piemontesischen Linde? Meine Herren.

Los jetzt. Stellen Sie Ihre eben in Pakistan günstig erworbene Fernlenkwaffe auf die Verkaufskoordinaten des Arna ein, rufen Sie dessen Besitzer an und sagen Sie ihm, dass er noch genau sieben Minuten Zeit hat, um die letzte Stufe der automobilen Kulturrevolution noch mit eigenen Augen zu sehen – vorausgesetzt, er lässt sich umgehend aus dem Auto fallen, egal, ob es gerade steht oder fährt. Filmen Sie das Geschehen via Webcam und veröffentlichen Sie die Resultate auf www.burnout-syndrom.com. Damit man wenigstens ein einziges Mal über den Arna sagen kann: "Ein heißes Teil!"