Scharfer Kreuzer – Buick Le Sabre / Centurion

Sagst Du „TDI!“, sage ich: Hubraum. Sagst Du „steuerbefreit“, gähne ich: „H-Kennzeichen“. Sagst Du „Garantie!“, seufze ich: „Treckertechnik.“ Du siehst, am 445er Big Block kommt man nicht vorbei, wenn man zeitgemäß sein will.

Alle reden vom Drei-Liter-Auto. Völlig unrealistisch. Siebeneinhalb Liter, das klingt schon reeller. Wie? Sicher, auch beim Verbrauch. Ich jedoch spreche von Hubraum. Von Fahrkultur. Wozu einen Multivan leasen für 500 Euro monatlich, wenn es auch andere Möglichkeiten gibt, um sechs Personen zu befördern? Und dies zum Preis von vielleicht 18 der erwähnten Raten. Und anschließend gehört das Ding dann auch noch Dir. Und gut bürgerlich ist so ein Le Sabre immer. Er war Buick’s Einstiegsmodell in die Full-Size-Cars. Der hier gefundene ist sogar noch selten, denn er hört auf den Namen Centurion – eine Modelllinie, die nur wenige Jahre existierte, und im Prinzip ein Karosserie-Derivat des scharfen Wagens (Sabre = Schwert) war.

Und dann: Banana-Gelb! Braunes Interieur. Brr. Wenn das mal nicht an Chiquita-Stauden unter strahlend blauem Himmel auf dem Boulevard von Hawaii gemahnt. Mir wird schon ganz heiß. Ich spüre förmlich, wie sich Kunstlederpolster und Nylonshorts mittels Transpirations-Lösung miteinander verbinden und es „Schlp!“ macht, wenn man vom Sitz rutschen möchte. Dann schalten wir eben einfach die Antarktis ein, in Form der GM-Klimaanlage. Dass der Klimakompressor an Durchzug leidet und neben dem Polarsturm auch einen Tsunami an der zum Motor führenden Spritleitung entfacht – sei es drum. 500 Kilometer Fahrt im Le Sabre merken Sie fast überhaupt nicht. Höchstens an der Tankuhr: „Wow, hat der ein Drehmoment!“ "Das ist die Tanknadel, nicht der Drehzahlmesser!“

So machen die Trinksitten eines Le Sabre / Centurion auch gleichzeitig Schluss mit teuren und unsinnigen Extras eines Multivans, wie zum Beispiel des klimatisierten Handschuhfachs oder der Kühlbox. Im Centurion kaufen Sie eben an jedem der unzähligen Tankstopps frische Drinks aus dem Kühlregal. Außerdem haben Sie zwar ein großes Auto, brauchen aber nicht den typischen VW-Bus-Aufkleber zu kaufen: „Ja, ich habe einen Bus. Nein, ich helfe nicht bei Deinem Umzug!“ Niemand wird Sie um Ihren Buick bitten. Es sei denn, Ihre pubertierenden Kinder. „Klar dürft Ihr den Centurion haben. Oh, Ihr müsstet bitte nur tanken …“

Der Wagen ist auch prädestiniert für den Fahrschul-Einsatz. Parken Sie mal einen 73er Buick Le Sabre in einem Zug in einer Parkbucht, die nicht so groß ist wie das Baseballstadion Wrigley Field der Chicago Cubs. Danach gelingt Ihnen alles, sogar das Einfädeln von frittierten Onion Rings durch Granma Walton’s Stopfnadelöhr.

Nur eines ist vielleicht unzeitgemäß: Ein Cabriolet im Winter. Wie bitte? Habe ich Sie da gerade „Heizung. Gefüttertes Verdeck“ flüstern hören?

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